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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

23. Februar 2021
Seite 1/3
SERIE: COVID-19 und hämatologische Erkrankungen

Im Rahmen des ASH TODAY 2020 wurden auf der Veranstaltung „COVID-19 und Hämatologie“ mit Prof. Dr. Marie von Lilienfeld-Toal, Jena, und PD Dr. Jens Ulrich Rüffer, Köln, u.a. verschiedene Aspekte wie Impfung, die Bedeutung der Antikoagulation sowie die Auswirkung von COVID-19 auf spezielle Therapien in der Hämatologie, wie z.B. die Transplantation, diskutiert.
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Lilienfeld-Toal stellte zu Beginn den „Fireside Chat“ mit Dr. Anthony Fauci vor. Dieser erwartet, dass SARS-CoV-2, so wie die Erkältungsviren, in der Virulenz eher verliert, aber wahrscheinlich eine höhere Übertragbarkeit hat und sich infolgedessen ausbreiten wird – aber das über Jahre.

„Long COVID“

Da immer mehr Patienten, die eine COVID-19-Erkrankung durchgemacht haben, unter Spät- bzw. Langzeitfolgen leiden, galt eine andere Frage dem Phänomen „Long COVID“ oder Post-COVID-19. Fauci wies hier darauf hin, dass es nicht einfach sei, zwischen den Langzeitfolgen invasiver Beatmung oder des Intensivaufenthaltes – die auch z.B. bei Patienten mit Septikämien vorkommen – und tatsächlichen SARS-CoV-2 spezifischen Spätfolgen wie z.B. protrahierter Abgeschlagenheit mit Kopfschmerzen zu unterscheiden.

Immunität und Impfung

Von besonderem Interesse war die Frage nach der Bedeutung der Immunität und Impfung – kann man nach einer COVID-19-Erkrankung von einer langen Immunität ausgehen? Von den bekannten Coro­naviren weiß man, dass die Immunität eher nur einige Monate anhält. Dies gelte wahrscheinlich auch für SARS-CoV-2. Wenn Antikörper vorhanden sind, könne es durchaus sein, dass eine weitere Infektion weniger schwer verlaufe.

Die Impfstoffe mRNA-1273 (Moderna) und BNT162b2 (BioNTech/Pfizer) haben eine hohe klinische Effektivität. Bei beiden handelt es sich um Doppelimpfungen, d.h. man braucht einen Booster. Der Impfstoff mRNA-1273 wird in 2 Dosen im Abstand von 4 Wochen, BNT162b2 im Abstand von 3 Wochen verabreicht. Letzterer wurde an einer etwas größeren Probandenpopulation getestet (> 43.000 vs. > 30.000). Fauci befürwortete, auch Krebspatient*innen zu impfen, auch wenn das Problem des verminderten Immunansprechens sicherlich vorhanden und deshalb in jedem Fall eine Herdenimmunität anzustreben sei.

Hämatologische Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion

Im Anschluss an den Fireside Chat mit Fauci stellte Lilienfeld-Toal die Ergebnisse einer spanischen Kohorte vor, in die 543 Patient*innen mit hämatologischen Erkrankungen, v.a. mit Neoplasien, die eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, eingeschlossen waren. Das Alter der Proband*innen (43% Frauen, 57% Männer) betrug median 70 Jahre, die Mehrheit (75%) wies Komorbiditäten auf. Die Kohorte ergab eine Mortalität von median 36,3%, wobei sich herausstellte, dass v.a. bei akuten Leukämien mit einer Mortalität von 49% schlechtere Chancen bestanden.

Aktive maligne Erkrankung als wesentlicher Risikofaktor

Als ganz wesentlicher Risikofaktor gilt dabei v.a. eine aktuell aktive maligne Erkrankung mit einer Mortalität von 51%, während Patient*innen in kompletter Remission deutlich seltener versterben (21%).

„Bei diesen retrospektiven Kohorten weiß man letztlich nicht genau, warum die Patient*innen verstorben sind. Es ist hier nicht auszuschließen, dass die Patient*innen z.T. möglicherweise in einer palliativen Situation waren, sodass keine intensivtherapeutischen Maßnahmen ergriffen wurden. Die Patient*innen hatten also nicht COVID-19 und sind dann später an der Krankheit verstorben, sondern sie sind in diesem Setting im Rahmen der COVID-19-Erkrankung verstorben. Was letztendlich ursächlich war, ist hier nicht mehr herauszulesen“, so Lilienfeld-Toal.

Es zeigte sich zudem, dass Transplantationspatient*innen eher kein erhöhtes Risiko haben. Die diskutierten Gründe hierfür waren, dass es sich meistens um jüngere Patient*innen handelt, die in kompletter Remission sind. Außerdem scheinen diese Patient*innen bezüglich Hygienemaßnahmen besonders achtsam zu sein und stecken sich deshalb ggf. seltener an, so die Vermutung.

Zusammenfassend ergaben die Daten der Kohorte, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 mit höheren Mortalitätsraten bei Patient*innen mit hämatologischen Erkrankungen einhergeht, wobei v.a. Patient*innen mit akuten Leukämien und myelodysplastischen Syndromen mit aktiver Erkrankung betroffen sind. Weitere Risikofaktoren sind höheres Lebensalter, Komorbiditäten und ein niedriger Performance-Status. Es bestätigten sich auch die Konstellation der niedrigen Lymphozytenzahlen als Surrogatmarker für eine schwerer verlaufende Infektion, ebenso niedrige Thrombozytenzahlen sowie die hohen Inflammationsmarker. Dies sei jedoch nicht Onkologie- oder Hämatologie-spezifisch.

 

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