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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
16. September 2020

Checkpoint-Inhibitoren: Welche Rolle spielt die Wirkstoffklasse beim nicht-resezierbaren HCC?

Interview mit Prof. Dr. med. Peter R. Galle, Universitätsmedizin Mainz.
Nach längerer Zeit der Stagnation kommt Bewegung in die Entwicklung von Systemtherapien bei Patienten mit nicht-resezierbarem hepatozellulärem Karzinom (HCC), beispielsweise wurden­ Checkpoint-Inhibitoren (CPI) in Studien geprüft. In der klinischen Prüfung fortgeschritten ist ein Kombinationsregime mit einem Angiogenesehemmer [1]. Ziel ist es, ein immunogenes ­Umfeld im Tumor zu schaffen, um das Potenzial der Krebsimmuntherapie ausschöpfen zu können. ­­Prof. Dr. Peter R. Galle, Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik, Universitätsmedizin Mainz, spricht im Interview über die Wirkungsweise solcher Behandlungsansätze beim HCC.
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Prof. Dr. Peter R. Galle, Mainz
Prof. Dr. Peter R. Galle, Mainz
Warum ist der Bedarf an neuen ­Therapieoptionen beim HCC nach wie vor so hoch?

Systemtherapeutische Ansätze sind in dieser Indikation erst seit 2007 verfügbar, davor waren nur die Operation und lokale Interventionen durch den Radiologen möglich. Wir können derzeit für die Erst- und Zweitlinie rund 5 verschiedene Medikamente einsetzen. Jedoch haben diese Substanzen nach wie vor bedeutsame Nebenwirkungen und sind auch in ihrer Effektivität immer noch begrenzt.

Mit der Immuntherapie hat eine neue Ära auch in der Indikation HCC begonnen. Nach interessanten ers­ten Signalen in Studien mit CPI als Monotherapie wurden verschiedene Kombinationsregime untersucht, darunter auch Atezolizumab in Kombination mit dem Angiogenesehemmer Bevacizumab. Damit ist es jetzt erstmalig gelungen, die mittlere Überlebensrate gegenüber mit Sorafenib behandelten Patienten signifikant zu verbessern.

Worauf beruht die Wirkung der beschriebenen Kombinationstherapie?

Bei der Kombination mit Atezolizumab und Bevacizumab scheint eine Augmentierung des Immuneffekts vom PD-L1-Inhibitor durch den Angio­genese-Inhibitor im Vordergrund zu stehen, Bevacizumab beeinflusst also immunmodulatorisch positiv das Tumormikromilieu.

Was gilt es bei der kombinierten Anwendung der Wirkstoffe zu beachten?

Die Nebenwirkungen der Immuntherapie werden durch Bevacizumab nicht relevant verstärkt. Man erlebt bei HCC-Patienten keine Überraschungen in Bezug auf unerwünschte Ereignisse; die bisher bei anderen Tumorentitäten beobachteten Nebenwirkungsprofile treffen auch auf HCC-Patienten und Leberzirrhose zu.

Im Vergleich zu den zielgerichteten Therapien mit Tyrosinkinasehemmern liegt ein großer Vorteil der Immun­therapie darin, dass sie bei Patienten mit schlechter Leberfunktion besser verträglich ist.

Welchen Effekt hat die Kombinationstherapie auf die Lebensqualität von HCC-Patienten?

Die Daten zur Lebensqualität sind im Vergleich zu Sorafenib überzeugend besser. Das zeigen die Ergebnisse der Patientenbefragung (PRO) der IMbrave150-Studie, die ich im Januar beim diesjährigen ASCO-GI in San Francisco präsentieren durfte. Eine relevante ­Lebensqualitätsverschlechterung tritt unter der Kombination Atezolizumab/Bevacizumab im Median erst nach rund einem Jahr auf, dagegen bereits nach knapp 4 Monaten unter Sorafenib. Es ist also ein wirklich deutlicher Unterschied in Bezug auf den Erhalt der Lebensqualität nachzuweisen, und das korreliert ja mit den Nebenwirkungen.

Welche Rolle wird die Kombination aus Atezolizumab und Bevacizumab zukünftig beim HCC spielen?

Das ist für mich der neue Standard. Wir haben eine Überlegenheit gegenüber dem alten Standard gesehen, und insofern ist das etwas, was ich als Patient unbedingt als Erstes haben möchte, denn man möchte ja zunächst mal einen möglichst maximalen Effekt erzielen.


Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Dr. Katrina Recker
 
Literatur:

(1) Finn RS et al. N Engl J Med 2020; 382(20): 1894-1905.


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