Montag, 22. April 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

26. April 2017 Zulassung von Nal-IRI erweitert Optionen in der palliativen Therapie des Pankreaskarzinoms

Interview mit Prof. Dr. med. Hanno Riess, Charité Berlin.

Pegyliertes liposomales Irinotecan (Nal-IRI, ONIVYDE®) ist seit Oktober 2016 in Kombination mit 5-Fluorouracil und Folinsäure (5-FU/LV) für die Therapie des metastasierten Pankreaskarzinoms zugelassen bei Patienten, deren Erkrankung nach einer Gemcitabin-basierten Therapie fortgeschritten ist. Basis war die Phase-III-Studie NAPOLI-1, die für Nal-IRI in Kombination mit 5-FU/LV im primären Endpunkt Gesamtüberleben eine signifikante Verbesserung gegenüber dem 5-FU/LV-Kontrollarm zeigte. Prof. Dr. Hanno Riess von der Charité Berlin sprach mit Journal Onkologie über erste Erfahrungen mit der Substanz und neue Optionen, die sich ergeben.
Anzeige:
Fachinformation
Prof. Dr. med. Hanno Riess, Charité Berlin.
JOURNAL ONKOLOGIE: Herr Prof. Riess, welche Erfahrungen konnten Sie mit dem liposomalen Irinotecan (Nal-IRI) bisher sammeln? Wie beurteilen Sie die Wirksamkeit und die Verträglichkeit?

Riess:
Erfreulicherweise erweitern sich schrittweise die Therapieoptionen für die medikamentöse Therapie der Adenokarzinome des Pankreas. Die Zulassung des liposomalen Irinotecans ist dabei die aktuellste Innovation. Auch in unserem großen Zentrum sind etwa 6 Monate nach Einführung naturgemäß die Erfahrungen limitiert, aber die Positionierung im palliativen Behandlungsalgorithmus kristallisiert sich doch zunehmend heraus. Die in der (zur Zulassung führenden) NAPOLI-1-Studie gezeigte Wirksamkeit in Kombination mit infusionalem 5-FU/Folinsäure konnten wir bei mehreren Patienten nachvollziehen. Dabei war die symptomatische Verträglichkeit bei adäquater Begleitmedikation erfreulich gut. Beachtung bedarf die hämatologische Toxizität und das Auftreten von höhergradigen Diarrhoen, die wir vereinzelt bei Patienten nach vorangegangener Primariusresektion beobachtet haben.


JOURNAL ONKOLOGIE: Bei welchen Patienten kann Nal-IRI eingesetzt werden?

Riess:
Gemäß der Studienlage und Zulassung sollten die Patienten bereits ein Gemcitabin-haltiges Therapieregime erhalten haben, bevor Nal-IRI zusammen mit 5-FU/Folinsäure zur Anwendung kommt. Dabei ist es unerheblich, ob Gemcitabin adjuvant oder palliativ, als Monotherapie oder in Kombination (z.B. mit Capecitabin, Erlotinib oder nab-Paclitaxel) angewendet wurde.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Patienten profitieren besonders?

Riess:
Betrachtet man die Auswertung der NAPOLI-1-Studie, so ist in allen relevanten Subgruppen ein günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis festzustellen. Ausschließlich Oxaliplatin (im OFF-Regime) stellt eine evidenzbasierte Alternative zu Nal-IRI – jeweils in Kombination mit 5-FU/Folinsäure – in der Zweitlinientherapie nach Gemcitabin dar. Beide Therapieschemata zeigen ein akzeptables aber differentes Toxizitätsprofil, so dass sich meiner Meinung nach anhand von Anamnese, Symptomenprofil und auch Patientenpräferenz nach Therapie-Aufklärung spezifische Anhaltspunkte für eine Differentialtherapie ergeben können. Zum Beispiel wird eine vorbestehende – auch geringgradige – Polyneuropathie (durch Diabetes mellitus oder Vortherapie) klar für die Nal-IRI-basierte Theapie sprechen. Andererseits können vorbestehende Diarrhoen oder schwerere Zytopenien unter Vortherapie Grund für eine zurückhaltend vorsichtige Initialdosierung von Nal-IRI plus 5-FU/Folinsäure – mit konsekutiver Dosisanpassung – oder den Einsatz von OFF sein.


JOURNAL ONKOLOGIE: Erhöht Nal-IRI die Chance, dass die Patienten noch eine dritte Therapielinie erhalten können?

Riess:
Vielen Dank für diese wichtige Nachfrage! Ja natürlich! In der Versorgungsrealität werden heute die meisten Patienten mit Pankreaskarzinom initial mit Gemcitabin/nab-Paclitaxel oder auch Gemcitabin-Monotherapie behandelt. Bei behandlungsfähigen und -willigen Patienten bietet sich dann Nal-IRI mit 5-FU/Folinsäure als Zweitlinientherapie an, ggf. gefolgt von OFF. Aber auch OFF gefolgt von Nal-IRI mit 5-FU/Folinsäure ist möglich!

Festzuhalten bleibt meinerseits, dass mit der praktischen Verfügbarkeit von Nal-IRI jetzt die Optionen der palliativen Behandlung für Patienten mit Pankreaskarzinom erweitert wurden und die zunehmende Verfügbarkeit wirksamer Medikamente über Gemcitabin hinaus zukünftig eine weitere Verbesserung der adjuvanten Therapieergebnisse, d.h. eine Verbesserung der postoperativen Kurationsrate, erhoffen lassen.


Vielen Dank für das Gespräch!

Das könnte Sie auch interessieren

AugenBLICKE für seltene Erkrankung Morbus Gaucher

AugenBLICKE für seltene Erkrankung Morbus Gaucher

Am 1. Oktober 2016 ist Internationaler Morbus Gaucher-Tag. Für die Passanten in der Frankfurter Innenstadt und den angrenzenden Stadtteilen wird dies kein gewöhnlicher Einkaufssamstag werden. Denn an diesem Tag wollen Sanofi Genzyme und die Patientenorganisation Gaucher Gesellschaft Deutschland e. V. (GGD) das Augenmerk der Öffentlichkeit auf die seltene Stoffwechselerkrankung Morbus Gaucher [sprich: go-schee] lenken – und zwar mit der Aktion „AugenBLICK für...

Künstlerische Therapien in der Krebsbehandlung

Künstlerische Therapien in der Krebsbehandlung
© ChenPG / Fotolia.com

Viele Krebspatienten schöpfen durch Musik, Malen oder andere künstlerische Tätigkeiten neue Kraft. Doch lange Zeit reichte der wissenschaftliche Kenntnisstand nicht aus, um die Wirkung von Musik- oder Kunsttherapien zu belegen. Erst in den letzten Jahren wurden hierzu vermehrt psychoonkologische Studien durchgeführt, in denen es gelang, die Steigerung des Wohlbefindens von Patienten durch künstlerische Betätigungen nachzuweisen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Zulassung von Nal-IRI erweitert Optionen in der palliativen Therapie des Pankreaskarzinoms"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.