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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

26. Mai 2020
Seite 1/5
Zervixkarzinom: Minimal-invasive radikale Hysterektomie – welche aktuellen Daten gibt es?

R. Klapdor, H. Hertel, M. Röttger, P. Hillemanns. Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Medizinische Hochschule Hannover

Die operative Therapie des Zervixkarzinoms hat zu einer der größten Kontroversen in der gynäkologischen Onkologie in den letzten Jahren geführt. Nachdem sich die minimal-invasive laparoskopische radikale Hysterektomie (LRH) zunehmend weltweit verbreitet hatte, verlor sie dramatisch an Bedeutung, als die Daten der LACC-Studie veröffentlicht wurden. Im Gegensatz zu den vorherigen Annahmen zeigte sich ein reduziertes Überleben nach laparoskopischem im Vergleich zu abdominal-offenem Vorgehen (ARH). Unzählige Studien wurden anschließend veröffentlicht, die dieses Ergebnis teilweise bestätigen, diesem aber auch teilweise widersprechen. Diese Arbeit gibt einen Überblick über die aktuelle Datenlage und die möglichen Kritikpunkte der einzelnen Studien. Aus diesen Ergebnissen sollten wir für die aktuelle Versorgung, aber auch für die Planung neuer Studien lernen.
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Die LACC-Studie


Die erste große randomisiert kontrollierte Studie zum Vergleich zwischen ARH- und LRH-Operationsverfahren bei frühem Zervixkarzinom wurde im Jahr 2018 veröffentlicht (1). Die LACC-Studie (Laparoscopic Approach to Cervical Cancer) wurde nach einer Interimsanalyse vorzeitig beendet und 631 Patientinnen mit einem Zervixkarzinom im Tumorstadium IA1 mit Lymphgefäßinvasion bis IB1 ausgewertet (319 LRH vs. 312 ARH). Diese Patientinnen wurden von 33 Zentren in den Jahren 2008-2017 rekrutiert.
 
Obwohl die Gruppen vergleichbar waren hinsichtlich Patienten- und Tumorcharakteristika, zeigte sich ein signifikanter und klinisch relevanter Unterschied im krankheitsfreien Überleben (DFS) nach 4,5 Jahren. In der LRH-Gruppe waren 86% krankheitsfrei, während in der ARH-Gruppe 96% keinen Tumor zeigten (DFS-Differenz: -10,6%; 95%-KI: -16,4 bis -4,7). Auch das Gesamtüberleben (OS) war mit 93,8% vs. 99% signifikant schlechter (HR=6,0; 95%-KI: 1,8-20,3), wie auch die Rate des lokoregionären rezidivfreien Überlebens (RFS) mit 94,3% vs. 98,3% (HR=4,3; 95%-KI: 1,4-12,6). Eine Nichtunterlegenheit konnte daher nicht bewiesen werden. Die Ergebnisse der roboterassistierten Operationen waren auch nicht besser und mit denen der laparoskopischen Chirurgie vergleichbar.
 
Zudem zeigte sich, dass das laparoskopische Vorgehen weder zu einer Reduktion der intra- und postoperativen Komplikationen führte, noch mit einer besseren Lebensqualität assoziiert war.
 
Diese Daten waren so nicht antizipiert und widersprachen den bisherigen Erkenntnissen aus retrospektiven Studien. Diese wurden in den Metaanalysen von Cao et al. (2015) und Zhao et al. (2017) zusammengefasst (2, 3). Bis dahin gab es nur 3 prospektive Studien (max. 68 Teilnehmer) und mehrere retrospektive Analysen. Hier zeigte sich bei 2.922 ausgewerteten Patientinnen kein Unterschied im DFS und OS zwischen beiden Verfahren, aber eine niedrigere Rate an intra- und post-operativen Komplikationen.
 
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