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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

16. Dezember 2019 ZNS-Metastasen sind besondere Herausforderungen bei der Behandlung von Patienten mit NSCLC

Beim fusionspositiven nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) treten ZNS-Metastasen verhältnismäßig häufig auf; je nach Krankheitsstadium haben 31-71% der Patienten mit ALK-Genfusionen ZNS-Metastasen. 40% der Patienten mit ROS1-fusionspositivem NSCLC haben bereits bei der Diagnose ZNS-Metastasen. Bei 47% der ROS1-fusionspositiven Patienten ist das ZNS sogar erster oder einziger Progressionsort. Für die Behandlung des ALK-fusionspositiven NSCLC steht mit Alectinib (Alecensa®) eine sowohl systemisch als auch intrakraniell sehr gut wirksame Therapieoption zur Verfügung.
Bei ROS1-fusionspositivem NSCLC hingegen kommt es unter dem derzeitigen Standard bei Patienten, die zu Therapiebeginn bereits ZNS-Metastasen aufwiesen, bereits nach 4,7 Monaten zum Progress. Patienten ohne ZNS-Metastasen waren weniger als ein Jahr progressionsfrei (rwPFS: 10,0 Monate). Dies zeigt eine aktuelle Analyse US-amerikanischer Real-world-Daten.

Auf den diesjährigen Kongressen der ESMO und der DGHO wurden die sehr guten Ansprechraten auf Entrectinib (RozlytrekTM) – unabhängig davon, ob ZNS-Metastasen vorlagen – betont. Entrectinib erhielt im August 2019 die US-Zulassung für die Behandlung von Erwachsenen mit fortgeschrittenem ROS1-fusionspositiven, metastasiertem NSCLC. Kurz nach dieser Zulassung hat das NCCN (National Comprehensive Cancer Network) bereits seine Empfehlungen angepasst: Entrectinib wird mit der Kategorie 2A bewertet und ist neben Crizotinib die Firstline-Therapie der Wahl bei ROS1-fusionspositivem NSCLC. Eine aktualisierte integrierte Analyse der Studien STARTRK-2, -1 und ALKA 372 001 belegt, dass insgesamt 79,2% der Patienten mit ROS1-fusionspositivem NSCLC auf Entrectinib ansprachen (95%-KI: 65,9-89,2%). 9,4% der Patienten zeigten eine komplette Remission (CR). Im bisherigen Follow-up (Cut-Off: 30.10.2018) erreichten die ROS1-fusionspositiven NSCLC-Patienten unabhängig vom ZNS-Status ein progressionsfreies Überleben (PFS) von 19,0 Monaten (95%-KI: 12,2-29,6 Monate). Die integrierte Analyse zeigt, dass zum einen alle NTRK-fusionspositiven Patienten eine gute Ansprechrate (ORR) von 59,3% erreichen. Zum anderen profitieren aber insbesondere die Patienten mit einem NSCLC von Entrectinib: Sie erreichten eine ORR von 70,0% (95%-KI: 34,8-93,3%), davon erreichten 10% eine CR.

Eine Subgruppenanalyse zeigt, dass bei ROS1-fusionspositiven NSCLC-Patienten mit ZNS-Metastasen die ORR sehr hoch war: 73,9% (95%-KI: 51,6-89,8%). Die mediane Ansprechdauer (DoR) betrug 12,6 Monate (95%-KI: 6,5-n.e.). Diese Patienten erreichten eine intrakranielle ORR von 55,0% (95%-KI: 31,5-76,9%) und intrakranielle DoR von 12,9 Monaten (95%-KI: 5,6 Monate-n.e.). Dabei konnte erst nach median 7,7 Monaten eine intrakranielle Progression beobachtet werden (PFS; 95%-KI: 3,8-13,6 Monaten) (1). Das Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil von Entrectinib waren gut und konsistent (1).

Wie auch bei Alectinib kann Entrectinib nur dann eingesetzt werden, wenn zuvor auf den jeweiligen molekulargenetischen Marker positiv getestet wurde. Damit möglichst viele Patienten von zielgerichteten Wirkstoffen profitieren können, empfehlen sowohl die deutsche S3- und die DGHO-Leitlinie als auch die internationale ESMO-Guideline eindeutig eine molekulargenetische Testung aller NSCLC-Patienten in fortgeschrittenen Stadien (2-4).

(Red.)

Quelle: DGHO/ESMO 2019

Literatur:

(1) De Braud F et al. ESMO 2019, Poster 1488PD.
(2) Leitlinienprogramm Onkologie (DKG, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie – Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. AWMF-Registernummer: 020/007OL. Stand: Februar 2018.
(3) Griesinger F et al. Onkopedia-Leitlinie „Lungenkarzinom, nicht-kleinzellig (NSCLC)“, Stand: Nov. 2018.
(4) Planchard D et al. Ann of Oncol 2018; 29 (Suppl 4):iv192-iv237.


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