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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

16. September 2019
Seite 1/2
Update: Moderne Therapie des kleinzelligen Lungenkarzinoms

C. Schumann, Klinik für Pneumologie, Thoraxonkologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Kempten-Oberallgäu.

Das kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC) ist mit 10-15% aller Lungenkarzinome eher selten und tendenziell rückläufig. Es besteht eine enge Assoziation zum Rauchen. Typisch sind die neuroendokrine Differenzierung sowie die hohe Proliferationsrate des Tumors. Bei Erstdiagnose sind potentiell kurative Situationen (limited disease) mit einem Drittel der Fälle vergleichsweise selten; häufiger bestehen ein ausgeprägter mediastinaler Befall sowie eine Metastasierung. Seit Jahrzehnten ist die Platin-basierte Kombinationschemotherapie der Standard. Fortschritte in der Behandlung konnten durch Einzug der Immun-Checkpoint-Inhibition erreicht werden, aber auch einzelne Targets bieten interessante Ansätze.
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Fachinformation
Die Mehrzahl der SCLC-Fälle sind bereits fortgeschritten mit extrathorakalen Manifestationen und somit im Stadium extensive disease (ED). Therapeutisch steht daher die Systemtherapie im Vordergrund und kann durch Strahlentherapie-Verfahren ergänzt werden. Im Median liegen das Gesamtüberleben (OS) bei 6-12 Monaten und das 5-Jahres-Überleben bei unter 3%. Frühe Rezidive und kurze progressionsfreie Zeiten sind charakteristisch. Zielgerichtete Therapieverfahren bei molekularen Alterationen spielen bislang keine Rolle.
 

Grundlagen und Standards der Systemtherapie
 
Aufgrund des systemischen Charakters des SCLC mit meist diffuser hämatogener Metastasierung ist eine suffiziente Systemtherapie das Rückgrat eines jeden Behandlungskonzeptes. Seit vielen Jahren ist die Kombination aus Cisplatin oder Carboplatin mit Etoposid der Standard. Die Evidenz dazu wurde u.a. in einer Metaanalyse zusammengefasst, die Studiendaten aus knapp 20 Jahren klinischer Forschung einschließt (1). Die Frage, ob 4 oder 6 Zyklen appliziert werden sollten, ist nicht einheitlich geklärt; die Literatur sieht keine Vorteile für eine erhöhte Zyklenzahl, wenn konsequent bei Progress erneut eine Systemtherapie gegeben werden kann (2). Eine Erhaltungstherapie sowie eine Dosis-intensivierung unter G-CSF-Gabe haben sich jeweils nicht durchgesetzt.
 

Rolle der Strahlentherapie
 
Bei gutem Ansprechen auf die primäre Chemotherapie und gutem Allgemeinzustand ist die prophylaktische Schädelbestrahlung mit dem Ziel der Reduktion des Auftretens von Hirnmetastasen und Verbesserung des Überlebens angezeigt (3). Ebenso kann auch die konsolidierende thorakale Tumorbestrahlung eine Option zur Verbesserung des Outcome sein (4). Des Weiteren wird die Strahlentherapie regelmäßig bei Frührezidiven oder bei symptomatischen Metastasen eingesetzt.
 

Grundsätze der Therapie beim Rezidiv
 
Eine Zweitlinien-Chemotherapie ist bei sensitiven Tumoren (Rezidiv > 3 Monate nach Ende der Erstlinienbehandlung) sinnvoll. Standard ist je nach Allgemeinzustand die Monotherapie mit Topotecan, aber auch andere Kombinationen z.B. Adriamycin/Cyclophosphamid/Vincristin (ACO) oder Carboplatin/Paclitaxel sind möglich. Eine Reinduktion mit der initialen Platin-basierten Kombinationschemotherapie ist bei einem Spätrezidiv (> 6 Monate) angezeigt. Prognostisch ungünstig ist das Frührezidiv (< 3 Monate); hier sind individuelle Konzepte (Bestrahlung, Chemotherapie) je nach Allgemeinzustand und Komorbiditäten indiziert.
 
 
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