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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

30. Oktober 2017
Seite 1/3
Transanale Tumor-Abtragung beim Rektumkarzinom

M. Ristig, J.-P. Ritz, HELIOS Kliniken, Schwerin.

Rektumkarzinome sind häufig vorkommende Tumoren. Die Therapie ist mehrheitlich interdisziplinär, multimodal und für den Patienten folgenreicher als die der Kolonkarzinome, von denen Rektumkarzinome zuverlässig abzugrenzen sind. Lokale Abtragungen durch einen transanalen Zugang sind radikalen Operationsverfahren hinsichtlich Risiken und Lebensqualität deutlich überlegen. Dem prätherapeutischen Staging kommt dabei eine wichtige Bedeutung zu. Es wird dargelegt, für welche Stadien ein lokales Vorgehen gleichwertige onkologische Ergebnisse liefern kann. Die Kriterien gehen dabei über das TNM-System hinaus und verdienen eine genaue Überprüfung. Die Ausweitung lokaler Therapieverfahren auf höhergradige T-Stadien ist Gegenstand von Studien. Das Instrumentarium für einen transanalen Zugang ist vielfältig. Die Erfahrung des Operateurs entscheidet wesentlich über Machbarkeit und das Vorgehen.
Kolorektale Karzinome verzeichnen in Deutschland in den einzelnen Altersgruppen und zuletzt auch in absoluter Zahl eine leicht rückläufige Tendenz, zählen aber mit mehr als 62.000 Neuerkrankungen (2012) zu den häufigsten Krebsarten. Bei Männern ist der Darm hinter der Prostata und der Lunge das dritthäufigste, bei Frauen hinter der Brustdrüse das zweithäufigste von Malignomen betroffene Organ. Männer sind mit 57% der Darmkrebs-Fälle etwas häufiger betroffen als Frauen. 50% der Neuerkrankten sind älter als 70 Jahre, 10% jünger als 55 Jahre. Ab diesem Alter gehört die Koloskopie in das Vorsorgeprogramm. Bei der Krebs-bedingten Sterberate rangiert der Darmkrebs bei Männern an zweiter und bei Frauen an dritter Stelle. Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt über 50%, damit haben Darmkrebs-Patienten eine mittlere Prognose (1).


Wo beginnt das Rektum?

Darmkrebsfälle müssen in Kolon- und in Rektumkarzinome unterteilt werden. Das Rektum, pragmatisch in 3 nicht ganz gleiche Drittel unterteilt, umfasst die unteren 16 cm des Verdauungstrakts, konsequent gemessen in der starren Rektoskopie mit der Anokutanlinie als Nullpunkt (Abb. 1).
 
Abb. 1: Drittelung des Rektums in cm, beginnend an der Anokutanlinie.
Abb. 1: Drittelung des Rektums in cm, beginnend an der Anokutanlinie.


Etwa 30% der kolorektalen Karzinome betreffen das Rektum (1). In unserem Vizeralonkologischen Zentrum Schwerin fanden sich unter den von 2013 bis Juli 2017 behandelten 436 Darmkrebs-Fällen 187 Rektumkarzinome (43%). Eine Erklärung für die höhere Rate mag die konsequente Durchführung der starren Rektoskopie sein, die erfahrungsgemäß gelegentlich zu einem Umkodieren zuvor als Sigmakarzinom eingeordneter Befunde führt.


Diagnostik

Ist ein Darmtumor in der starren Rektoskopie als Rektumkarzinom identifiziert worden, bestimmt – neben den Untersuchungen von Leber und Lunge als den häufigsten Lokalisationen für Fernmetastasen – das lokale Staging die weitere Therapie. Mit der Endosonografie des Rektums hat sich eine Methode etabliert, die besonders frühe T-Stadien sicherer gegeneinander abgrenzen kann als das MRT des Beckens, mit dem wiederum fortgeschrittene Stadien besser abgebildet werden können. Häufig kommen beide Untersuchungen zum Einsatz, um das für die unter Umständen komplexe Therapie entscheidende T-Stadium sicher zu diagnostizieren (Tab. 1). In etwa 75% der Fälle liegen nach den Krebsregisterdaten verlässliche Daten zum T-Stadium kolorektaler Karzinome vor. 30% der Fälle haben ein frühes Stadium (T1, T2: etwa zu gleichen Teilen), 50% sind T3-Karzinome, 20% lokal fortgeschrittene T4-Befunde (1). In unserem eigenen Krankengut finden sich 5,3% der Rektumkarzinome im Stadium T1.
 
Tab. 1: T-Stadium beim Rektumkarzinom.
Stadium Schicht
T1 Mucosa und Submucosa
T2 Muscularis
T3 Subserosa
T4 Nachbarorgane oder
Peritoneum
 
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