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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. Oktober 2018
Seite 1/3
Therapiefortschritte beim NSCLC = Fortschritte in der Lebensqualität?

NSCLC im Stadium IV

M. Serke, Lungenklinik Hemer, Deutscher Gemeinschafts-Diakonieverband GmbH.

Beim fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) im Stadium IV ist nach der S3-Leitlinie der Therapieansatz i.d.R. leider nur ein palliativer, d.h. es ist meist keine Heilung, sondern nurmehr eine Überlebensverlängerung und eine Symptomlinderung zu erwarten. Finden sich im Tumor Treibermutationen, die für das maligne Wachstum ursächlich sind, kann zielgerichtet behandelt werden. Ist eine zielgerichtete („targeted“) Therapie möglich, verspricht dies für den Patienten i.d.R. eine Therapie mit weniger Toxizität und besserer Effektivität. Die bisherige Standard-Chemotherapie konnte somit zunehmend durch zielgerichtete Therapien ersetzt werden, nicht zuletzt, weil hierbei die therapiebedingten Lebensqualitätseinschränkungen deutlich geringer sind. Bei Patienten mit Tumoren ohne Treibermutationen kann neuerdings die bisherige Standard-Chemotherapie mit einer Immuntherapie kombiniert werden, was ein besseres Ansprechen und damit eine bessere Lebensqualität verspricht.
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Symptome und Lebensqualität beim NSCLC

Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC leiden oft unter einer beträchtlichen Symptomlast und einer schon hierdurch deutlich eingeschränkten Lebensqualität (QoL). Viele schildern Fatigue, Appetitlosigkeit, Luftnot, Husten, Hämoptysen und Schmerzen. Allerdings kann auch die Therapie zu unerwünschten Wirkungen (AEs) wie Fieber, Neuropathie, Schleimhautschädigungen, Hörminderung, Exanthemen oder Geschmacksstörungen führen, die ihrerseits die Lebensqualität beeinträchtigen. Neue Immuntherapien bewirken deutlich seltenere, aber andersartige AEs.

Wir unterscheiden somit zwischen tumorbedingten Symptomen wie Husten, Schmerzen, Gewichtsverlust, Fatigue und therapiebedingten AEs, die die QoL beeinträchtigen können. Bei einer gelungenen Therapie sollten die therapiebedingten AEs eine untergeordnete Rolle spielen.

Im Allgemeinen verbessert eine effektive Therapie durch Minderung tumorbedingter Symptome die QoL verbessert, vorausgesetzt, die Einschränkungen durch die Therapie sind für den Patienten gering ausgeprägt oder nur kurzfristig und reversibel.

Neu diagnostizierte Lungenkrebspatienten (1) aus Taiwan im Stadium IV wurden zu ihrer QoL, zu ihren Symptomen und ihrer Selbsteinschätzung vor und nach 3 Monaten Therapie befragt. Sie schilderten deutlich erniedrigte QoL-Levels und eine relativ gute physische Belastbarkeit, aber deutliche Einschränkungen in ihren psychosozialen Funktionen.

Es werden 5 Dimensionen zur QoL unterschieden werden: Die physische Dimension mit Symptomen, wie z.B. Fatigue, Schmerzen, die funktionelle Dimension, die z.B. die Fähigkeit des Patienten beschreibt, für sich selber zu sorgen, sowie die psychologische, soziale und spirituelle Dimension. Hier besteht sicherlich ein Aufgabenbereich, den die Onkologie bisher nur unzureichend umfasst.

In klinischen Studien wird großer Wert auf die Dokumentation von AEs und SAEs (Serious adverse events) gelegt, sie korrelieren aber nur zum Teil mit den Patienten-bezogenen Beschwerden (patient-reported outcome, PRO).

Symptomatische AEs werden in allen klinischen Studien dokumentiert und nach klinischen Schweregraden (Common Terminology Criteria for Adverse Events: CTCAE) kategorisiert, um die Patientensicherheit zu gewährleisten. Mit der Erfassung der AEs wird aber nur ein Teil der Lebensqualitätseinschränkungen erfasst. Zunehmend werden jetzt in Studien die vom Patienten eingeschätzten Beschwerden aus Patientensicht als PRO dokumentiert. Eine Datenbankanalyse (2) zeigte eine nur mäßige Assoziation zwischen den dokumentierten AEs und dem PRO mit einer sehr großen Varianz zwischen verschiedenen Studien, sodass zukünftig ein Konzept entwickelt werden sollte, welches die klinische CTCAE-Dokumentation und die PROs besser integriert.


Messung der QoL

Zur Messungen der Lebensqualität bedient man sich verschiedener Instrumente, i.d.R. handelt es sich um mehr oder weniger umfassende Fragebögen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten vor und unter der Therapie unterschiedliche Qualitäten, wie physische Symptome, wie Schmerz oder Husten, aber auch psychische (Angst, Sorge) und psychosoziale Faktoren (z.B. Teilhabe am gesellschaftlichen Leben) abfragen. Teilweise wird zusätzlich die Lebensqualität als PRO angegeben.

Unterschiedliche Fragebögen wurden evaluiert und eingesetzt: Die 3 am häufigsten eingesetzten Fragebogen beim Lungenkarzinom sind der „Lung Cancer Symptom Scale“ (LCSS), der EORTC-Fragebogen: European Organization for Research and Treatment of Cancer (EORTC QLQ-C15PAL) und der „Functional Assessment of Cancer Therapy-Lung (FACT-L). Der LCSS wurde speziell für klinische NSCLC-Studien entwickelt, der EORTC und FACT-L sind allgemeinere Module. Die Fragebögen unterscheiden sich etwas in Art und Umfang, sind aber alle validiert und in mehreren Sprachen erhältlich, z.T. sind sie auch in elektronischer Form verfügbar.

Der „Lung Cancer Symptom Scale (LCSS) wurde speziell für die Lebensqualitätsmessung in klinischen Studien beim Lungenkarzinom entwickelt. Er fragt die 6 Hauptsymptome Anorexie, Fatigue, Husten, Luftnot, Hämoptysen, Schmerz, sowie allgemeine Symptomlast, Aktivitätslevel und allgemeine QoL ab mit einem Score zwischen 0 und 100. Je niedriger der Score, desto weniger Symptome bestehen (und desto geringer deren Einfluss auf die Symptomschwere). Es handelt sich hier um ein relativ einfach einzusetzendes und recht praktikables Instrument für wiederholte Messungen im Laufe der Studie und fragt die Symptome ab, die v.a. durch therapeutische Interventionen beeinflusst werden sollten. Patient und Untersucher können in 2 Skalen die QoL beurteilen. Es ist auch möglich, dass der Patient seine Beschwerden elektronisch eingibt und erfasst.

Weitere lungenspezifische Lebensqualitätserfassungsinstrumente sind der FACT-L mit dem Modul Lunge oder der in Europa häufig eingesetzte EORTC-LQL 30-Fragebogen mit dem Modul Lunge: LC 13.

 
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