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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. Oktober 2019
Seite 1/5
Therapie-Update zu Keimzelltumoren des Hodens

C. Oing1,2, S. Fischer2,3. 1Klinik für Onkologie, Hämatologie und Stammzelltransplantation mit Abteilung für Pneumologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland, 2Medical Oncology Department, The Christie NHS Foundation Trust, Manchester, United Kingdom, 3Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie, Kantonsspital St. Gallen, St. Gallen, Schweiz

Keimzelltumoren des Hodens sind zwar eine seltene Tumorerkrankung, stellen allerdings die häufigste bösartige solide Tumorerkrankung bei Männern im Alter bis zu 40 Jahren dar. Seit Einführung Cisplatin-basierter Kombinationschemotherapien in den 1980er Jahren erreichen die Heilungsraten selbst bei metastasierter Erkrankung je nach Stadium 50% bis > 90%. Bessere Therapieoptionen im Erkrankungsrezidiv, inklusive der Hochdosischemotherapie, haben die Heilungsaussichten in den vergangenen Jahrzehnten weiter verbessert. Zielgerichtete Therapiestrategien spielen bisher keine Rolle in der Behandlung von Hodentumoren. Eine leitlinienkonforme, stadienadaptierte Therapiedurchführung ist Grundvoraussetzung, um die exzellenten Heilungsaussichten zu wahren und Spätfolgen bei Keimzelltumor-Überlebenden zu minimieren. Insbesondere fortgeschrittene Erkrankungsstadien und Erkrankungsrückfälle sollten an erfahrenen Zentren behandelt werden.
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Fachinformation
Epidemiologie und Risikofaktoren
 
Keimzelltumoren des Hodens sind insgesamt selten, jedoch mit einem Anteil von 25% die häufigste maligne solide Tumorerkrankung bei jungen Männern im Alter von 20 bis 44 Jahren (1). Weltweit zeigt sich allgemein eine steigende Zahl an Neuerkrankungen, wobei bevorzugt die kaukasische Bevölkerungsgruppe betroffen ist (2). Die höchste Inzidenz findet sich in den westlichen Industrienationen Norwegen, Dänemark, Deutschland und der Schweiz mit 10-12/100.000. In Deutschland werden jährlich ca. 4.000 Neuerkrankungen diagnostiziert, die stadienunabhängige 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit in Deutschland beträgt 97,9% für Seminome und 94,9% für Nichtseminome (1). In metastasierten Erkrankungsstadien versterben ca. 10-15% der Patienten infolge ihrer Keimzelltumorerkrankung (3). Risikofaktoren für die Entstehung eines testikulären Keimzelltumors sind Komponenten des testicular dysgenesis syndrome, wozu u.a. Kryptorchismus, Hypospadie, Sub- und Infertilität zählen, zudem eine vorherige kontralaterale Keimzelltumorerkrankung und eine positive Familienanamnese bei Verwandten ersten Grades (4, 5). Keimzelltumoren des Hodens sind ein einzigartiges Modell einer seltenen, heilbaren soliden Tumorerkrankung (6).
 

Stadieneinteilung
 
Unterschieden werden Keimzelltumoren nach ihrer Histologie als Seminome und Nichtseminome, was von essenzieller prognostischer und therapeutischer Bedeutung ist. Nichtseminome bestehen oft aus mehreren Subtypen. Bei gleichzeitigem Nachweis seminomatöser und nichtseminomatöser Anteile liegt ein gemischter Keimzelltumor vor, der klinisch wie ein Nichtseminom behandelt wird (7, 8). Abbildung 1 illustriert die unterschiedlichen Keimzelltumorsubtypen.
 
 
Abb. 1: Histologische Klassifikation von Keimzelltumoren des Hodens/Keimzelltumorsubtypen. Keimzelltumoren des Mannes gehen von einer intraepithelialen Neoplasie, der germ cell neoplasia in situ (GCNIS) aus und werden histologisch in Seminome und Nichtseminome unterteilt. Nichtseminome können unterschiedliche histologische Subtypen mit unterschiedlichem Differenzierungsgrad in embryonale und extra-embryonale Strukturen aufweisen. Der Grad der Differenzierung bestimmt generell die Behandlungssensitivität mit den Seminomen, die primordialen Keimzellen ähneln, als Entität mit der höchsten Sensitivität gegenüber einer Strahlen- und Chemotherapie hin zu den vollständig differenzierten und gänzlich therapie-resistenten reifen Teratomen.
Abb. 1: Histologische Klassifikation

 
 
 
UICC/Lugano-Klassifikation
 
Die Stadieneinteilung der UICC (auch Lugano-Klassifikation) berücksichtigt neben der TNM-Klassifikation (9) die Lokalisation des Primärtumors sowie eine Erhöhung der Serumtumormarker (Laktatdehydrogenase (LDH), Alpha-1-Fetoprotein (AFP), Beta-Humanes Choriongonadotropin (β-HCG)). Im Stadium I ist die Erkrankung auf den Hoden begrenzt, im Stadium II besteht eine retroperitoneale Lymphknotenmetastasierung und im Stadium III finden sich zusätzlich supradiaphragmatische Lymphknotenmetastasen oder pulmonale bzw. andere viszerale Metastasen (10).
 
 
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