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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

23. April 2019 Stellungnahme zur Berichterstattung über neuen Bluttest zur Früherkennung bei Brustkrebs

Gemeinsame Stellungnahme von DKG, AGO, Kommission Mamma, Kommission TRAFO, DGGG und DGHO.

„Heidelberger Forscher um die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Christof Sohn haben am 21. Februar 2019 ein neues Verfahren vorgestellt, das mit Hilfe eines Bluttests die Erkennung von Brustkrebs verbessern soll. Dieser Bluttest basiert auf dem Prinzip der Liquid Biopsy. Die Forscher sprechen bei diesem Test von einem Durchbruch beim Brustkrebs und berufen sich in ihrer Pressemeldung auf Zwischenergebnisse einer laufenden Kohortenstudie an 500 Brustkrebs-Patientinnen und 400 gesunden Frauen. Diese Studie ist derzeit noch nicht abgeschlossen, die Ergebnisse sind nicht in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift publiziert und der Test noch nicht zugelassen. Als mögliche Anwendungen nannten die Forscher verschiedene Optionen: als ergänzende Maßnahme in der Brustkrebsdiagnostik, im Therapie-Monitoring und in der Brustkrebsfrüherkennung, z.B. bei jungen Frauen mit einer familiären Belastung für Brust- und Eierstockkrebs.
Die an diesem Statement beteiligten Fachgesellschaften begrüßen ausdrücklich die Forschung zur Liquid-Biopsy-Technologie. In Deutschland wird seit vielen Jahren erfolgreich zu diesem Thema geforscht. Studienergebnisse aus Deutschland haben in der Vergangenheit die Wahrnehmung Deutschlands als aktiven Forschungsstandort insbesondere bei Brustkrebs und Genitalkarzinomen gestärkt.

Bei der Bewertung von neuen Tests gelten strenge wissenschaftliche Vorgaben, die international akzeptiert sind. Durch diese soll garantiert werden, dass bereits gesicherte Verfahren zur Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen nicht gefährdet, sondern sinnvoll ergänzt werden. Ein Kompromittieren der Sicherheit von Patientinnen in Diagnostik und Therapie ist auszuschließen, was nur durch eine sorgfältige, standardisierte Überprüfung der Zuverlässigkeit der Vorhersagesicherheit von neuen Tests zu gewährleisten ist. U.a. zählt man hierzu multizentrische Feldstudien an großen Patientinnengruppen und gesunden Kontrollen und ggfs. Frauen mit gutartigen Erkrankungen. Zudem ist es wichtig, klinische Konsequenzen aus solchen Testergebnissen unter Studienbedingungen zu validieren und zu überprüfen, wie man etwa mit positiven Ergebnissen bei klinisch unauffälligen Befunden umgeht. Falsch-positive Befunde führen zu einer erheblichen psychischen Belastung betroffener Frauen. Gleichzeitig muss der Nutzen des Tests in der Erkennung von Frühstadien (DCIS) des Mammakarzinoms hinterfragt werden.

Da die Daten derzeit noch nicht in Form einer wissenschaftlichen Publikation vorliegen, halten wir Schlussfolgerungen über die Validität und den klinischen Nutzen für verfrüht und raten ausdrücklich davon ab, diagnostische oder therapeutische Entscheidungen basierend auf Blutuntersuchungen zu treffen, die nicht von nationalen oder internationalen Leitlinien empfohlen werden. Klinische Konsequenzen aus diesem Test sind bis dato nicht in Studien überprüft oder evaluiert worden.

Eine Berichterstattung, die ohne Evidenzgrundlage Hoffnungen bei Betroffenen weckt, ist aus unserer Sicht kritisch zu bewerten und entspricht nicht den von uns vertretenen Grundsätzen medizin-ethischer Verantwortung. Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass solche neuen Testverfahren wissenschaftlich weiterverfolgt werden sollten und erste Daten positiv erscheinen. Ohne Vorliegen von Ergebnissen aus prospektiv randomisierten Multicenter-Studien an großen Patientinnengruppen und gesunden Kontrollen darf der Test jedoch nicht in der klinischen Routine genutzt werden.“

 
PR-Kampagne zu Brustkrebstest: Uniklinik Heidelberg entschuldigt sich

Die Uniklinik Heidelberg zieht Konsequenzen aus der umstrittenen PR-Kampagne für einen neuen Bluttest zur Früherkennung von Brustkrebs. So sollen neue Regeln erstellt werden, die Firmenausgründungen der Universität künftig zu beachten haben. Das Unternehmen Heiscreen, eine Ausgründung der Uniklinik, hatte im Februar einen neuen Brustkrebs-Bluttest vorgestellt. An der Firma sind Mitarbeiter des Krankenhauses finanziell beteiligt (Projektleiter Prof. Dr. Christof Sohn mit 4%). An dem Vorgehen gab es deutliche Kritik von Fachgesellschaften, Medizinern und Statistikern, u.a. wurde bemängelt, dass entscheidende Daten zum Nutzen des Tests fehlten: So hatte Sohn nicht den Anteil der falsch-positiven Testergebnisse angegeben. Gegenüber der „Rhein-Neckar-Zeitung“ gab er den Anteil der „Fehlalarme“ nun mit 30% an. Das Diagnoseverfahren könne zwar Ende des Jahres im Routinelabor eingesetzt werden, damit sei der Test aber noch nicht auf dem Markt. Erst müssten Vertriebswege und Kostenübernahme durch die Krankenkassen geklärt werden. Die Uniklinik, so Kliniksprecherin Doris Rübsam-Brodkorb, entschuldige sich bei Frauen, die sich womöglich falsche Hoffnungen auf eine rasche Nutzung des Tests gemacht hätten.
Red./dpa

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