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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

06. Dezember 2016 ROS1- und ALK-positives NSCLC mit Crizotinib zielgerichtet therapieren

Früher erreichte man beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit Chemotherapien maximal zwei Monate Lebensverlängerung. „Etwa 70-80% der Patienten wurden umsonst mit Chemo behandelt, bei hoher Toxizität“, sagte Prof. Dr. Jürgen Wolf, Köln. „Inzwischen weiß man, dass der Patient davon profitiert, wenn eine auf seine Tumorbiologie abzielende Therapie zum Einsatz kommt“, so Wolf. Die Erfolgsgeschichte begann mit der Entdeckung von Treibermutationen von z.B. EGFR, ROS1 und ALK.
„Es ist verpflichtend, bei einem Adenokarzinom der Lunge die molekulare Testung per FISH- (1, 2) oder IHC-Test (3) zu veranlassen, bevor man die Auswahl der Erstlinientherapie vornimmt“, so Wolf. Getestet wird auf Mutationen von EGFR, ALK und ROS1. Etwa 3-5% aller NSCLC-Patienten sind von den ALK- sowie ca. 1-2% von ROS1-Genarrangements betroffen. Das entspricht in Deutschland rund 1.000-1.300 (ALK) bzw. ca. 400 Patienten (ROS1) pro Jahr.

Crizotinib (Xalkori®) ist die erste zielgerichtete Erstlinientherapie, die für das fortgeschrittene ROS1-positive und ALK-positive NSCLC aufgrund höherer Wirksamkeit und weniger Toxizität im Vergleich zur Chemotherapie zugelassen ist. Pfizer und Merck vertreiben das Medikament im Comarketing.

Die Zulassungserweiterung für das ROS1-positive NSCLC erfolgte aufgrund der Ergebnisse der offenen, einarmigen Phase-I-Studie 1001 mit überwiegend vorbehandelten (86%) Patienten mit fortgeschrittenem ROS1-positiven NSCLC (Crizotinib 250 mg; 2x tägl.; n=50), bei denen Crizotinib eine deutliche Antitumorwirkung aufwies (4).

Grad-3/4-Nebenwirkungen sind selten. Berichtet wurden Einzelfälle von Beeinträchtigungen beim Hell-Dunkel-Sehen, gastrointestinale Beschwerden, Laborwertveränderungen sowie periphere Ödeme.


Crizotinib – zielgerichtet und effektiv beim ALK-positiven NSCLC

In der offenen, randomisierten Phase-III-Studie PROFILE 1014 waren 343 Patienten mit ALK-positivem lokal fortgeschrittenen oder metastasierten NSCLC eingeschlossen, die zuvor keine systemische Behandlung erhalten hatten. 172 Patienten bekamen 2x täglich 250 mg Crizotinib oral, 171 Patienten wurden mit Standardchemotherapie (Pemetrexed plus Cisplatin oder Carboplatin) behandelt; eingeschlossen waren Patienten mit einem ECOG-Performance-Status von 0-2 und auch Patienten mit vorbehandelten und asymptomatischen Hirnmetastasen. Crizotinib verlängerte das progressionsfreie Überleben (PFS) signifikant um etwa 4 Monate gegenüber Chemotherapie (10,9 vs. 7,0 Monate), auch die objektive Ansprechrate (ORR) lag signifikant höher (74% vs. 45%). Unter Crizotinib wurde zudem ein doppelt so schnelles Tumoransprechen gegenüber der Chemotherapie erreicht (1,4 vs. 2,8 Monate). Auch die Dauer des Ansprechens konnte gegenüber Chemotherapie mehr als verdoppelt werden (11,3 vs. 5,3 Monate). Die Lebensqualität unter Crizotinib-Therapie war signifikant besser.

Dr. Nana Mosler

Quelle: Presseveranstaltung „Meilenstein in der personalisierten Lungenkrebstherapie“, DGHO-Kongress, Leipzig, 15.10. 2016; Veranstalter: Pfizer und Merck

Literatur:

(1) Bubendorf L et al. Virchows Arch 2016: doi:10.1007/s00428-016-2000-3.
(2) http://www.uclad.com/newsletters/ALK-LUNG-IHC-INTERPRETATION-GUIDE.pdf
(3) DGHO-Leitlinie Lungenkarzinom, nicht-kleinzellig (NSCLC), Stand Februar 2016.
(4) Shaw AT et al. N Engl J Med 2014; 371(21): 1963-71.


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