Samstag, 20. Juli 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. Oktober 2018
Seite 1/4
Patient-reported Outcomes und Strahlentherapie

D. Vordermark, Universitätsklinik für Strahlentherapie, Universitätsklinikum Halle (Saale).

Die Messung der Lebensqualität (QoL) oder anderer Patient-reported Outcomes (PROs) ermöglicht die Bewertung in kurativer oder palliativer Intention eingesetzter Verfahren der Strahlentherapie untereinander sowie auch im Vergleich mit alternativen z.B. operativen Therapieverfahren. Aktuelle Studiendaten zum klinischen Nutzen einer Messung von PROs in der onkologischen Routineversorgung haben auch in der Strahlentherapie die Implementierung neuer technischer Lösungen ausgelöst. Der Erhalt der Lebensqualität ist das Ziel neuer Versorgungsstrategien in der geriatrischen Radioonkologie.
Anzeige:
Fachinformation
Die Strahlentherapie (RT) oder Radiochemotherapie (RCT) wird im kurativen Setting als Monotherapie, häufig als Alternative zur radikalen Resektion (Beispiel: Larynxkarzinom, Prostatakarzinom) oder als Element in einem multimodalen Therapiekonzept (Beispiel: Rektumkarzinom, Mammakarzinom) eingesetzt. Einen großen Stellenwert hat die Strahlentherapie auch im Rahmen von palliativen Strategien, z.B. beim Management von Hirn- oder Skelettmetastasen.
 
Die Optimierung und Individualisierung strahlentherapeutischer Konzepte ist darauf ausgerichtet, eine möglichst gute Relation von therapeutischem Nutzen (Tumorkontrolle, Heilungschancen im kurativen Ansatz bzw. Lebensverlängerung, Reduktion bestehender Symptome bei palliativer Zielsetzung) und Nebenwirkungen und Spätfolgen zu erzielen, das Idealziel ist die „uncomplicated tumor control“, eine Heilung ohne Nebenwirkungen.
 
 
Lebensqualität als PRO
 
Nach heutigem Verständnis sind sowohl das Zielkriterium „Reduktion von Symptomen“ als auch die Endpunkte „Nebenwirkungen und Spätfolgen“ einer Tumortherapie am besten in Form von PROs, also von den Patienten selbst berichteten Angaben zu Symptomen, Funktionen und der QoL zu erheben. Seit den 1990er Jahren hat die Erfassung der Lebensqualität in allen Bereichen der Onkologie einen zunehmenden Stellenwert gewonnen. Bereits das Konzept der QoL, welche als multidimensionales Konstrukt bezeichnet wird, hat als obligate Eigenschaft das „Self-Assessment“, die Selbsteinschätzung durch den Patienten ohne Zwischeninterpretation durch den Behandler, etabliert.
 
In früheren Zeiten als Surrogat der QoL betrachtete Parameter wie der Karnofsky-Index oder der WHO- bzw. ECOG-Performance-Score, welche ja durch das medizinische Fachpersonal ermittelt werden, sind nicht als Maß der QoL anzusehen. Ebenso sind objektive Klassifikationen von Nebenwirkungen wie das CTCAE-System nicht gleichzusetzen mit PROs und QoL, denn sie spiegeln zunächst die nicht-patientenberichtete Belastung wider.
 
 
Messinstrumente der „EORTC Quality of Life Group“
 
Im europäischen Raum hat sich die Messung der QoL und weiterer PROs insbesondere mit Hilfe der standardisierten und validierten Fragebögen der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) Quality of Life Group etabliert. Diese beruht auf dem Einsatz des Kernfragebogens QLQ-C30 – der im palliativen Setting durch die Kurzform QLQ-C15PAL ersetzt werden kann – in Kombination mit sog. Organmodulen, also Zusatzfragebögen, die speziellen Symptombelastungen und funktionelle Einschränkungen abbilden, die spezifisch für einzelne Tumorentitäten sind.
 
Aktuell liegen 23 solcher Module in validierter Fassung vor. Diese bilden nicht nur alle häufigeren Tumorentitäten ab, sondern befassen sich auch entitätenübergreifend mit speziellen Symptomen, (z.B. „Cancer-related Fatigue“), anderen Bereichen der PROs („Information“) oder definierten Patientenkollektiven („Elderly Cancer Patients“). Derzeit 20 weitere Module, überwiegend ebenfalls auf Tumorentitäten bezogen (darunter Pankreas- und Schilddrüsenkarzinom, Hodgkin-Lymphom) haben zumindest die dritte Phase der Validierung abgeschlossen und werden nun noch vor allgemeiner Freigabe der abschließenden internationalen Phase-IV-Testung unterzogen. Die EORTC-Fragebögen liegen in zahlreichen Sprachen vor und können in akademischen, nicht-kommerziellen Studien nach Abschluss einer Nutzervereinbarung kostenlos eingesetzt werden.

 
Vorherige Seite

Das könnte Sie auch interessieren

Erstes bundesweites Sommertreffen junger engagierter Krebspatienten

Erstes bundesweites Sommertreffen junger engagierter Krebspatienten
© Frantab / fotolia.com

„Danke für den gemeinsamen Spirit. Möge er uns weiter beflügeln“, so ein Feedback zum ersten Sommertreffen junger Krebspatienten in Deutschland. Frauen und Männer aus der gesamten Bundesrepublik kamen vom 29. Juni bis 1. Juli 2018 das erste Mal in Lauterbach (Hessen) zu einem gemeinsamen Kennenlernen und Austausch zusammen. Die etwa 50 Teilnehmer engagieren sich in den TREFFPUNKTEN der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs. Die Stiftung hatte...

Große Jubiläumsaktion „Ich zieh‘ den Hut“

Große Jubiläumsaktion „Ich zieh‘ den Hut“
© Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.

„Hut ab“ oder „Chapeau“ - das sagen Menschen, um Wertschätzung und Anerkennung vor der Leistung Anderer auszudrücken. Am 25. Juni 2016 bietet die Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH) anlässlich ihres 40-jährigen Jubiläums an 40 Orten in Deutschland Mitbürgern die Möglichkeit, durch die Geste des „Hutziehens“ ein Zeichen der Solidarität mit an Krebs erkrankten Menschen zu setzen und das Engagement der ehrenamtlich...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Patient-reported Outcomes und Strahlentherapie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren