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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. Oktober 2018
Seite 1/4
Patient-reported Outcomes und Strahlentherapie

D. Vordermark, Universitätsklinik für Strahlentherapie, Universitätsklinikum Halle (Saale).

Die Messung der Lebensqualität (QoL) oder anderer Patient-reported Outcomes (PROs) ermöglicht die Bewertung in kurativer oder palliativer Intention eingesetzter Verfahren der Strahlentherapie untereinander sowie auch im Vergleich mit alternativen z.B. operativen Therapieverfahren. Aktuelle Studiendaten zum klinischen Nutzen einer Messung von PROs in der onkologischen Routineversorgung haben auch in der Strahlentherapie die Implementierung neuer technischer Lösungen ausgelöst. Der Erhalt der Lebensqualität ist das Ziel neuer Versorgungsstrategien in der geriatrischen Radioonkologie.
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Fachinformation
Die Strahlentherapie (RT) oder Radiochemotherapie (RCT) wird im kurativen Setting als Monotherapie, häufig als Alternative zur radikalen Resektion (Beispiel: Larynxkarzinom, Prostatakarzinom) oder als Element in einem multimodalen Therapiekonzept (Beispiel: Rektumkarzinom, Mammakarzinom) eingesetzt. Einen großen Stellenwert hat die Strahlentherapie auch im Rahmen von palliativen Strategien, z.B. beim Management von Hirn- oder Skelettmetastasen.
 
Die Optimierung und Individualisierung strahlentherapeutischer Konzepte ist darauf ausgerichtet, eine möglichst gute Relation von therapeutischem Nutzen (Tumorkontrolle, Heilungschancen im kurativen Ansatz bzw. Lebensverlängerung, Reduktion bestehender Symptome bei palliativer Zielsetzung) und Nebenwirkungen und Spätfolgen zu erzielen, das Idealziel ist die „uncomplicated tumor control“, eine Heilung ohne Nebenwirkungen.
 
 
Lebensqualität als PRO
 
Nach heutigem Verständnis sind sowohl das Zielkriterium „Reduktion von Symptomen“ als auch die Endpunkte „Nebenwirkungen und Spätfolgen“ einer Tumortherapie am besten in Form von PROs, also von den Patienten selbst berichteten Angaben zu Symptomen, Funktionen und der QoL zu erheben. Seit den 1990er Jahren hat die Erfassung der Lebensqualität in allen Bereichen der Onkologie einen zunehmenden Stellenwert gewonnen. Bereits das Konzept der QoL, welche als multidimensionales Konstrukt bezeichnet wird, hat als obligate Eigenschaft das „Self-Assessment“, die Selbsteinschätzung durch den Patienten ohne Zwischeninterpretation durch den Behandler, etabliert.
 
In früheren Zeiten als Surrogat der QoL betrachtete Parameter wie der Karnofsky-Index oder der WHO- bzw. ECOG-Performance-Score, welche ja durch das medizinische Fachpersonal ermittelt werden, sind nicht als Maß der QoL anzusehen. Ebenso sind objektive Klassifikationen von Nebenwirkungen wie das CTCAE-System nicht gleichzusetzen mit PROs und QoL, denn sie spiegeln zunächst die nicht-patientenberichtete Belastung wider.
 
 
Messinstrumente der „EORTC Quality of Life Group“
 
Im europäischen Raum hat sich die Messung der QoL und weiterer PROs insbesondere mit Hilfe der standardisierten und validierten Fragebögen der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) Quality of Life Group etabliert. Diese beruht auf dem Einsatz des Kernfragebogens QLQ-C30 – der im palliativen Setting durch die Kurzform QLQ-C15PAL ersetzt werden kann – in Kombination mit sog. Organmodulen, also Zusatzfragebögen, die speziellen Symptombelastungen und funktionelle Einschränkungen abbilden, die spezifisch für einzelne Tumorentitäten sind.
 
Aktuell liegen 23 solcher Module in validierter Fassung vor. Diese bilden nicht nur alle häufigeren Tumorentitäten ab, sondern befassen sich auch entitätenübergreifend mit speziellen Symptomen, (z.B. „Cancer-related Fatigue“), anderen Bereichen der PROs („Information“) oder definierten Patientenkollektiven („Elderly Cancer Patients“). Derzeit 20 weitere Module, überwiegend ebenfalls auf Tumorentitäten bezogen (darunter Pankreas- und Schilddrüsenkarzinom, Hodgkin-Lymphom) haben zumindest die dritte Phase der Validierung abgeschlossen und werden nun noch vor allgemeiner Freigabe der abschließenden internationalen Phase-IV-Testung unterzogen. Die EORTC-Fragebögen liegen in zahlreichen Sprachen vor und können in akademischen, nicht-kommerziellen Studien nach Abschluss einer Nutzervereinbarung kostenlos eingesetzt werden.

 
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