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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

04. August 2016 Pankreaskarzinom: Überlebensvorteil mit Kombinationstherapie in bevölkerungsbasierter Studie bestätigt

Für Patienten mit nicht resektablem Pankreaskarziom stehen mit Gemcitabin, nab-Paclitaxel plus Gemcitabin (nab-P+Gem) und FOLFIRINOX (FFN) drei Regime zur Verfügung, die einen klinisch relevanten Vorteil bieten. Es existiert aber keine klinische Studie, die deren Effektivität direkt miteinander vergleicht. Eine bevölkerungsbasierte Studie, die auf dem ASCO vorgestellt wurde (1), gibt nun Aufschluss darüber, dass in der „real life“-Situation das Überleben der mit nab-P+Gem oder FFN behandelten Patienten signifikant länger ist im Vergleich zu Gem-Monotherapie, wobei zwischen den beiden Kombinationsregimen kein Unterschied erkennbar war. Das Ergebnis war unabhängig von ECOG-Performance-Status und Alter.
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Eingeschlossen waren in die Analyse 150 kanadische Patienten mit nicht resektablem Pankreaskarzinom: 53% Männer, 71% mit ECOG PS 0/1, 71% mit metastasierter Erkrankung. Zum Zeitpunkt der Auswertung lebten noch 31%. Sie erhielten FFN (n=59), nab-P+ Gem (n=59) oder Gem (n=32). Die mit FFN behandelten Patienten befanden sich in einem besseren Allgemeinzustand (p<0,001), hatten eine geringere Tumorlast zum Zeitpunkt der Vorstellung (p=0,049) und sie waren mit median 61 Jahren jünger (p<0,001) als die mit nab-P+Gem (70 Jahre) oder Gem (74 Jahre) behandelten Patienten.
 

Tab. 1: OS und PFS in verschiedenen Behandlungsgruppen (nach (1)). Gem=Gemcitabin, nab-P+G=nab-Paclitaxel+Gem, FFN=FOLFIRINOX.
Tab. 1: OS und PFS in verschiedenen Behandlungsgruppen (nach (1)). Gem=Gemcitabin, nab-P+G=nab-Paclitaxel+Gem, FFN=FOLFIRINOX.


Die mit FFN oder nab-P+Gem therapierten Patienten wiesen ein signifikant längeres Gesamtüberleben auf als die mit Gem allein behandelten (11,2 vs. 11,6 vs. 4,1 Monate, p<0,001). Dieser Unterschied war unabhängig von Alter und ECOG PS. Auch das progressionsfreie Überleben war mit nab-P+Gem sowie FFN signifikant verlängert im Vergleich zu Gemcitabin (Tab. 1). Patienten, die mit FFN oder Gem behandelt wurden, benötigten früher Dosismodifikationen als Patienten unter nab-P+Gem (nach 14, 21 Tagen vs. 44 Tagen, p=0,0407). Behandlungsunterbrechungen wegen Toxizitäten waren insgesamt häufig (FFN: 36%, nab-P+Gem: 17%, Gem: 23%, p=0,119).

Die Autoren folgerten aus dieser Analyse, dass die mit FFN-Schema oder nab-P+Gem behandelten Patienten auch in der „real life“-Situation ein besseres Therapieergebnis mit einer höheren Rate an Therapiefortführungen hatten als diejenigen, die nur Gem erhielten. Die mit nab-P+Gem behandelten benötigten dabei seltener eine frühe Dosismodifikation.
 
nab-Paclitaxel + Gemcitabin firstline bietet signifikanten OS-Vorteil in Kombination mit einer Zweitlinientherapie

Für die Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen duktalen Pankreaskarzinoms gibt es keinen etablierten Standard. Giordano et al. präsentierten auf dem ASCO 2016 eine retrospektive Analyse (2), wonach mehr als die Hälfte der Patienten, die in der Erstlinie mit nab-Paclitaxel + Gemcitabin behandelt wurden und progredient wurden, eine Zweitlinientherapie erhalten konnten. Sie lebten signifikant länger als Patienten, die keine weitere Therapie bekamen.
 
Abb. 1: PFS-Analyse (nach (2)).
Abb. 1: PFS-Analyse (nach (2)).


Von den 250 Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom waren zum Zeitpunkt der Analyse 221 progredient. 55% erhielten eine Zweitlinientherapie und 45% „best supportive care“ (BSC). Die Zweitlinientherapie bestand aus FOLFOX/XELOX (45%), FOLFIRI (22%), FOLFIRINOX (klassisch oder modifiziert, 18%) oder einer Monotherapie (15%). Der Erhalt einer Zweitlinientherapie war mit einem signifikanten Überlebensvorteil verbunden. Das mediane Überleben der Patienten mit Zweitlinientherapie nach Erstlinientherapie mit nab-P+Gem betrug 13,5 Monate vs. 6,8 Monate (p<0,0001) für Patienten, die nur BSC erhalten hatten (Abb. 1). Es bestand kein signifikanter Unterschied in Abhängigkeit von der Art der Zweitlinientherapie. Das Ansprechen auf die Erstlinientherapie korrelierte mit dem Ansprechen in der zweiten Therapielinie: Patienten, die in der Erstlinie besser angesprochen hatten, zeigten auch ein besseres Ansprechen in der Zweitlinie. Dies traf auch auf das progressionsfreie Überleben zu und deutet darauf hin, dass das Therapieergebnis in der Erstlinie das Ergebnis der zweiten Therapielinie beeinflusst.
 
 

as

Literatur:

(1) Wang Y et al. ASCO 2016, Abstr. 6561.
(2) Giordano G et al. ASCO 2016, Abstr. 4124.


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