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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

17. Februar 2016 Pankreaskarzinom: Innovative Ansätze mit nab-Paclitaxel

Das Pankreaskarzinom ist weiterhin schwierig zu behandeln, sagte Prof. Jens Siveke, Berlin. Doch sind jetzt aktive Chemotherapien verfügbar, die das Ansprechen erhöhen, und nab-Paclitaxel + Gemcitabin ist ein sinnvolles Backbone für weitere Kombinationstherapien, die derzeit intensiv untersucht werden. Neue Ansätze sind Stroma- und Immunstrategien, perioperative Therapiekonzepte sowie Therapiemodifikationen, mit denen man sich eine Verbesserung von Effektivität und Verträglichkeit verspricht.

Das Pankreaskarzinom ist gekennzeichnet durch hohe Therapieresistenz, komplexes Stroma und hohe Immunsuppression. Es gibt bislang keine Subgruppen, die Biomarker-gesteuert therapierbar sind – und dies alles im Umfeld heterogener genetischer Veränderungen und schwieriger Probensammlung, fasste Siveke zusammen.

 

Stroma-Targeting

Ein neuer Ansatz ist das Stroma-Targeting, wobei Chemotherapeutika mit einer potentiell besseren Gewebepenetranz wie nab-Paclitaxel eine Rolle spielen. In der Zulassungsstudie MPACT wurde bei Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom mit nab-Paclitaxel + Gemcitabin (nab-P + Gem) ein statistisch signifikanter medianer Überlebensvorteil gegenüber der Gemcitabin-Monotherapie erzielt (1, 2). Nach der Interimsanalyse einer Phase-II-Studie (3) lag die Ansprechrate von Patienten mit hohen Hyaluronsäurespiegeln im Tumorgewebe, die mit nab-P + Gem in Kombination mit einer Hyaluronidase behandelt wurden, bei 71% (12/17) im Vergleich zu 29% (5/17) mit nab-P + Gem und das progressionsfreie Überleben (PFS) bei 9,2 versus 4,3 Monaten. Nab-P + Gem ist Siveke zufolge ein sinnvolles Backbone für weitere Kombinationstherapien und wird derzeit in einer Reihe von Studien intensiv untersucht.

 

Perioperative Therapiekonzepte

Zur Zeit prüfen mehrere Studien in Deutschland, ob sich beim resektablen Pankreaskarzinom durch eine perioperative Therapie das Überleben verbessern lässt und ob bei Patienten mit borderline oder irresektablen Pankreaskarzinomen mit einer präoperativen Therapie eine sekundäre Resektabilität zu erreichen ist. Denn Patienten mit einem grenzwertig resektablen oder irresektablen Pankreaskarzinom erreichen ähnliche Überlebenszeiten wie primär resektable Patienten, wenn es gelingt, durch eine präoperative Therapie eine Resektabilität zu erreichen, berichtete Prof. Volker Kunzmann, Würzburg.

Aus der palliativen Therapie könne man schließen, dass mit Kombinationstherapien höhere Remissionsraten sowie eine bessere systemische Tumorkontrolle erzielt werden. Deshalb sei eine Kombinationstherapie – gerade was das Ziel der Tumorverkleinerung betreffe – der bessere Ansatz.

Eine Analyse der MPACT-Studie konnte zeigen, dass eine Kombinationstherapie mit nab-P + Gem bei Metastasen und Primärtumor gleichermaßen effektiv ist. Die Tumorschrumpfung war bei Primärtumor und Metastasen sehr ähnlich. Damit, so Kunzmann, wurden die Vorbehalte ausgeräumt, dass der Primärtumor wegen des umgebenden Stromas schlechter auf eine Chemotherapie ansprechen könnte.

Die Ergebnisse der Conroy-Studie mit FOLFIRINOX und die der MPACT-Studie mit nab-Paclitaxel im palliativen Setting würden keine Rückschlüsse darauf zulassen, welches Regime das effektivere ist. Denn die Conroy-Studie ist eine zentrale Studie mit einem stark selektiven Patientenkollektiv, die an spezialisierten Zentren in Frankreich durchgeführt wurde, im Gegensatz zur MPACT-Studie, die eine multizentrische Studie ist, an der auch kleinere Zentren beteiligt und auch Patienten mit schlechtem Allgemeinzustand und mit fortgeschrittenem Alter eingeschlossen waren. Nach Analysen der Patienten aus Westeuropa in der MPACT-Studie (4) liegt das mediane Gesamtüberleben (OS) bei 10,7 Monaten mit nab-P + Gem, und der gleiche Trend zeigt sich bei den kanadischen Patienten (OS 11,9 Monate) (5).

 

Therapiemodifikationen mit nab-Paclitaxel

Ob durch Modifikation der verfügbaren Kombinationstherapien eine Behandlung verträglicher und möglicherweise noch effektiver wird, untersucht die AIO-Phase-II-Studie ALPACA (AIO-PAK0114, Leitung Prof. F. Kullmann), berichtete Dr. Marianne Sinn, Berlin. Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom erhalten 3 Zyklen einer Induktionstherapie mit nab-P + Gem. Patienten, die mit einer Remission oder Krankheitsstabilisierung ansprechen, werden 1:1 randomisiert zu einer klassischen Verabreichung von nab-P + Gem versus alternierend Gemcitabin mono gefolgt von nab-P + Gem bis zum Progress. Mit der Modifikation erhofft man sich neben der besseren Verträglichkeit eine längere Therapiedauer. Wie Sinn sagte, zeigte sich bereits in einer Subgruppenanalyse der MPACT-Studie (6), dass eine längere Behandlung mit nab-P + Gem mit einem längeren Überleben assoziiert ist.

(as)

Quelle: Symposium „Pankreaskarzinom“, im Rahmen der AIO-Herbsttagung, 21.11.2015, Berlin

Literatur:

(1) von Hoff DD et al. N Engl J Med 2013;369: 1691-1703.
(2) Goldstein D et al. J Natl Cancer Inst. 2015; 107(2) pii: dju413.
(3) Hendifar AE et al. J Clin Oncol 2015; 33: suppl; abstr. 4006.
(4) Tabernero J et al. Oral presentation at Beaujon Conference 2014 (abstract 513).
(5) Tehfe M et al. ASCO GI 2015, Abstract #439.
(6) Vogel A et al. Poster Session: Gastrointestinal Malignancies – Noncolorectal Cancer, ESMO Congress 2015, Abstract #2358.


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