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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. November 2019 Neue Wege in der Präzisionsonkologie: Larotrectinib bei allen Tumoren mit NTRK-Genfusion zugelassen

Mit Larotrectinib (Vitrakvi®) wurde europaweit erstmals ein onkologischer Wirkstoff unabhängig von der Tumorlokalisation zugelassen. Profitieren können alle Patienten mit soliden Tumoren, bei denen eine neurotrophe Tyrosin-Rezeptor-Kinase (NTRK)-Genfusion vorliegt. Dies gilt sowohl für Erwachsene als auch für Kinder mit diesen Krebserkrankungen.
Präzisionsonkologische Medikamente wie Larotrectinib beruhen auf der Identifizierung und Bekämpfung von spezifischen onkogenen Treibern im Genom der Tumorzelle, erklärte PD Dr. Philipp Ivanyi, Hannover. Ist solch ein Treiber im Tumor nachgewiesen und hat sich als relevant erwiesen, kann er heute z.T. hoch selektiv und spezifisch gehemmt werden.


Einsatz von Larotrectinib gegen Tumoren mit NTRK-Fusionen

Ein Beispiel für solche starken onkogenen Treiber sind NTRK-Gene. Diese kodieren für Tropomyosin-Rezeptor-Kinasen (TRK), die Fusionen mit anderen Genen eingehen. Larotrectinib hemmt potent und spezifisch die Signale von TRK A, B und C und kann daher gegen alle Tumoren eingesetzt werden, die sich auf der Basis von NTRK-Genfusionen entwickeln und weitergetrieben werden. Nachgewiesen wurden diese Fusionen bisher bei über 30 verschiedenen soliden Tumoren mit unterschiedlichen Häufigkeiten. Eine hohe Frequenz von NTRK-Fusionen findet man bei Erwachsenen bei Speicheldrüsenkarzinomen und sekretorischen Mammakarzinomen, bei Kindern mit infantilem Fibrosarkom und kongenitalem Nephrom.


Hohe Ansprechraten und lange Wirkdauer

In einer gepoolten Analyse der Phase-I-und -II-Studien mit insgesamt 122 erwachsenen und pädiatrischen Patienten zeigte Larotrectinib unabhängig von der Tumorentität eine hohe Ansprechrate von 81% (Kinder: 92%, Erwachsene: 75%). Dies sei v.a. bei der hohen Zahl von Patienten mit mehreren Vorbehandlungen bemerkenswert, sagte der Onkologe. Dabei profitierten Patienten lange von der Therapie. Zum Auswertungszeitpunkt waren 73% der Patienten (84% der ansprechenden Patienten) noch unter Therapie oder waren inzwischen mit kurativer Absicht operiert worden. Auch primäre ZNS-Tumoren und Hirnmetastasen (n=24) sprachen gut auf die Therapie an und bei allen diesen Patienten wurde zumindest eine Krankheitsstabilisierung erreicht.

Die Verträglichkeit der Therapie war gut, Nebenwirkungen von Grad 3 oder 4 traten kaum auf. Nur jeder 5. Patient berichtete überhaupt von irgendeiner Nebenwirkung und die Abbruchrate lag unter 1%.


Molekulargenetische Testung als Voraussetzung

Damit Patienten von dieser neuen Therapie profitieren können, muss Tumormaterial molekulardiagnostisch auf NTRK-Genfusionen getestet werden, betonte Prof. Dr. Thomas Seufferlein, Ulm. Bei Tumoren mit einer hohen Frequenz von NTRK-Genfusionen sollte Tumorgewebe möglichst routinemäßig mittels Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH), Reverse-Transkriptase-PCR oder zielgerichtetem RNA Next Generation Sequencing (NGS)-Assay untersucht werden. Bei Tumoren mit niedriger Frequenz kann eine entsprechende Testung je nach klinischem Kontext v.a. bei Patienten in Erwägung gezogen werden, die unzureichend auf herkömmliche Therapien angesprochen haben.

Maria Weiß

Quelle: Launch-Pressekonferenz für -Larotrectinib „Präzisionsonkologie – neue Wege in der Krebstherapie“, 23.09.2019, Berlin; Veranstalter: Bayer Vital


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