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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

25. April 2016 Neue Antiemese-Leitlinien der MASCC/ESMO: Bessere Lebensqualität durch Dreifach-Antiemese unter Carboplatin

Die Erhaltung der Lebensqualität während und nach der Therapie ist für das Wohlbefinden von Tumorpatienten von herausragender Bedeutung und hat auch einen positiven Einfluss auf das Überleben. Übelkeit und Erbrechen, die jahrelang als besonders belastende Nebenwirkungen galten, kann heute durch eine leitliniengemäße Antiemese weitgehend vorgebeugt werden. Allerdings gibt es Sonderfälle, in denen die Antiemese noch optimiert werden kann und muss. Eine solche Sonderstellung erhielt nun das Carboplatin in den 2016 aktualisierten Leitlinien der MASCC (Multinational Association of Supportive Care in Cancer) und der ESMO (European Society of Medical Oncology) (1).
Carboplatin-haltige Behandlungsregime haben gerade in der gynäkologischen Onkologie eine große Bedeutung, betonte Prof. Jens-Uwe Blohmer, Berlin, bei einem Symposium im Rahmen des Deutschen Krebskongresses in Berlin. Dies gelte vor allem für das fortgeschrittene Ovarialkarzinom, wo die Kombination aus Carboplatin und Paclitaxel seit fast zwei Jahrzehnten die Standardchemotherapie in der Erstlinienbehandlung darstellt (2). Auch beim kleinen frühen Ovarialkarzinom sei die adjuvante Therapie mit Carboplatin als Monotherapie Standard.

Beim triple-negativen Mammakarzinom (TNBC) erhärten sich ebenfalls die Hinweise auf Vorteile einer Platin-haltigen Chemotherapie. In einer aktuellen Analyse der GeparSixto-Studie ging es unter anderem um die Frage, ob bei Patientinnen mit einem Hochrisiko-Mammakarzinom, z.B. mit TNBC, die Hinzunahme einer Platin-Verbindung zur Anthrazyklin- und Taxan-basierten Chemotherapie im neoadjuvanten Setting Vorteile bringt. Dabei zeigte sich, dass sich der Anteil an pathologischen Komplettremissionen (pCR) bei diesen Patientinnen durch Carboplatin deutlich steigern lässt – ein Vorteil, der sich auch in einem verbesserten krankheitsfreien Überleben niederschlägt (3).

Sonderstellung von Carboplatin in den neuen Antiemese-Leitlinien

Die Emetogenität der Chemotherapie ist entscheidend für Häufigkeit und Ausprägung von Übelkeit und Erbrechen (CINV), so Blohmer. Es gelte, sowohl die akute als auch die verzögerte CINV von Anfang an durch eine leitliniengerechte Antiemese zu verhindern, um auch der Entwicklung einer antizipatorischen CINV – Folge einer klassischen Konditionierung – vorzubeugen. MASCC/ESMO haben in ihren aktualisierten Antiemese-Leitlinien dem Carboplatin eine Sonderstellung innerhalb der moderat emetogenen Zytostatika eingeräumt. Bei Carboplatin-basierten Chemotherapien wird ab sofort eine antiemetische Dreifachprophylaxe unter Einbeziehung eines NK1-Rezeptor-Antagonisten (NK1-RA) empfohlen.

Die Empfehlung geht laut Blohmer auf eine große Phase-III-Studie zurück, die 2015 publiziert wurde (4). Eine 1-tägige Dreifachprophylaxe mit dem intravenösen NK1-RA Fosaprepitant (150 mg i.v.), Ondansetron und Dexamethason war bei 1.000 Patienten mit überwiegend gynäkologischen Tumoren unter verschiedenen moderat emetogenen Chemotherapien (MEC) signifikant wirksamer als eine 3-tägige Prophylaxe mit der Zweierkombination Ondansetron/Dexamethason. Das in beiden Studienarmen am häufigsten eingesetzte Zytostatikum war Carboplatin (53%). Beim kompletten Ansprechen (kein Erbrechen, keine Notfallmedikation) in der verzögerten Phase, primärer Endpunkt der Studie, wurde ein signifikanter und klinisch relevanter Unterschied von rund 10% zwischen den Studienarmen beobachtet (78,9 vs. 68,5%; p<0,001). Das 1-tägige Dreifachregime mit dem intravenösen NK1-RA war sowohl in der verzögerten Phase (25-120 h nach Chemotherapie) als auch im gesamten Risikozeitraum (0-120 h nach Chemotherapie) signifikant wirksamer (jeweils p<0,001) als das 3-tägige Prophylaxeregime mit Ondansetron/Dexamethason.

Weitere Neuerungen in den Antiemese-Leitlinien sind laut Blohmer die Neueinstufung von Anthrazyklin-/Cyclophosphamid (AC)-Kombinationen als hoch emetogen, ferner die Empfehlung von Aprepitant bei Mehrtagestherapien mit Cisplatin sowie bei Hochdosis-Chemotherapien im Zusammenhang mit Stammzelltransplantationen. Bei pädiatrischen Chemotherapiepatienten empfehlen die Leitlinien zur Prävention von Übelkeit und Erbrechen bei hoch emetogener Chemotherapie (HEC) exklusiv Aprepitant im Rahmen einer Dreifachantiemese. Aprepitant ist in der EU bei pädiatrischen Chemotherapiepatienten ab 12 Jahren zur Prävention von Übelkeit und Erbrechen bei HEC und MEC zugelassen (5).

Den ausführlichen Text finden Sie hier.

Dr. Claudia Schöllmann

Quelle: Satellitensymposium des Krebsforums „ÜberLEBENsqualität in der Onkologie?!“, DKK, Berlin, 25.02.2016; Veranstalter: MSD

Literatur:

(1) MASCC/ESMO antiemetic guidelines 2016; http://www.mascc.org/assets/Guidelines-Tools/ mascc_antiemetic_guidelines_english_2016_ v.1.0.pdf
(2) Du Bois A et al. J Natl Cancer Inst. 2003;95(17): 1320-9.
(3) von Minckwitz G et al. SABCS 2015. #P1-14-11.
(4) Weinstein C et al. Ann Oncol 2016;27:172-8.
(5)Fachinformation EMEND®, Stand Dez. 2015.


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