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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. März 2020
Seite 1/4
NSCLC: Wer profitiert von welcher Systemtherapie bei Hirnmetastasen?

G. Evers, A. B. Schulze, A. Bleckmann. Medizinische Klinik A – Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie, Pneumologie, Universitätsklinikum Münster.

Das Auftreten von Hirnmetastasen stellt ein häufiges Problem in der Behandlung von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) dar. Zum Zeitpunkt der Erstdiagnose liegt bereits bei ungefähr 10% der Patienten eine zerebrale Fernmetastasierung vor, bis zu 20% der Patienten entwickeln im weiteren Krankheitsverlauf Hirnmetastasen (1). In der Subgruppe von NSCLC-Patienten mit Treibermutationen liegt die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Hirnmetastasierung sogar noch höher. So treten bei jeweils 50-60% der Patienten mit Treibermutationen im Gen des epidermal growth factor receptors (EGFR) oder einem Gen-Rearrangement der anaplastic lymphoma kinase (ALK) während der Erkrankung zerebrale Metastasen auf (2, 3). Bei Patienten mit ROS1-Alteration liegt die Inzidenz bei ca. 30% (4). Neben den Lokaltherapien als weiterhin festem Bestandteil bei der Behandlung von Hirnmetastasen zeigen insbesondere neue zielgerichtete Substanzen eine hohe zerebrale Wirksamkeit. Darüber hinaus kann die als fester Bestandteil im Rahmen der NSCLC-Therapie geltende Anwendung von Checkpoint-Inhibitoren (CIs) eine zerebrale Wirksamkeit entfalten: seit einigen Jahren stehen diese als neue Behandlungsoptionen für Patienten mit einer zerebralen Metastasierung zur Verfügung.
Grundsätzlich sollte bei der initialen Bewertung von Hirnmetastasen die medizinische Dringlichkeit zur Behandlung evaluiert werden. So steht bei Patienten mit symptomatischen Metastasen neben der initialen Therapie des perifokalen Ödems mit Glukokortikoiden weiterhin ein chirurgischer Therapieansatz im Vordergrund. Eine anschließende konsolidierende Bestrahlung des Metastasenbetts kann optional erfolgen und verbessert dadurch die lokale Kontrolle gegenüber einer alleinigen postoperativen Nachbeobachtung (5). Die adjuvante Ganzhirnbestrahlung ist auf Grund zerebraler Nebenwirkungen mit Einschränkungen der Lebensqualität bei nicht verbessertem Gesamtüberleben (OS) in den Hintergrund gerückt (6); die Indikation hierzu beschränkt sich weitestgehend auf Patienten mit einer hohen Anzahl zerebraler Metastasen.
 
Weitere systemische Behandlungsmöglichkeiten richten sich nach dem Vorhandensein von Treibermutationen und werden nachfolgend beschrieben.
 
Für Patienten ohne Indikation zur neurochirurgischen Intervention und ohne Nachweis von Treibermutationen behält die zerebrale Radiatio weiterhin ihren Stellenwert. Hier haben sich in den letzten Jahren bei limitierter Anzahl an zerebralen Metastasen stereotaktische Bestrahlungstechniken gegenüber einer Ganzhirnbestrahlung durchgesetzt. Patienten mit disseminierter, asymptomatischer Metastasierung werden in Abhängigkeit systemischer Behandlungsoptionen hingegen einer medikamentösen Behandlung zugeführt. Eine Ganzhirnbestrahlung kann optional erfolgen.
 
 
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