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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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19. April 2018

Molekulare Testung bei Lungenkrebs wird viel zu selten durchgeführt

Die Inzidenz von Lungenkrebs liegt in Deutschland bei 55.300 Fällen pro Jahr und ist gekennzeichnet durch eine hohe Mortalität. Lungenkrebs entsteht vorwiegend durch externe Faktoren wie Tabakrauch, Radon oder genetische Alterationen. Mehr als 80% aller Lungenkrebsfälle sind histologisch nicht-kleinzellig (NSCLC). Entscheidend für den Einsatz einer personalisierten innovativen Therapiewahl beim NSCLC ist es, die betroffenen Patienten auf bestimmte Genmutationen molekulardiagnostisch zu testen. Hierdurch lässt sich in bestimmten Fällen eine eher unspezifische Chemotherapie ersparen und eine um Monate und Jahre verlängerte Lebensdauer erzielen.
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Prof. Dr. Frank Griesinger, Oldenburg, erklärte, die mediane Überlebenszeit bei NSCLC-Fällen im fortgeschrittenen Stadium IV liegt unter Anwendung der Chemotherapie bei ca. 12-14 Monaten, unter Einsatz der Mutationstestung und personalisierter Therapie sogar bei bis zu 3 Jahren und mehr. Unklar sei, warum bei NSCLC Stadium IV die gemäß Leitlinienempfehlung vorgeschlagenen Testungen auf sog. Treibermutationen viel zu selten vorgenommen werden. Diese Mutationen (EGRF, EML4-ALK, ROS1, BRAF) ließen sich gut molekularpathologisch testen und würden Patienten herauskristallisieren, die für den Einsatz einer Therapie mit Kinasehemmern geeignet sind. Dies seien etwa 15-20% der NSCLC-Patienten. Innovative Kinase-Inhibitoren vermögen für eine gewisse Zeit Signalwege der Krebszellen zu blockieren und Tumoren zu bekämpfen.

Zur Frage der geringen Testung der Lungenkrebspatienten erklärte Prof Dr. Helmut Ostermann, München, anhand der Befragung zum deutschen prospektiven CRISP-Register*, an dem rund 150 große Onkologien Deutschlands mit Lungenkrebspatienten teilnehmen, dass nur rd. 66% der Patienten mit EGRF-Mutation und bei anderen Mutationen nur 41% bzw. 9% der Patienten eine Testung erfuhren. Im Register wurden auch die Patientenpfade zwischen ambulanter Praxis und klinischen Lungenzentren erfragt. Die molekularpathologische Testung wird im stationären Bereich nach den DRG-Fallpauschalen gar nicht oder unzureichend erstattet. Über das NUB-Verfahren ist es bisher noch nie zur zustimmenden Bewertung von Zusatzentgelten gekommen. In der ambulanten Praxis ist eine Erstattung der Testung laut EBM eher möglich, führt aber zu einem zeitraubenden Hin und Her infolge der Patientenpfade zwischen Praxis und Klinik. Beide Experten betonten, der Sinn der Testung sei unbestritten, Vergütungsprozesse und für den Patienten belastende Modalitäten bis zur Therapieentscheidung seien besorgniserregend und nicht dem hohen Standard deutscher Kliniken angemessen.


* CRISP: www.med4u.org/13172
Dr. phil. Barbara Nickolaus
Quelle: Polit-Talk „Molekulare Testung bei Lungenkrebs – Verpasste Chance in deutschen Kliniken?“, DKK, 22.02.2018, Berlin; Veranstalter: AstraZeneca
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