Dienstag, 26. März 2019
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

19. April 2018 Molekulare Testung bei Lungenkrebs wird viel zu selten durchgeführt

Die Inzidenz von Lungenkrebs liegt in Deutschland bei 55.300 Fällen pro Jahr und ist gekennzeichnet durch eine hohe Mortalität. Lungenkrebs entsteht vorwiegend durch externe Faktoren wie Tabakrauch, Radon oder genetische Alterationen. Mehr als 80% aller Lungenkrebsfälle sind histologisch nicht-kleinzellig (NSCLC). Entscheidend für den Einsatz einer personalisierten innovativen Therapiewahl beim NSCLC ist es, die betroffenen Patienten auf bestimmte Genmutationen molekulardiagnostisch zu testen. Hierdurch lässt sich in bestimmten Fällen eine eher unspezifische Chemotherapie ersparen und eine um Monate und Jahre verlängerte Lebensdauer erzielen.
Anzeige:
Prof. Dr. Frank Griesinger, Oldenburg, erklärte, die mediane Überlebenszeit bei NSCLC-Fällen im fortgeschrittenen Stadium IV liegt unter Anwendung der Chemotherapie bei ca. 12-14 Monaten, unter Einsatz der Mutationstestung und personalisierter Therapie sogar bei bis zu 3 Jahren und mehr. Unklar sei, warum bei NSCLC Stadium IV die gemäß Leitlinienempfehlung vorgeschlagenen Testungen auf sog. Treibermutationen viel zu selten vorgenommen werden. Diese Mutationen (EGRF, EML4-ALK, ROS1, BRAF) ließen sich gut molekularpathologisch testen und würden Patienten herauskristallisieren, die für den Einsatz einer Therapie mit Kinasehemmern geeignet sind. Dies seien etwa 15-20% der NSCLC-Patienten. Innovative Kinase-Inhibitoren vermögen für eine gewisse Zeit Signalwege der Krebszellen zu blockieren und Tumoren zu bekämpfen.

Zur Frage der geringen Testung der Lungenkrebspatienten erklärte Prof Dr. Helmut Ostermann, München, anhand der Befragung zum deutschen prospektiven CRISP-Register*, an dem rund 150 große Onkologien Deutschlands mit Lungenkrebspatienten teilnehmen, dass nur rd. 66% der Patienten mit EGRF-Mutation und bei anderen Mutationen nur 41% bzw. 9% der Patienten eine Testung erfuhren. Im Register wurden auch die Patientenpfade zwischen ambulanter Praxis und klinischen Lungenzentren erfragt. Die molekularpathologische Testung wird im stationären Bereich nach den DRG-Fallpauschalen gar nicht oder unzureichend erstattet. Über das NUB-Verfahren ist es bisher noch nie zur zustimmenden Bewertung von Zusatzentgelten gekommen. In der ambulanten Praxis ist eine Erstattung der Testung laut EBM eher möglich, führt aber zu einem zeitraubenden Hin und Her infolge der Patientenpfade zwischen Praxis und Klinik. Beide Experten betonten, der Sinn der Testung sei unbestritten, Vergütungsprozesse und für den Patienten belastende Modalitäten bis zur Therapieentscheidung seien besorgniserregend und nicht dem hohen Standard deutscher Kliniken angemessen.


* CRISP: www.med4u.org/13172

Dr. phil. Barbara Nickolaus

Quelle: Polit-Talk „Molekulare Testung bei Lungenkrebs – Verpasste Chance in deutschen Kliniken?“, DKK, 22.02.2018, Berlin; Veranstalter: AstraZeneca


Das könnte Sie auch interessieren

Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum

Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum
© karepa / Fotolia.com

Beim Alkoholkonsum belegt Deutschland im weltweiten Vergleich stets Spitzenplätze: Rund zehn Liter reinen Alkohols werden hierzulande nach aktuellen Informationen des Bundesgesundheitsministeriums jedes Jahr pro Kopf getrunken und verursachen alljährlich volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von 26,7 Milliarden Euro. „Obwohl Erkenntnisse über das Suchtpotenzial von Alkohol in der Gesellschaft inzwischen hinlänglich verbreitet sind, finden Bier, Wein und...

Seltene Krebsarten – Stiefkind der Krebsforschung?

Seltene Krebsarten – Stiefkind der Krebsforschung?
© Darren Baker / Fotolia.com

Eine seltene Krebsart bringt nicht nur Patienten, sondern auch Ärzte an ihre Grenzen. Dabei sind seltene Krebsarten gar nicht so selten wie die Bezeichnung vermuten lässt. Rund 100.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an einer solchen Krebserkrankung. Im aktuellen Monatsthema stellt das ONKO-Internetportal die wichtigsten seltenen Krebsarten, die damit verbundenen Herausforderungen bei der Therapie sowie Initiativen für betroffene Patienten vor.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Molekulare Testung bei Lungenkrebs wird viel zu selten durchgeführt"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.