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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

27. Oktober 2017 Metastasiertes Prostatakarzinom: Chemotherapie verbessert Prognose und erhält Lebensqualität

Die Taxan-basierte Chemotherapie ist essenzieller Bestandteil der medikamentösen Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms. Wird sie zum individuell besten Zeitpunkt und vor allem nicht zu spät eingesetzt, kann sie die Prognose bestimmter Patienten bei weitgehend erhaltener Lebensqualität verbessern.
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„Die Zeiten, als Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom eine rein endokrine Systemtherapie erhalten haben, sind vorbei“, erklärte Prof. Dr. Jan Roigas, Berlin. Inzwischen sei das metastasierte Prostatakarzinom als sehr heterogener Tumor identifiziert, der mutmaßlich schon bei der Diagnosestellung hormonsensitive und hormonresistente Zellklone enthält. Es wird deshalb heute multimodal mit individuell abgestimmten Therapiekonzepten unter Einschluss der Chemotherapie behandelt. Studien haben gezeigt, dass die Taxan-basierte Chemotherapie bereits im hormonnaiven und später auch im kastrationsresistenten Stadium die Prognose der Patienten verbessert, ohne die Lebensqualität nachhaltig zu beeinträchtigen (1-3).


Kriterien für die Chemotherapie-Indikation

Als Kriterien für eine Chemotherapie in der Erst- und Zweitlinie nannte Roigas eine hohe Tumorlast und viszerale Metastasen sowie Tumor-bedingte Symptome, d.h. Schmerzen, bei asymptomatischen Patienten zudem eine kurze PSA-Verdoppelungszeit und/oder als Hinweis auf ein entdifferenziertes Karzinom ein initial hoher Gleason-Score (4). Endokrin vorbehandelte Patienten sollten primär eine Chemotherapie erhalten, wenn sie nur kurz auf die Androgen-Deprivation angesprochen haben, d.h. ihr Tumor mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht bzw. wenig hormonsensibel ist (5, 6), so Roigas.

In der kastrationsresistenten Situation (mCRPC) benötigt laut Prof. Dr. Axel Merseburger, Lübeck, etwa ein Drittel der Patienten aufgrund einer primären endokrinen Resistenz initial eine Chemotherapie. Option der Wahl ist nach Versagen von Docetaxel das speziell für diese Situation entwickelte Cabazitaxel (3). Diese Sequenz hat den Vorteil, dass sie AR-abhängige Zellprozesse inhibitiert (7, 8) – und im Unterschied zu Androgenrezeptor(AR)-gerichteten Substanzen keine sekundären Resistenzentwicklungen, insbesondere keine Kreuzresistenz auftritt (9). Um Therapieresistenzen rechtzeitig zu erkennen, werden nach europäischem Konsens von Therapiebeginn an Kontrollen per Bildgebung etwa alle 3 Monate empfohlen (10). Nach Versagen einer AR-gerichteten Therapie halten die Experten die Sequenz zweier AR-gerichteter Therapien auch angesichts der in Studien aktuell belegten Kreuzresistenzen (11) wenig sinnvoll. Hier sollte frühzeitig auf die Chemotherapie gewechselt werden.

Ute Ayazpoor (ua)

Quelle: Satellitensymposium „ One fits all? Patientenindividuelle Therapieentscheidungen beim mCRPC“, DGU, 21.09.2017, Dresden; Veranstalter: Sanofi Genzyme

Literatur:

(1) Claire LV et al. Lancet Oncol 2016;(2):243-56.
(2) Tannock IF et al. NEJM 2004;351:1502-12.
(3) De Bono JS et al. Lancet 2010;376(9747): 1147-54.
(4) Maroto P et al. Crit Rev Oncol Hematol 2016;100:127-36.
(5) Loriot Y et al. EJC 2015;51(14):1946-52.
(6) Huillard O et al. ASCO JCO 2013;31:5075a.
(7) Jordan MA et al. Nat Rev Cancer 2004;4:253-65.
(8) Zhu ML et al. Cancer Res 2010;70:7992-8002.
(9) Small E et al. ASCO JCO 2015;33:5003a.
(10) Fitzpatrick JM et al. EJC 2014;50:1617-27.
(11) Attard G et al. ASCO JCO 2017;35:5004a.


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