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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

03. August 2017 „Wir jedenfalls reden mit den Leuten“

Lesermeinung

Lesermeinung zu Ausgabe 4/17 – Seite 309-313 – Fortbildung: Schlimok et al., „Warum eine gut strukturierte Krebsnachsorge entscheidend ist“
Sehr geehrte Damen und Herren,

„Survivorship“ und Nachsorge: ein Feld, das in der Tat zum Beackern taugt (…) Ich sehe durch keine Studie abgesichert und auch per se nicht absicherbar, wer was tun soll, wenn es um Arzt-Patientenkontakte nach Abschluss von Krebstherapien geht.

Unstrittig sollte sein, dass onkologische Interventionen (auch endokrine Therapien) in die Hände onkologisch verantwortlicher Ärzte gehören. Wissenschaftlicher Methodik zugänglich sind darüber hinaus Fragen, ob bestimmte Tumor-spezifische Interventionen an nicht mehr behandelten, mutmaßlich kurierten asymptomatischen Patienten die Prognose verbessern. Beispiele: Früherkennung von Lebermetastasen kolorektaler Karzinome (ja), aber auch Nutzen von Tumormarkerbestimmungen nach Ovarialkarzinom (mindestens strittig) mit der Berechtigung, genau diese auch den Krebsspezialisten zuzuordnen.

Die von Schlimok et al. beschriebene Orientierungslosigkeit onkologischer Patienten nach Klinikentlassung beobachte ich auch. Aber meine Analyse ist eine andere: Wenn in der Klinik keiner ausreichend mit den Patienten spricht, müssen wir darin die ökonomisch getriebene Minderleistung der Kliniker erkennen, benennen und Besserung einfordern. Für niedergelassene internistische Onkologen zeigen Patientenbefragungen und Qualitätssicherungsmaßnahmen: wir jedenfalls reden mit den Leuten.

Die wirkliche Zukunftsfrage der Onkologie ist eine ganz andere: wie sichern wir unsere Ressourcen als Spezialisten für die komplex neuerkrankten und interventionsbedürftigen Patienten, anstatt unsere Kompetenz zu blockieren mit Dingen, die andere mindestens nicht viel schlechter machen?

Schaffen wir es, uns rechtzeitig von den Patienten zu trennen, die von gut informierten Allgemeinversorgern übernommen werden können? Der Verdacht: Wir reflektieren unsere Eitelkeiten zu wenig, hängen zu sehr an den Erfolgsfällen, kalkulieren mit den gesunden Verdünnern, betreiben emotionales „upcoding“ und reden Gesunde kränker als nötig, flüstern ihnen nicht ohne Eigennutz Umsorgungsbedarf ein und glauben zum Schluss sogar noch selbst daran. (…)

Stattdessen: Ein gut strukturiertes onkologisches Überleitungsmanagement wäre der Ansatz mit Zukunft.

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. med. Mathias Bertram, Hamburg


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