Sonntag, 21. April 2019
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

03. August 2016 Innovative Therapieoptionen beim NSCLC und Urothelkarzinom

Über 5% der weltweit neu diagnostizierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinome (NSCLC) sind ALK-positiv (1). Betroffene Patienten, deren Erkrankung nach einer Standardtherapie mit Crizotinib weiter fortgeschritten ist, profitieren vom hoch selektiven, ZNS-aktiven ALK-Inhibitor Alectinib – mit Gesamtansprechraten (ORR) von etwa 50% und ZNS-ORR von über 55%. In einem Mediengespräch im Rahmen der diesjährigen Tagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) stellte Roche die wichtigsten präsentierten Studien zu Alectinib vor. Weitere Studien befassten sich mit dem humanisierten, monoklonalen PD-L1-Antikörper Atezolizumab, der nicht nur in der Therapie des NSCLC, sondern auch beim Urothelkarzinom und in weiteren Indikationen zu vielversprechenden Studienergebnissen führt.
Alectinib: verlängertes PFS bei besserer Verträglichkeit

Hiroshi Nokihara stellte die aktuellen Daten der randomisierten, offenen, Phase-III-Studie J-ALEX vor, die das progressionsfreie Überleben (PFS) von Patienten verglich, die in 41 japanischen Zentren entweder Alectinib oder Crizotinib erhielten (2). Die 207 ALK+, Alectinib-naiven NSCLC-Patienten wurden stratifiziert nach ECOG-PS 0/1 vs. 2 sowie dem klinischen Stadium der Erkrankung IIIB/IV vs. Rezidiv und bekamen entweder 300 mg Alectinib 2x tägl. p.o. oder 250 mg Crizotinib 2x tägl. p.o.

Bei der zweiten Interimsanalyse verlangte das independent data monitoring committee die Veröffentlichung der Studiendaten aufgrund der gezeigten Überlegenheit von Alectinib beim PFS (HR=0,34 Alectinib-Arm zu Crizotinib-Arm; 99%-KI 0,17-0,70; p<0,0001). Das mediane PFS war im Alectinib-Arm noch nicht erreicht, unter Crizotinib betrug es 10,2 Monate. Alectinib verringerte das PFS-Risiko um 66% im Vergleich zu Crizotinib. Die einzige Nebenwirkung, die im Alectinib-Arm bei über 30% der Patienten auftrat, war Obstipation (36%) wohingegen unter Crizotinib u.a. Nausea (74%), Diarrhoe (73%) und Erbrechen (59%) häufig auftraten. Auch Nebenwirkungen der Grade 3-4 wurden unter Alectinib seltener beobachtet als unter Crizotinib (27% vs. 51%).


NSCLC: Atezolizumab verlängert OS

Atezolizumab ist der erste PD-L1-Antikörper, der im Vergleich zu Docetaxel das Gesamtüberleben (OS) von NSCLC-Patienten verbessert. Beim ASCO-Kongress präsentierte David A. Smith die Daten der Phase-II-Studie POPLAR nach einer Beobachtungszeit von mindestens 20 Monaten (3). Die 287 Patienten mit metastasiertem oder lokal fortgeschrittenem NSCLC und Krankheitsprogression nach einer vorangegangenen Platin-Therapie hatten randomisiert entweder 1.200 mg Atezolizumab i.v. q3w oder 75 mg/m2 Docetaxel i.v. q3w erhalten. Das OS betrug 12,6 Monate mit Atezolizumab und 9,7 Monate mit Docetaxel. Die Überlebenskurven gehen nach diesem Follow-up weiter auseinander und zeigen einen gesteigerten Benefit unter Atezolizumab-Monotherapie. Auch die mediane Dauer des Ansprechens unter Atezolizumab steigerte sich mit längerer Beobachtungszeit. Unter Docetaxel beträgt sie 7,2 Monate, unter Atezolizumab 18,6 Monate.


Atezolizumab auch beim Urothelkarzinom effektiv

Die Effektivitäts- und Follow-up-Daten der Kohorte 2 aus der 1-armigen Phase-II-Studie IMvigor210 nach über 1 Jahr stellte Robert Dreicer vor (4). In dieser Kohorte wurden Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom und Krankheitsprogression während oder nach einer Platin-haltigen Chemotherapie behandelt. Sie erhielten 1.200 mg Atezolizumab i.v., von 310 Patienten konnten die Daten ausgewertet werden. Die ORR nach RECIST-Kriterien betrug 19%. Bei 71% der Responder hielt das Ansprechen nach einer medianen Beobachtungszeit von 17,5 Monaten weiterhin an, 86% der Responder zeigten sogar ein komplettes Ansprechen.


Weitere Indikationen

Dass Atezolizumab auch beim kolorektalen Karzinom sicher ist und wirkt, zeigt eine ebenfalls vorgestellte Phase-Ib-Studie, in der die Kombination mit dem MEK-Inhibitor Cobimetinib evaluiert wurde (5). Eine weitere Phase-1b-Studie belegt die Verträglichkeit und eine vielversprechende Aktivität von Atezolizumab plus nab-Paclitaxel beim metastasierten triple-negativen Mammakarzinom (6).

Dr. Claudia Schöllmann, Grasbrunn

Quelle: Mediengespräch anl. d. ASCO-Kongresses, 3.-7. Juni 2016, Chicago, USA; Veranstalter: Roche

Literatur:

(1) Dearden et al. Ann Oncol 2013; 24: 2371-76.
(2) Nokihara H et al. J Clin Oncol 33;2015 (suppl; abstr 9008).
(3) Smith DA et al. J Clin Oncol 33;2015 (suppl; abstr 9028).
(4) Dreicer R et al. J Clin Oncol 33;2015 (suppl; abstr 4515).
(5) Bendell, JC et al. J Clin Oncol 33;2015 (suppl; abstr 3502).
(6) Adams S et al. J Clin Oncol 33;2015 (suppl; abstr 1009).


Das könnte Sie auch interessieren

Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum

Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum
© karepa / Fotolia.com

Beim Alkoholkonsum belegt Deutschland im weltweiten Vergleich stets Spitzenplätze: Rund zehn Liter reinen Alkohols werden hierzulande nach aktuellen Informationen des Bundesgesundheitsministeriums jedes Jahr pro Kopf getrunken und verursachen alljährlich volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von 26,7 Milliarden Euro. „Obwohl Erkenntnisse über das Suchtpotenzial von Alkohol in der Gesellschaft inzwischen hinlänglich verbreitet sind, finden Bier, Wein und...

Große Jubiläumsaktion „Ich zieh‘ den Hut“

Große Jubiläumsaktion „Ich zieh‘ den Hut“
© Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.

„Hut ab“ oder „Chapeau“ - das sagen Menschen, um Wertschätzung und Anerkennung vor der Leistung Anderer auszudrücken. Am 25. Juni 2016 bietet die Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH) anlässlich ihres 40-jährigen Jubiläums an 40 Orten in Deutschland Mitbürgern die Möglichkeit, durch die Geste des „Hutziehens“ ein Zeichen der Solidarität mit an Krebs erkrankten Menschen zu setzen und das Engagement der ehrenamtlich...

Krebsgesellschaften: Unterstützer der Patienten

Krebs zählt zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Tag für Tag sterben etwa 20.000 Menschen an einer Krebserkrankung. Allein 2012 gab es laut Schätzungen der WHO etwa 8,2 Millionen krebsbedingte Todesfälle.* Dieser Herausforderung zu begegnen, war schon immer das Bestreben von klinischen und niedergelassenen Ärzten, universitären Wissenschaftlern und der forschenden Pharmaindustrie. Wichtiges Bindeglied untereinander, aber auch zum Patienten, sind die...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Innovative Therapieoptionen beim NSCLC und Urothelkarzinom"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.