Samstag, 24. August 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

31. Mai 2017 Hochspezifischer TKI Alectinib beim ALK-positiven NSCLC zugelassen

Alectinib ist ein neuer Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI), der seit Mai 2017 zur Verfügung steht. Er ist für die Behandlung von ALK-positivem, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) im fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium zugelassen, wenn der Patient mit Crizotinib vorbehandelt wurde. Alectinib adressiert mit seinem hochspezifischen Wirkmechanismus fast ausschließlich die pathologisch überaktivierte anaplastische Lymphomkinase (ALK). Zudem wirkt es effektiver als die anderen TKIs mit dieser Indikation gegen Hirnmetastasen.
Anzeige:
Fachinformation
Prof. Dr. Michael Thomas, Heidelberg, stellte die beiden einarmigen, offenen, multizentrischen Phase-II-Studien NP28673 und NP28761 vor (1, 2), in deren gepoolter Analyse Alectinib (Alecensa®) eine mediane progressionsfreie Überlebenszeit (PFS) von 8,3 Monaten erreichte (Abb. 1) (3). „Dabei ist immer zu bedenken“, so der NSCLC-Experte, „dass es sich dabei um ein beträchtlich vorbehandeltes Kollektiv mit erheblicher Tumorlast handelte.“

 
Abb. 1: Gepoolte Analyse – PFS unter Therapie mit Alectinib (nach (3)).
Gepoolte Analyse – PFS unter Therapie mit Alectinib



Medianes Gesamtüberleben von über 22 Monaten

„Beim PFS handelte es sich um einen sekundären Endpunkt. Primärer Endpunkt war die Gesamtansprechrate ORR“, führte der Onkologe weiter aus. Sie setze sich zusammen aus komplettem und partiellem Ansprechen (CR, PR). „Ein partielles Ansprechen“, so Thomas, „war gemäß den RECIST(Response Evaluation Criteria In Solid Tumors)-Kriterien als Schrumpfung der Tumormasse um mindestens 30% definiert.“ 51% der Patienten sprachen auf die Behandlung an.

Die Patienten erreichten außerdem unter Alectinib (2x tägl. 600 mg, oral appliziert) eine Ansprechdauer (Duration of Response, DoR) von 14,9 Monaten. „Wenn die Patienten ansprachen, geschah dies rasch, nämlich nach rund 6 Wochen“, hob Thomas hervor. Das mediane Gesamtüberleben (OS) unter Alectinib betrug 22,7 Monate. Diese Berechnung ist eine Extrapolation, da sie auf lediglich 41% der eingetretenen Ereignisse basiert.

Spezifische Wirkung – wenig Nebenwirkungen

„Die beim fortgeschrittenen NSCLC oft zu beobachtenden Hirnmetastasen stellen ein großes Problem dar, werden sie doch von den anderen TKIs nur ungenügend oder lediglich kurzzeitig erreicht “, führte Thomas weiter aus. Die hohe Wirksamkeit von Alectinib zeigte sich in einer Gesamtansprechrate der ZNS-Metastasen von 64%. Insgesamt erreichten sogar 22% der Patienten eine CR der Hirnmetastasen.

„Die hochselektive Bindung an die ALK-Domäne mag für das gute Nebenwirkungsprofil von Alectinib verantwortlich sein“, mutmaßte Thomas. In jedem Fall erwies sich der neue TKI in den Studien als ausgesprochen gut verträglich. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren Obstipation (36%), Müdigkeit (33%), Myalgie (24%) und periphere Ödeme (25%). „Dies allerdings fast nur von Grad 1 und 2. Höhergradige Nebenwirkungen waren äußerst selten.“ Allerdings, räumte der NSCLC-Experte ein, sollte der Arzt die Leberwerte sowie die Kreatinphosphokinase im Auge behalten.

Reimund Freye

Quelle: Fachpressegespräch: „Alecensa®: die neue Therapieoption für Patienten mit ALK-positivem Lungenkrebs“, 4.04.2017, Frankfurt; Veranstalter: Roche Pharma AG

Literatur:

1. Ou SHI et al. J Clin Oncol 2016;34(7): 661-68.
2. Shaw AT et al. Lancet Oncol 2016;17(2): 234-42.
3. Yang JCH et al. J Thorac Oncol 2017;12(S1): 614.


Das könnte Sie auch interessieren

Die P4-Medizin – Krebstherapie der Zukunft?

Die P4-Medizin – Krebstherapie der Zukunft?
© Fotolia / psdesign1

Die Versorgung von krebskranken Menschen befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Die Entwicklung neuer diagnostischer Methoden und individueller Therapien verändert die onkologische Medizin, wie wir sie bisher kennen. Das jüngst gewonnene Wissen über den Krebs und seine molekularbiologische Vielfalt verlangt nach neuen Antworten. In dem vom amerikanischen Biomediziner Leroy Hood geprägten Konzept der P4-Medizin wird die mögliche Krebstherapie der Zukunft...

Brustkrebs: Informationen helfen gegen Ängste

Brustkrebs: Informationen helfen gegen Ängste
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Aktuelle Studien belegen: Patientinnen mit der Diagnose Brustkrebs profitieren von  guter Gesundheitsinformation und Aufklärung. Ängste und Sorgen nehmen ab, die Lebensqualität steigt. Der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) informiert Betroffene und Angehörige seit 30 Jahren rund um das Thema Krebs. Bei 50 Prozent aller Anfragen zu Tumorlokalisationen steht das Thema Brustkrebs im Vordergrund.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Hochspezifischer TKI Alectinib beim ALK-positiven NSCLC zugelassen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich