Freitag, 26. April 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

22. Juni 2016 HR+ Brustkrebs: 10 Jahre endokrine Therapie reduzieren Rezidivrisiko

Im Rahmen der Plenary Session wurde auf dem diesjährigen ASCO-Kongress die randomisierte Phase-III-Studie MA.17R vorgestellt, deren Ergebnissen zu Folge eine von 5 auf 10 Jahre verlängerte Aromatasehemmer-Therapie mit Letrozol das krankheitsfreie Überleben (DFS) bei Frauen mit frühem Hormonrezeptor-positiven (HR+) Brustkrebs signifikant verbessert (1).
Anzeige:
Fachinformation
Der bisherige Behandlungsstandard bei Frauen, die an einem frühen HR+ Brustkrebs erkrankt sind, besteht in einer Aromataseinhibitor(AI)-Therapie über 5 Jahre oder einer Tamoxifen-Therapie über 2-5 Jahre. In der vorgestellten doppel-blinden, randomisierten Studie wurde nun der Einfluss einer direkt anschließenden 5 Jahre weitergeführten AI-Therapie mit Letrozol versus Placebo getestet.

Von den insgesamt in die Studie aufgenommenen 1.918 Frauen mit frühem HR+ Brustkrebs (medianes Follow-up 75 Monate, 6,3 Jahre) trat bei 165 ein Krankheitsereignis auf (67 unter Letrozol und 98 unter Placebo), davon 42 versus 53 Fernrezidive unter Letrozol bzw. Placebo. Es kam zu 200 Todesfällen, jeweils 100 in jeder Gruppe. Damit verstarben in beiden Armen die gleiche Anzahl Patientinnen.

Das 5-Jahres-DFS – der primäre Endpunkt der Studie – betrug 95% für Patienten, die Letrozol erhielten versus 91% für diejenigen unter Placebo (HR=0,66; p=0,01). Dies entspricht einer Reduktion des Rezidivrisikos um 34%.

Das 5-Jahres-Gesamtüberleben unterschied sich mit 93% in der Letrozol-Gruppe und 94% in der Placebo-Gruppe und einer HR von 0,97 (p=0,83) nicht signifikant. Wegen des langsamen chronischen Verlaufs, der typisch für den HR+ Brustkrebs ist, kann ein Unterschied im Gesamtüberleben in klinischen Studien auch sehr schwer nachgewiesen werden, so Studienautor Paul Goss, Boston.

Die jährliche Inzidenzrate von kontralateralem Brustkrebs lag bei 0,21% im Letrozol-Arm versus 0,49% im Placebo-Arm (p=0,007). Damit scheint eine verlängerte AI-Therapie einen präventiven Effekt auf die nicht-betroffene, gesunde Brust zu haben. Auch die Lebensqualität der Patientinnen in der Studie unterschied sich nicht signifikant zwischen den Behandlungsarmen.

Das Fazit der Studienautoren war, dass verglichen mit einer 5-jährigen AI-Behandlung als initialer Therapie oder im Anschluss an eine vorangegangene 2-5-jährige Tamoxifen-Therapie eine auf 10 Jahre verlängerte AI-Behandlung mit Letrozol das DFS signifikant verbessert.

Die verlängerte endokrine Therapie von 10 Jahren zeigte zwar einen krankheitsfreien Überlebensvorteil durch verlängerte endokrine Therapie, jedoch keinen Gesamtüberlebensvorteil, sagte PD Dr. Marc Thill, Frankfurt. Die Datenanalyse ergab, dass viele Patientinnen mit einem Ereignis kontralateral ein Zweitkarzinom hatten, und die Vermeidung kontralateraler Rezidive beeinflusst natürlich nicht das Gesamtüberleben. Von daher, so Thill, sei dies eine Therapieoption für Patientinnen in einer Hochrisikosituation. Zunächst gelte es, die Patientin zu identifizieren, die eine solche verlängerte Antihormontherapie erhalten sollte, denn die Toxizitäten seien natürlich problematisch. Die Osteoporose-Rate war verdoppelt und die Frakturrate signifikant erhöht.

Das Interview mit PD Dr. Thill finden Sie hier.

(red)

Literatur:

(1) Goss PE et al. ASCO 2016; LBA1.


Das könnte Sie auch interessieren

Als Krebspatient auf Reisen – hilfreiche Tipps

Als Krebspatient auf Reisen – hilfreiche Tipps
© Jenny Sturm / Fotolia.com

Ein Kurzurlaub in der Therapiepause – das hört sich für viele Betroffene verlockend an. Mal abschalten und die physischen und psychischen Belastungen der Erkrankung vorübergehend hinter sich lassen. Aber: Kann ich das als Krebspatient? Und worauf ist zu achten? Diese und weitere Fragen zum Thema „Reisen mit Krebs“ beantwortet der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums täglich von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr telefonisch unter 0800-420...

Geballtes Wissen zu Krebs für alle

Geballtes Wissen zu Krebs für alle
© Krebsinformationsdienst, DKFZ; Bild: Pixabay 849820

Der offizielle Startschuss fiel am 30. März 1999. Die Internetseite des Krebsinformationsdienstes (KID), einer Abteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums, ging online. Heute nutzen monatlich rund 600.000 Besucher die Seite. Gefragte Themen sind Hintergründe zur Erkennung und Behandlung von Krebs, neue Therapieverfahren, aber auch Tipps zum Umgang mit der Erkrankung im Alltag. Alle, die sich vor Krebs schützen möchten, finden ausführliche Informationen über...

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Die Bauchspeicheldrüse, das unbekannte Organ

Die Bauchspeicheldrüse (griech.: Pankreas) ist eine der größten Drüsen des Menschen. Dennoch ist nur wenigen bekannt, wo sie sich befindet und welche Funktionen sie übernimmt. Die Bauchspeicheldrüse ist ein keilförmiges Organ, ungefähr so groß wie eine Hand: ein bis zwei Zentimeter dick und etwa 15 Zentimeter lang. Sie liegt mitten im Oberbauch hinter dem Magen und vor der Wirbelsäule. Mit ihrem sich verjüngenden Ende – dem...

Die P4-Medizin – Krebstherapie der Zukunft?

Die P4-Medizin – Krebstherapie der Zukunft?
© Fotolia / psdesign1

Die Versorgung von krebskranken Menschen befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Die Entwicklung neuer diagnostischer Methoden und individueller Therapien verändert die onkologische Medizin, wie wir sie bisher kennen. Das jüngst gewonnene Wissen über den Krebs und seine molekularbiologische Vielfalt verlangt nach neuen Antworten. In dem vom amerikanischen Biomediziner Leroy Hood geprägten Konzept der P4-Medizin wird die mögliche Krebstherapie der Zukunft...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"HR+ Brustkrebs: 10 Jahre endokrine Therapie reduzieren Rezidivrisiko"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.