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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

08. September 2017
Seite 1/2
Gesetzesänderung: Cannabis auf Rezept

Interview mit Apothekerin Margit Schlenk, NM VITAL Apotheke, Neumarkt.

Cannabinoide werden in der onkologischen Supportivtherapie als Appetitstimulans und gegen Erbrechen bei emetogener Tumortherapie und als Schmerzmittel eingesetzt. Im März trat das Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften in Kraft. Seitdem haben schwer kranke Patienten unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch auf die Erstattung von Cannabis-Medikamenten. JOURNAL ONKOLOGIE sprach mit der Apothekerin Margit Schlenk über Vor- und Nachteile verschiedener Cannabis-Arzneimittel.
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Margit Schlenk
JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Cannabis-Produkte sind für die supportive Therapie bei Krebs geeignet?

Schlenk:
Keinesfalls Cannabis aus Eigenanbau, und auch die Blüten auf Rezept stellen eher einen Kompromiss dar. Standardisierte Präparate sind zu präferieren.


JOURNAL ONKOLOGIE: Bei pflanzlichen Extrakten und Pflanzenteilen können unterschiedliche Chargen unterschiedliche Wirkstoffmengen enthalten. Wie geht man mit diesem Problem um?

Schlenk:
Bei Cannabis-Blüten ist es  nicht lösbar, da von Charge zu Charge der Gehalt schwanken kann. Auch die Art der Applikation, also welcher Vernebler benutzt wird, entscheidet dann über die Freisetzung enthaltener Wirkstoffmengen. Ebenso spielt die Temperatur, die der Verdampfer erreicht, für die Wirkstofffreisetzung eine entscheidende Rolle und kann zu unterschiedlichen Therapieerfolgen führen. Das Rauchen von Cannabis setzt schädliche, ggf. karzinogene Stoffe frei, daher ist dies nicht die geeignete Darreichungsform. Wird ein auf Dronabinol standardisierter öliger Extrakt angewendet, ist hingegen die chargenkonforme Gabe des Wirkstoffs garantiert.

 
Statement des BfArM zu gegenwärtigen Lieferengpässen bei Cannabis-Produkten

„Im BfArM gehen Hinweise einzelner Patientinnen und Patienten ein, die auf die fehlende Verfügbarkeit der jeweils verschriebenen Cannabisarzneimittel in den Apotheken aufmerksam machen. Unternehmen, die Cannabis zu medizinischen Zwecken importieren möchten, benötigen dafür entsprechende Erlaubnisse und Genehmigungen, u.a. von der beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte angesiedelten Bundesopiumstelle. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir über erteilte Genehmigungen nicht im Detail informieren. Anträge auf Erteilung einer Importgenehmigung bearbeitet das BfArM mit Blick auf die Versorgung der Patientinnen und Patienten mit hoher Priorität. Der Import erfolgt derzeit aus den Niederlanden und aus Kanada. Das BfArM hat keinen Einfluss darauf, ob und in welchem Umfang die berechtigten Unternehmen Cannabis tatsächlich importieren.

Ziel des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte ist es, die Versorgung schwerkranker Patientinnen und Patienten künftig mit in Deutschland angebautem Cannabis in pharmazeutischer Qualität sicherzustellen. Die Auftragnehmer dafür werden aktuell in einem europaweiten Ausschreibungsverfahren ermittelt.“

Weitere Informationen finden Sie unter:www.bfarm.de/cannabis-als-medizin

Quelle: Maik Pommer, Pressesprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie wird die pharmazeutische Qualität von derzeit in der Apotheke erhältlichem Cannabis kontrolliert?

Schlenk:
Wir beziehen Cannabis-Produkte je nach Verordnung als Herstellungsset für ölige Tropfen oder Kapseln. Die Apotheke prüft Identität und Qualitätsparameter im Apothekenlabor nach Prüfanweisung des Deutschen Arzneimittel Codex (DAC). Der Hersteller hat hier bereits umfangreiche Qualitätsstandards gesetzt, damit wir in der Apotheke diese Prüfungen sehr schnell durchführen können.

Cannabis-Blüten müssen ebenfalls je nach Sorte im Apothekenlabor nach Prüfvorschriften des DAC/NRF geprüft werden, um Identität und Qualität zu garantieren. Dies erfordert einen gewissen Personal-, Zeit- und Materialaufwand. Zudem muss das getrocknete Pflanzenmaterial pulverisiert werden, um eine annähernd konstante Freigabe enthaltener Wirkstoffe zu ermöglichen.

 
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