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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

22. Februar 2019
Seite 1/3
Fortgeschrittenes Leberzellkarzinom: Neue Therapieoption in der Erstlinientherapie

A. Vogel, Med. Hochschule Hannover, Klinik f. Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, Tagesklinik und Ambulanz.

Die Behandlung des Hepatozellulären Karzinoms (HCC) stellt die Medizin vor große Herausforderungen. Der Tumor selbst sowie zugrunde liegende Erkrankungen wie eine Leberzirrhose beeinträchtigen die Leberfunktion und schränken somit die Behandlungsoptionen ein. Auch die Therapie kann Auswirkungen auf die Leberfunktion haben, sodass die Behandlungssequenz in den Tumorboards sorgfältig diskutiert werden sollte. Die S3-, EASL- und ESMO-Leitlinien empfehlen im intermediären Stadium lokoregionäre Therapien wie die transarterielle Chemoembolisation (TACE). Bei Fortschreiten der Erkrankung gab es mit dem Multikinase-Inhibitor Sorafenib bisher nur eine Option für die systemische Erstlinientherapie. Mit der kürzlich erfolgten Zulassung von Lenvatinib für das fortgeschrittene oder nicht operable HCC gibt es jetzt eine Alternative zu Sorafenib. Darüber hinaus könnte der Checkpoint-Inhibitor Nivolumab, der in dieser Indikation erste vielversprechende Studienergebnisse zeigte, demnächst ebenfalls für die Erstlinientherapie zur Verfügung stehen. Diese Erweiterungen der Systemtherapie werden die Therapielandschaft des HCC verändern.
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Fachinformation
Bei Patienten mit nicht resezierbarem HCC im intermediären Stadium B nach der Barcelona Clinic Liver Cancer (BCLC)-Klassifikation (multi-nodulärer Tumor ohne makrovaskuläre Invasion und Lymphknotenbefall) wird von der deutschen S3-Leitlinie und den Leitlinien der European Association for the Study of the Liver (EASL) sowie der European Society for Medical Oncology (ESMO) die TACE empfohlen, sofern die Patienten geeignet sind (1-3). Eine aktuelle Metaanalyse weist allerdings darauf hin, dass mit der TACE längst nicht alle Patienten dieser sehr heterogenen Gruppe ein gutes Ansprechen und einen Überlebensvorteil haben (4). Die EASL schlussfolgert in ihrer Leitlinie, dass asymptomatische Patienten im kompensierten Child-Pugh-Stadium A bis B7 mit nur einzelnen oder kleinen Tumorherden, ohne vaskuläre Invasion oder Metastasen, die besten Kandidaten für eine TACE sind (2). Einer aktuellen prospektiven Beobachtungsstudie zufolge wird in der Praxis die TACE aber auch in fortgeschritteneren Stadien eingesetzt, was mit einer sukzessiven Schwächung der Leberfunktion einhergehen kann und dann eine nachfolgende systemische Therapie erschwert (5). Die ebenfalls für das intermediäre Stadium indizierte selektive intraarterielle Radiotherapie (SIRT) hingegen hat in 3 aktuellen Studien beim intermediären oder fortgeschrittenen HCC keine Überlegenheit gegenüber Sorafenib gezeigt (6-8) und wird folglich in den aktuellen Leitlinien der EASL und der ESMO negativ bewertet bzw. nur in Ausnahmefällen bei Patienten, die weder mit TACE noch mit einer systemischen Therapie behandelt werden können, empfohlen (2, 3).
 
Im fortgeschrittenen Stadium (BCLC-C) oder im intermediären Stadium (BCLC-B), das lokoregionär nicht kontrolliert werden kann, wurde bis-lang in den Leitlinien der EASL und der ESMO für Patienten mit erhaltener Leberfunktion (Child-Pugh A) nur der Multikinase-Inhibitor Sorafenib als Standardbehandlung empfohlen (2, 3). In ihren aktuellen Leitlinien geben die EASL und die ESMO schon vor Zulassung (unter Vorbehalt der Zulassung) in diesem Stadium auch für Lenvatinib eine starke Empfehlung (2, 3). Aktuell erweitert sich das Spektrum noch um weitere Substanzen, die in klinischen Studien positive Daten zu Wirksamkeit und Verträglichkeit zeigten (9). Damit wird die systemische Therapie im Behandlungsalgorithmus des (fortgeschrittenen) HCC an Bedeutung gewinnen.
 
 
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