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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. Juni 2019
Seite 1/2
Ernährungsoptimierung beim Pankreaskarzinom – integraler Bestandteil

J. Falkenthal, Ernährungstherapeutische Praxis, Berlin.

Eine adäquate Ernährungstherapie sollte bei allen onkologischen Patienten gefördert werden, da eine Mangel-ernährung im Krankenhaus meist bei etwa 40% der onkologischen Patienten festgestellt wird (1). Fast jeder zweite Patient weist somit eine Mangelernährung auf. Nur durch die Bestimmung des aktuellen Gewichtes kann eine Mangelernährung nicht analysiert werden. Denn das Gewicht sowie der BMI (Body-Mass-Index) haben keine Aussagekraft und geben keine Hinweise über Muskelabbau und Ernährungszustand. Bei „untergewichtigen“ Menschen wird meist auf den Ernährungszustand geachtet, aber oft sind die „normal-“ bzw. auch „übergewichtigen“ Menschen gefährdeter. Bei dem Gewichtsverlauf eines Patienten lohnt es sich, genau hinzuschauen und jede Gewichtsabnahme sollte als Alarmsignal wahrgenommen werden.
Ein ungewollter Gewichtsverlust ist laut Deutscher Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) und European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (ESPEN) die Indikation einer Mangelernährung, d.h. wenn ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust von 5% in 3 Monaten oder 10% in 6 Monaten vorhanden ist. Bei einem fortgeschrittenen Pankreaskarzinom besteht oft eine tumorassoziierte Kachexie.
 
Eine orale bedarfsdeckende Energie- und Nährstoffaufnahme ist oft ein allgemeines und zentrales Problem. Gründe liegen in häufig einhergehenden gastrointestinalen Beschwerden, Veränderung durch OP-assoziierte Faktoren, Veränderung im Essverhalten, Nebenwirkungen vieler Therapien, reduzierter Leistungsfähigkeit, Verlust von psychischen und sozialen Komponenten, Defäkationen und damit auch verringerte Lebensqualität.
 
Die S3-Leitlinie (2) sieht für Patienten mit Pankreaskarzinomen keine spezifische Ernährungsempfehlung vor. Die Aussage „Sie dürfen alles essen“ ist in diesen Fällen meist nicht zufriedenstellend. Auch wenn Pankreaspatienten allgemein „alles essen dürfen“, muss jedoch genauer hingesehen werden. Wichtig ist das Monitoring bei einem Pankreaskarzinom und dass nicht nur auf die reine onkologische Behandlung geachtet wird. Durch „falsche“ Verbote von Lebensmitteln, ungenügende Nährstoffzufuhr, in-adäquate Pankreasenzymsubstitution und dadurch resultierende Steatorrhoe sowie durch die Maldigestion von Nährstoffen und Vitaminen sinkt die Lebensqualität zunehmend ab.
 
Die Zufuhrempfehlung bei Tumorpatienten ist allgemein eine eiweißreiche und hochkalorische Ernährung. Es sollte auf eine tägliche Eiweiß-/Aminosäurenzufuhr von 1,2-1,5 g/kg Körpergewicht (KG) geachtet werden, die jedoch bei ausgeprägter Inflammation auch auf bis zu 2 g/kg KG erhöht werden kann. Der Gesamtenergiebedarf von Tumorpatienten ist meist nicht anders als der von Gesunden und liegt i.d.R. zwischen 25-30 kcal/kg KG (3). Der Katabolismus beim Pankreaskarzinom ist jedoch besonders ausgeprägt. Daher kann die Energiezufuhr von 35-40 kcal/kg KG eventuell notwendig sein.
 
Zu den allgemeinen Ernährungsmaßnahmen gehört somit eine hochkalorische Ernährung ohne Kohlenhydrat- und Fettrestriktion sowie die Aufnahme von regelmäßigen kleinen Mahlzeiten (≥ 5/Tag).
 

Pankreasinsuffizienz
 
Das Pankreas hat 2 wichtige Funktionen, die exokrine und die endokrine Funktion, die auch für eine Ernährungstherapie eine Rolle spielen.


Exokrine Pankreasinsuffizienz
 
Das Pankreas sezerniert mit seinem Bauchspeichel Enzyme und Zymogene, somit umfasst die exokrine Funktion die Bildung und Ausschüttung des Pankreassekretes:
  • Enzymsekret: Proteolytische Enzyme: (Chymo-) Trypsinogen, Proelastase, Procarboxypeptidase A + B
  • Stärkespaltende Enzyme: a-Amylase
  • Lipolytische Enzyme: Lipase, Phospholipase A2, Pro-Colipase
  • Sonstige Enzyme: Ribonuklease, Desoxyribonuklease.
 
Das Fehlen bzw. nicht ausreichende Bereitstellen dieser Verdauungsenzyme hat eine Malassimilation zur Folge und die Makronährstoffe können nicht mehr bzw. nur unzureichend in ihre resorbierbaren Bestandteile aufgespalten werden. Zudem ist das Pankreas für die Sekretion von Bicarbonat zuständig, sodass auch die Pufferung der Magensäure nicht mehr ausreichend stattfinden kann.
 
Eine exokrine Pankreasinsuffizienz führt meist zu Meteorismus, Diarrhoen und in seltenen Fällen zu Obstipationen, aber auch Oberbauchschmerzen nach der Nahrungsaufnahme, Gewichtsverlust und Steatorrhoen treten häufig auf. Bis auf die Steatorrhoe sind die anderen Symptome relativ unspezifisch. Eine umfangreiche Stuhlanamnese sollte daher als Diagnosestellung nie fehlen, Farbe, Konsistenz und Geruch sollten immer erfragt werden. Eine Steatorrhoe/Diarrhoe ist durch einen voluminösen, lehmfarbenen, schwimmenden Stuhl gekennzeichnet und wird oft von einem unangenehmen Geruch begleitet.
 
Als wichtigste Therapie sollte an die richtige Substitution von Pankreasenzymen (meist in Kapselform) gedacht werden, die zu jeder Mahlzeit eingenommen werden. Diese Pankreasenzym-Präparate beinhalten Pankreaspulver vom Schwein mit Triacylglycerollipase, Amylase und Proteasen und können somit die Resorption der Makronährstoffe im Dünndarm unterstützen.
 
Die Dosierung ist immer individuell zu sehen, jedoch kommt es meist zu einer Unterdosierung. Die Steigerung der Enzyme sollte immer wieder an die Nahrungsaufnahme und Mahlzeiten angepasst werden.
 
 
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