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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. Juli 2018 Effektive Therapiestrategien mit Nivolumab

Ein etablierter PD-1-Inhibitor ist Nivolumab, der u.a. beim Melanom und beim Lungenkrebs eingesetzt wird. Zwei aktuelle Studien, die bei der Jahrestagung der American Society of Oncology (ASCO) präsentiert wurden, bestätigen den Einsatz von Nivolumab in der Erstlinientherapie beim Lungenkarzinom und als adjuvante Therapie beim Melanom.
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In der mehrteiligen Phase-III-Studie CheckMate-227 erhielten Chemotherapie-naive Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) entweder Nivolumab (3 mg/kg, q2w) + Ipilimumab (1 mg/kg, q6w) (Nivo + Ipi) oder Nivolumab (360 mg, q3w) + Histologie-angepasste Chemotherapie (Nivo + Chemo) oder alleinige der Tumorhistologie-angepasste Chemotherapie (Chemo).

In dem beim ASCO präsentierten Teil der Studie wurden 550 Patienten mit niedriger PD-L1-Expression (< 1%) eingeschlossen (1). Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) wurde durch die Hinzunahme von Nivolumab zur Chemotherapie von 4,7 auf 5,6 Monate verlängert (HR=0,74). Nach einem Jahr waren 26% der Patienten im Nivolumab-Arm und 14% der Patienten im alleinigen Chemotherapie-Arm ohne Progress. Ein Ansprechen wurde bei 36,7% der Patienten unter Nivo + Chemo vs. 23,1% der Patienten unter Chemo beobachtet. In Subgruppenanalysen wurden Hinweise auf einen Therapievorteil mit der zusätzlichen Nivolumab-Gabe zur Chemotherapie insbesondere für Patienten mit nicht-squamösen Tumoren (HR=0,68) und Tumoren mit hoher Mutationslast (TMB) gesehen (HR=0,56). Bei Patienten mit PD-L1-Expression < 1% und hoher TMB wurde ein verlängertes PFS der beiden Nivolumab-Armen gegenüber der alleinigen Chemotherapie beobachtet: Im Median lebten die Patienten unter Nivo + Ipi 7,7 Monate, unter Nivo + Chemo 6,2 Monate und unter Chemo 5,3 Monate progressionsfrei. Nach einem Jahre waren noch 45%, 27% und 8% der Patienten in den 3 Studienarmen ohne Progress. Die Remissionen hielten unter Nivo + Ipi in 93% der Fälle länger als ein Jahr an, unter Nivo + Chemo in 33% der Fälle und unter Chemo in keinem Fall. Patienten mit PD-L1-Expression < 1% und hoher TMB zeigten Ansprechraten von 36,8% (Nivo + Ipi), 60,5% (Nivo + Chemo) und 20,8% (Chemo). Patienten mit PD-L1-Expression < 1% und niedrigem TMB hatten keinen Therapievorteil durch die CIs.

Beim malignen Melanom ist die Nivolumab-Therapie in Kombination mit Ipilimumab in der ersten und zweiten Therapielinie sowie als Monotherapie in der adjuvanten Situation angezeigt. In der Phase-III-Studie CheckMate-238 zeigte sich die adjuvante Therapie mit Nivolumab der Ipilimumab-Therapie überlegen, was nun beim ASCO in der langfristigen Beobachtung von mittlerweile 24 Monaten bestätigt wurde (2). Nach 12, 18 und 24 Monaten waren 70%, 66% und 63% der Patienten unter Nivolumab ohne Rezidiv. Im Ipilimumab-Arm waren es 60%, 53% und 50%. Das Risiko für das Auftreten von einem Rezidiv wurde mit Nivolumab gegenüber dem aktiven Komparator Ipilimumab um 34% hochsignifikant gesenkt. In Subgruppenanalysen wurde der Vorteil bezüglich des rezidivfreien Überlebens (RFS) für Patienten mit einer PD-L1-Expression < 5% (HR=0,73) und ≥ 5% (HR=0,54), für Patienten im Stadium IIIB, IIIC und IV (HR=0,68), Patienten mit BRAF-mutierten (HR=0,73) und BRAF-Wildtyp-Tumoren (HR=0,61) und außerdem in allen anderen präspezifizierten Subgruppen, wie beispielsweise Alter, Geschlecht, mit/ohne Ulzeration oder Lymphknotenbeteiligung gezeigt.

Ein explorativer Endpunkt war das Fernmetastasen-freie Überleben (DMFS) bei Patienten mit Stadium-III-Tumoren. Das Risiko für die Entwicklung von Fernmetastasen wurde unter Nivolumab gegenüber Ipilimumab um 24% reduziert (HR=0,76; p=0,034). Nach 12, 18 und 24 Monaten betrug die DMFS-Rate 80%, 75% und 71% unter Nivolumab sowie 73%, 67% und 64% unter Ipilimumab.

Dr. rer. nat. Ine Schmale

Quelle: Oral Abstract Session, ASCO, 04.06.2018, Chicago

Literatur:

(1) Borghaei H et al. Presented at ASCO 2018, Abstr. 9001.
(2) Weber J et al. Presented at ASCO 2018, Abstr. 9502.


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