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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. Dezember 2018 Deutsche Uro-Onkologen: Eine Initiative des IQUO

R. Eichenauer, R. Schönfelder, M. Johannsen, J. Klier, F. König, C. Doehn, d-uo-Vorstand (Geschäftsstelle Berlin) J. Schröder, d-uo-Servicegesellschaft (Berlin) E. Hempel, SMG Forschungsgesellschaft mbH (Berlin).

Der Interessenverband zur Qualitätssicherung in der Uro-Onkologie Deutschland e.V. (IQUO) hat sich in diesem Jahr in d-uo (Deutsche Uro-Onkologen) umbenannt. Zur Kommunikation unserer Ziele, Bindung bestehender und Gewinnung neuer Mitglieder wurde eine bundesweite d-uo-Fortbildungsserie initiiert. Das Anliegen von d-uo ist die Unterstützung niedergelassener Urologen und Uro-Onkologen bei der Dokumentation onkologischer Patienten, deren Meldung an die Krebsregister ohne erneuten redundanten Dokumentationsaufwand sowie die Verbesserung der uro-onkologischen Versorgungsforschung. Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung im August in Berlin fand am 03.11.2018 die zweite d-uo-Fortbildung in Hamburg statt. Den Schwerpunkt der gut besuchten Veranstaltung bildete der Dokumentations-Workshop zur online-Dokumentation mit der neuen d-uo-Software sowie die Referate der Jahresneuheiten der Tumorentitäten Urothelkarzinom, Prostatakarzinom und Nierenzellkarzinom. Hierbei wurde den Fallbesprechungen und dem Erfahrungsaustausch ein größeres Gewicht als bisher eingeräumt.
Herausforderungen in der deutschen Uro-Onkologie

In seinem Einführungsvortrag stellte Prof. Dr. Christian Doehn, Lübeck, die derzeitige Versorgungslandschaft der ambulanten Uro-Onkologie in Deutschland dar. Im Folgenden zeigte er auf, wo Bedarf für Dokumentation der bisherigen und zukünftigen Behandlungspraxis besteht, der mittels Versorgungsforschung (VF) besser erfasst und analysiert werden sollte: Für 3 der 4 wichtigsten urologischen Tumore existieren inzwischen Leitlinien der höchsten wissenschaftlichen Qualität. Die Analyse der Umsetzung derselben in der ambulanten Praxis innerhalb vorgegebener politischer und ökonomischer Rahmenbedingen sollte ein wichtiges Anliegen sein. Darüber hinaus jedoch gibt es viele Fragen, die im Ausland häufig intensiver erforscht werden als hierzulande: die sog. Qualitätsindikatoren, welche in einigen Leitlinien aufgegriffen werden, aber vielfach nicht in der Versorgung überprüft werden, bieten sich als Themen für die VF an. Die Deutschen Uro-Onkologen haben die Chance, mit der neuen d-uo-Plattform diese Projekte zu realisieren.


Die d-uo-Datenplattform für Dokumentation, Krebsregistermeldung und Studien

Dr. Robert Schönfelder, Hamburg, stellte die mit der Firma ALCEDIS entwickelte d-uo-Datenplattform vor. Mit der neuen Dokumentationsplattform ist gleichzeitig die obligatorische Meldung an die Krebsregister ohne weiteren Aufwand möglich, sofern die Krebsregister diese Meldungsart vorsehen. Leider unterstützen noch nicht alle Krebsregister der jeweiligen Bundesländer die elektronische Datenübertragung. Die d-uo-Software ist seit Mai 2018 operativ und wird zunehmend von d-uo-Mitgliedern genutzt. An den Vortrag schloss sich ein Dokumentations-Workshop an, dem die Teilnehmer der Dokumentation beiwohnen und Fragen stellen konnten. Diese hands-on-Schulung wurde von den Teilnehmern mit großem Interesse aufgenommen.


Update Urothelkarzinom

Dr. Rolf Eichenauer, Hamburg, ging zu Beginn seines Vortrags über neue Daten zum Urothelkarzinom zunächst darauf ein, inwieweit die Empfehlungen der S3-Leitlinie in der gelebten klinischen Praxis angewendet werden. Das von d-uo geplante Urothelkarzinom-Register wäre hier eine ideale Plattform, um versorgungsrelevante Erkenntnisse zu gewinnen: Dies beträfe z.B. die Durchführung von Operationen (TUR-B mit oder ohne Fluoreszenz, Nachresektion, Frühinstillation, welche Art, Dosis und Frequenz der Erhaltungstherapie usw.). Weitere Felder mit dringendem Versorgungsforschungsbedarf sind die Durchführung der neoadjuvanten vs. adjuvanten Chemotherapie sowie die Erfassung der stadienspezifischen Chemo- und Immuntherapien. Hier wird die geplante enge Zusammenarbeit mit der AIO und der AUO ein wichtiger Impuls für die erfolgreiche Umsetzung sein.

Bei Patienten, die nicht für eine Cisplatin-basierte Therapie geeignet sind, wird vor der Anwendung von Pembrolizumab und Atezolizumab als Monotherapie zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierenden Urothelkarzinoms der Nachweis einer PD-L1-Expression gefordert. Nur Tumoren mit einem kombinierten positiven Score (CPS) ≥ 10 (für Pembrolizumab) bzw. PD-L1-Expression ≥ 5 (für Atezolizumab) dürfen mit diesen Substanzen behandelt werden.

Prof. Dr. Guido Sauter, Hamburg, gelang es, das Auditorium mit einfachen, nachvollziehbaren Graphiken in bekannt überzeugender Art über die komplizierten Immunmechanismen aufzuklären und ging auf die Durchführbarkeit der Tests auf PD-L1-Expression näher ein. Im weiteren Verlauf seines Vortrags wies er darauf hin, dass außer den Checkpoint-Inhibitoren auch die Hemmung des Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptors (FGFR) eine aussichtsreiche Strategie sein könnte. Der Tyrosinkinasehemmer Erdafinib wurde nach vielversprechenden Ergebnissen einer Phase-II-Studie des MD Anderson Cancer Centers in Texas (Ansprechen bei 42% von 56 Patienten mit FGFR-positiven Tumoren) von der FDA in den USA zugelassen. Die zielgerichtete Therapie mit Erdafinib schien auch bei einer Untergruppe von Patienten wirksam zu sein, bei denen die Immuntherapie zuvor versagt hatte. Eine Phase-III-Studie wurde bereits initiiert.


Update Prostatakarzinom

PD Dr. Frank König, Berlin, stellte zunächst die aktuellen Empfehlungen zur Therapie des metastasierten, hormonsensitiven Prostatakarzinoms (mHSPC) dar. Hier stehen zusätzlich zur Androgendeprivation sowohl Docetaxel als auch Abirateron + Prednisolon als gleichwertige Optionen zur Verfügung. Wie neuere Subgruppenanalysen der Arbeiten gezeigt haben, sollte ihr Einsatz jedoch den Patienten mit primärer Metastasierung und höherer Metastasenlast bzw. höherem Progressionsrisiko vorbehalten bleiben. Hier ist der Hinweis auf die unterschiedlichen in den Studien verwendeten Definitionen wichtig, die sich nur teilweise überlappen („high volume“ in CHAARTED: ≥ 4 Knochenmetastasen mit ≥ 1 Metastase außerhalb der Wirbelsäule bzw. Becken oder Viszeralmetastasen; „high risk“ in LATITUDE: mind. 2 der 3 Kriterien Gleason-Score ≥ 8, ≥ 3 Knochen- oder Viszeralmetastasen). Beim nicht-metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (CRPC) stehen mit Enzalutamid (PROSPER-Studie) und Apalutamid (SPARTAN-Studie) 2 Substanzen mit neuer Indikation zur Verfügung. Enzalutamid hat aktuell bereits die Zulassung erhalten, für Apalutamid wird sie Anfang 2019 erwartet. Radium-223 wird nur noch als Monotherapie oder in Kombination mit einem LHRH-Analogon in der Drittlinie des symptomatischen mCRPC zugelassen oder bei Patienten, für die keine andere verfügbare systemische mCRPC-Therapie geeignet ist. Die beim ASCO-Kongress von Khalaf und Kollegen vorgestellte Studie zur optimalen Sequenz der Substanzen Abirateron und Enzalutamid erbrachte erstmalig auch prospektiv den Nachweis, dass Abirateron gefolgt von Enzalutamid der umgekehrten Reihenfolge überlegen ist. Dies hatte sich bereits in zahlreichen retrospektiven Studien angedeutet. Trotz geringer wissenschaftlicher Evidenz sollte jedoch die direkte Sequenz wegen der Möglichkeit einer Resistenzbildung vermieden und einer zwischenzeitlichen Therapie, z.B. mit einem Taxan, der Vorzug gegeben werden.


Update Nierenzellkarzinom

Die Neuigkeiten in der systemischen Therapie des Nierenzellkarzinoms stellte Doehn vor. Nach der von Mejean und Kollegen publizierten CARMENA-Studie wird der Nutzen der zytoreduktiven Nephrektomie bei metastasierter Erkrankung gegenüber der alleinigen Behandlung mit Sunitinib in Frage gestellt. Die Studie berichtete einen Überlebensvorteil für die nicht-operierte Gruppe. Kritikpunkte an der hochrangig publizierten Studie sind der zu hohe Anteil an Patienten mit ungünstigem Risikoprofil (44%), fehlende Patienten mit günstigem Risikoprofil, ein 20% höherer Anteil von T3/4-Tumoren in der OP-Gruppe sowie eine erhebliche Kontamination (17% in der OP-Gruppe erhielten entgegen dem Protokoll kein Sunitinib und 17% der Sunitinib-Gruppe wurden entgegen dem Protokoll verzögert nephrektomiert). So erreichten die Ergebnisse in der intermediate-risk-Population sowie in der per-protocol-Analyse nicht die vorgegebene Signifikanz. Zudem deutet die lange Rekrutierungszeit und hohe Zahl von 79 teilnehmenden Zentren mit sehr geringer Rekrutierung pro Zentrum auf eine Selektion „durch die Hintertür“ hin, was von namhaften Experten kritisiert wurde. Als vorläufiges Fazit sollte die zytoreduktive Nephrektomie v.a. bei Patienten mit gutem Allgemeinzustand und günstigem sowie intermediärem Risikoprofil zur Anwendung kommen.

In der Erstlinientherapie wird die neue Kombination von Nivolumab/Ipilimumab bereits in den meisten Leitlinien empfohlen. Entgegen der amerikanischen (FDA) hat die europäische Zulassungsbehörde EMA diese Kombination jedoch mit Verweis auf den nicht bezifferbaren zusätzlichen Nutzen von Ipilimumab vorläufig noch nicht zugelassen. Somit stellt diese Kombination in Deutschland bislang eine „off-label“-Therapie dar. Die endgültige Stellungnahme der EMA wird noch erwartet.


Bundesweite d-uo-Fortbildungsserie

Wir haben mit der Firma diaplan einen professionellen Anbieter ärztlicher Fortbildung als Kooperationspartner gewinnen können. Die letzte Veranstaltung in diesem Jahr hat am 17.11.2018 in Düsseldorf stattgefunden.

Die für 2019 geplanten Fortbildungs-Veranstaltungen sind wie folgt:
• 09.03. Potsdam
• 30.03. Stuttgart
• 18.05. Hannover
• 22.06. Leipzig
• 31.08. Frankfurt/Main
• 19.10. Nürnberg
• 02.11. Hamburg


Deutsche Uro-Onkologen
Interessenverband zur Qualitätssicherung in der Uro-Onkologie in Deutschland e.V.
Geschäftsstelle
c/o SMG Forschungsgesellschaft mbH
Claire-Waldoff-Str. 3, 10117 Berlin

Tel.: 030/284450-05
Fax: 030/284450-09

E-Mail: info@smgf.de
Internet: www.d-uo.de

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