Freitag, 26. April 2019
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

25. April 2016 Chemotherapie beim metastasierten Mammakarzinom immer noch eine Option

Pegyliertes liposomales Doxorubicin zeichnet sich durch eine geringere Kardiotoxizität bei gleicher Wirksamkeit wie konventionelles Doxorubicin aus. Beim metastasierten Mammakarzinom ist die Chemotherapie nach wie vor einer der Standards der Behandlung, so Prof. Nadia Harbeck, München. Sie ist indiziert bei negativem Hormonrezeptorstatus, rascher Krankheitsprogression, starken Beschwerden, lebensbedrohlicher Metastasierung, nach Ausschöpfen der endokrinen Sequenz und gemeinsam mit Target-Therapien möglich.
Anzeige:
Beim triple-negativen Brustkrebs ist Chemotherapie Harbeck zufolge die einzige Option. Weil es viele wirksame Substanzen gebe, die sich hinsichtlich der Toxizität oder Applikation unterschieden, sollte die Therapieauswahl gemeinsam mit der Patientin erfolgen, so Harbeck. In der palliativen Situation sei bei günstigem therapeutischen Index eine Monotherapie zu bevorzugen, die bis zum Progress oder bis zum Auftreten inakzeptabler Nebenwirkungen fortgesetzt werden sollte. „Auf keinen Fall sollte es aber dazu kommen, dass die Patientin in ihrer Lebensqualität deutlich eingeschränkt wird“, konstatierte Harbeck.

Als wirksame und verträgliche, evidenzbasierte Therapieoption nannte Harbeck pegyliertes liposomales Doxorubicin (PLD, Caelyx®). PLD hat sich im Vergleich zu konventionellem Doxorubicin bei Patientinnen mit Mammakarzinom hinsichtlich des progressionsfreien und des Gesamtüberlebens sowie der Ansprechrate als vergleichbar effektiv erwiesen. Die kardiale Toxizität war jedoch signifikant geringer (HR=3,16; p<0,001) (1).

In der PELICAN-Studie erwies sich PLD in der Erstlinientherapie des metastasierten Mammakarzinoms als ebenso wirksam wie Capecitabin – auch nach bereits vorangegangener Anthrazyklintherapie (2). Diarrhoen Grad 3/4 waren mit 0% vs. 12% ebenso wie thromboembolische Ereignisse Grad 3/4 mit 2% vs. 10% signifikant seltener (p=0,0002 und p=0,033). Hinsichtlich des Hand-Fuß-Syndroms (36% vs. 25%) und kardialer Ereignisse (9% vs. 12%) zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Das Auftreten des schweren Hand-Fuß-Syndroms und einer Mukositis lässt sich durch eine Reduktion der Dosis von 50 mg/m2 auf 40 mg/m2 – jeweils alle 4 Wochen – reduzieren, wie Al-Batran und Mitarbeiter zeigen konnten (3). Gegenüber Vinorelbin oder Mitomycin/Vinblastin war PLD in der fortgeschrittenen Situation bei mit Anthrazyklin vorbehandelten Patientinnen hinsichtlich des PFS gleichwertig, ohne Vorbehandlung war PLD überlegen (5,8 Monate vs. 2,1 Monate). Bei Anthrazyklinresistenz (Progression innerhalb von 6 Monaten) waren beide Optionen wiederum absolut gleichwertig (4).

Michael Koczorek

Quelle: Symposium „Individuelle Therapie-führung im Spannungsfeld bewährter und neuer Substanzen in der Gynäkoonkologie“, DKK, Berlin, 26.02.2016, Veranstalter: Janssen

Literatur:

(1) O’Brien ME et al. Ann Oncol 2004; 15: 440-9.
(2) Jager E et al. J Clin Oncol 2010; 28(15s).
(3) Al-Batran SE et al. Oncology 2006;70:141-46.
(4) Keller AM et al. J Clin Oncol 2004;22:3893-3901.


Das könnte Sie auch interessieren

Diagnose Krebs: Wer hilft bei hoher psychischer Belastung?

Diagnose Krebs: Wer hilft bei hoher psychischer Belastung?
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

„Sie haben Krebs“ – kaum ein Betroffener wird diesen Satz je vergessen. Von jetzt auf gleich gerät das Leben aus den Fugen. Fragen, Ängste, Traurigkeit, Wut – alles wirbelt durcheinander. Auch die Zeit der Behandlung bis hin zur Nachsorge bringt Belastungen mit sich, die Betroffene an ihre Grenzen bringen können. Nimmt die psychische Belastung überhand oder dauert sie lange an, kann psychotherapeutische Hilfe sinnvoll sein. Der...

Mit individuell zugeschnittenen Behandlungen länger überleben

Mit individuell zugeschnittenen Behandlungen länger überleben
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Lange Zeit galt die Diagnose Lungenkrebs als sicheres Todesurteil. Dank neuer Diagnostik und personalisierter Behandlungsmethoden haben sich die Aussichten für Betroffene in den letzte fünf Jahren dramatisch verbessert, wie Experten auf dem Kongress der European Respiratory Society (ERS) in Mailand erklärten. Wichtig sei, stets einen Lungenfacharzt in die Behandlung mit einzubeziehen, betont die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Patienten...

Fortschritte durch hoch spezialisierte Medikamente

Analysenroboter, Hochleistungs-Computer, modernste Labore, Kreativität und enorme Forschungsgelder - es müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit ein neues Medikament auf den Markt kommen kann. Die Suche nach neuen Wirkstoffen setzt bei der Krankheit an: Gibt es bestimmte Botenstoffe, Enzyme oder Hormone, die zum Beispiel bei einem bestimmten Tumor das Krebswachstum antreiben? Oder spielen bestimmte Strukturen auf der Zelloberfläche eine Rolle, sogenannte Rezeptoren,...

Bis zu 40 Prozent mehr Leberkarzinome entdecken – dank Ultraschallverfahren mit kombinierten Bluttests

Bis zu 40 Prozent mehr Leberkarzinome entdecken – dank Ultraschallverfahren mit kombinierten Bluttests
© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

In Deutschland erkranken jährlich circa 9000 Menschen an Leberkrebs – und die Häufigkeit der Erkrankung nimmt deutlich zu. In den vergangenen 35 Jahren hat sich die Zahl der Neuerkrankungen verdoppelt. Ein gängiges Verfahren zur Diagnose dieser Erkrankung ist die Ultraschalluntersuchung: Mithilfe der modernen Sonografie lässt sich gutartiges Gewebe sehr exakt von bösartigem unterscheiden. Wenn die Ultraschalldiagnostik mit speziellen Bluttests kombiniert wird,...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Chemotherapie beim metastasierten Mammakarzinom immer noch eine Option"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.