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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. Oktober 2019
Seite 1/3
Borderlinetumoren des Ovars

W. Meier1, A. K. Volkmer1, V. Hepp1, W. Schröder2, N. de Gregorio3, T. Fehm1 für die AGO-Studiengruppe. 1Universitäts-Frauenklinik Düsseldorf, 2Gynaekologicum Bremen, 3Universitäts-Frauenklinik Ulm.

Borderlinetumoren (BOT) des Ovars stellen sich ähnlich wie andere Adnexveränderungen dar. Die leitliniengerechte Therapie besteht aus der beidseitigen Adnexektomie, Omentektomie, Entnahme von Peritonealbiopsien und einer Spülzytologie. Der Uterus kann erhalten werden, die systematische pelvine und paraaortale Lymphonodektomie sind nicht Bestandteil des Stagings. Eine adjuvante Chemotherapie oder Radiatio erbringt keinen Überlebensvorteil. BOT treten häufiger als das invasive Karzinom bei jüngeren Frauen und zudem meistens einseitig auf, sodass ein Fertilitätserhalt möglich ist. Voraussetzung dafür ist ein adäquates Staging, das in jedem Fall durchgeführt werden muss. Nach Abschluss der Familienplanung kann eine Komplettierungs-OP diskutiert werden. Bevorzugtes Verfahren ist die Laparoskopie, eine Prognoseverschlechterung gegenüber dem offenen Zugang ergibt sich dabei nicht. Dies konnte in der von der AGO-Studiengruppe initiierten ROBOT-Studie gezeigt werden. Rezidive treten selten auf, können aber i.d.R. durch eine erneute Chirurgie behandelt werden.
BOT des Ovars stellen eine eigene Entität innerhalb der epithelialen Ovarialtumoren dar (1, 2). Ähnlich wie bei anderen Adnexveränderungen zeigen sich selten Symptome, nur bei entsprechender Größe können Unterbauchbeschwerden auftreten. Häufig finden sich Auffälligkeiten anlässlich eines aus anderen Gründen durchgeführten Ultraschalls oder als Zufallsbefund bei einer Operation (3). BOT sind charakterisiert durch nukleäre Atypien, eine erhöhte mitotische Aktivität und die Möglichkeit zur Mikroinvasion, zeigen jedoch kein destruierendes Wachstum und keine Stromainvasion (4). Die Häufigkeit liegt bei 10-20% aller epithelialen Ovarialtumoren, ein Drittel der Patientinnen ist zum Zeitpunkt der Diagnosestellung jünger als 40 Jahre (5-7). Grundsätzlich können alle histologischen Grundtypen auftreten, die serösen BOT stellen mit 55% den größten Anteil dar, muzinöse Tumoren finden sich in 40% (8). Insbesondere die Abgrenzung seröser BOT von low-grade serösen Karzinomen und der Ausschluss gastrointestinaler Primärtumoren bei muzinösen BOT kann schwierig sein (8). Die pathologische Diagnostik stellt sehr häufig eine Herausforderung dar, sodass i.d.R. eine Referenzpathologie eingeholt werden sollte (8). Im Gegensatz zu den invasiven Karzinomen ist die Prognose der BOT sehr gut, hängt letztlich aber von der Ausbreitung ab, wobei sich annähernd 80% im FIGO-Stadium I präsentieren (9). Insgesamt liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei über 95%. Während beim muzinösen BOT die extraovarielle Ausbreitung eine Rarität darstellt, sind beim serösen BOT durchaus bei knapp 20% Manifestationen außerhalb des Ovars und auch außerhalb des kleinen Beckens nachweisbar (4, 9). Patientinnen mit invasiven peritonealen Implantaten haben eine höhere Rezidivrate als solche mit nicht-invasiven Implantaten (3).
 

Operative Therapie
 
Ziel der Operation muss immer die komplette Tumorresektion sein (8). Entsprechend dem aktuellen Standard besteht die operative Therapie des BOT aus der beidseitigen Adnexektomie, Omentektomie, Spülzytologie und der Entnahme von Peritonealbiopsien (Tab. 1). Wie beim invasiven Karzinom soll auch beim BOT die Ruptur des Tumors vermieden werden. Sind im Abdomen auffällige Areale vorhanden, müssen diese komplett reseziert werden. Die Hysterektomie ist kein essenzieller Bestandteil der Operation, der Uterus kann auf Wunsch der Patientin belassen werden (8). Im Gegensatz zum frühen Ovarialkarzinom gehört die systematische pelvine und paraaortale Lymphonodektomie beim BOT nicht zu den geforderten Stagingmaßnahmen, da sich bisher dadurch kein Überlebensvorteil nachweisen ließ (9-11). Bei muzinösen BOT muss auch bei makroskopisch unauffälliger Appendix die Appendektomie zum Ausschluss einer von der Appendix ausgehenden Metas-tasierung in das Ovar erfolgen (8, 12).
 
Standardverfahren beim BOT sollte idealerweise die Laparoskopie sein. In der ROBOT-Studie, einer der größten bisher durchgeführten Studien zum BOT, zeigte sich kein Nachteil hinsichtlich progressionsfreier Zeit und Überlebenszeit gegenüber dem offenen chirurgischen Vorgehen (2). Entscheidend für die Prognose ist neben dem FIGO-Stadium die operative Qualität hinsichtlich des Stagings. So muss gerade bei Zufallsbefunden anlässlich einer Operation aus anderen Gründen konsequent das operative Staging im Zweitansatz nachgeholt werden (9, 13, 14).
 
Tab. 1: Operative Maßnahmen bei Borderlinetumoren.
Tab. 1: Operative Maßnahmen bei Borderlinetumoren.

 
 
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