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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

03. Juli 2017
Seite 1/2
Antiemese heute: neue Leitlinien und neue Herausforderungen

Tumorpatienten leben heute deutlich länger und besser mit ihrer Erkrankung. Die onkologische Supportivtherapie spielt bei dieser Entwicklung eine wichtige Rolle, lindert sie doch nicht nur belastende Symptome, sondern ermöglicht vielfach erst die Durchführung effektiver Therapieregime. Dass Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen (CINV) heute für viele Patienten ihren Schrecken verloren haben, ist der antiemetischen Prävention mit effektiven Anti-emetika wie NK1-Rezeptorantagonisten wie Fosaprepitant oder Aprepitant zu verdanken. Den neuen Erkenntnissen zur CINV-Prävention tragen die regelmäßig aktualisierten evidenzbasierten internationalen Antiemese-Leitlinien Rechnung. Ihre Einhaltung verhindere sowohl eine antiemetische Unter- als auch Überversorgung und ermögliche einen effektiven und kosteneffizienten Schutz vor CINV, berichtete Prof. Dr. Richard Gralla, New York, auf einem Satellitensymposium im Rahmen des 5. ASORS-Jahreskongresses in München.
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Fachinformation
Die supportive und palliative Versorgung von Tumorpatienten gewinnt immer mehr an Bedeutung. Sie umfasst ein weites Spektrum, das von der Kontrolle von belastenden Symptomen der Tumorerkrankung und unerwünschten Wirkungen der Therapie, über den bestmöglichen Erhalt der Lebensqualität bis zur palliativen Versorgung am Lebensende reicht. Entsprechend weit gefächert waren die Themen auf der 5. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin der Deutschen Krebsgesellschaft (ASORS). Neben allgemeinen Problemen, mit denen sich Tumorpatienten im Laufe ihrer Erkrankung konfrontiert sehen können (z.B. Fragen zur Rehabilitation, soziale und psychische Auswirkungen, Sport, Ernährung) wurde eine Vielzahl von konkreten Symptomkomplexen diskutiert. „Welche Nebenwirkungen der Therapie zu erwarten sind und wie man sie verhindern kann, gehört nach der Frage zu den Therapieoptionen für ihre Krebserkrankung zu den Fragen, die unseren Patienten am wichtigsten sind“, berichtete Gralla und forderte, dass sich die Beurteilung des Nutzens, den ein Patient von einer Therapie hat, verbessern müsse (1). Dazu müsse neben dem Tumor und dem Krankheitsstadium die individuelle Belastung durch die Erkrankung („Burden of Illness“) eines Patienten berücksichtigt werden. Diese werde durch den Performance-Status (PS) nur unzureichend erfasst, da es sich hierbei nicht um ein „Patient Reported Outcome” (PRO) handele, sondern der PS nur das Aktivitätslevel eines Patienten wiedergebe. Gralla empfahl die Verwendung des 3-Item Global Index („3-IGI”). Dieser Index beurteilt 3 entscheidende, auf alle Patienten zutreffende PRO-Parameter, nämlich das Aktivitätslevel, die Belastung durch Symptome und die Lebensqualität. Die Einstufung der „Burden of Illness“ mit dem 3-IGI PRO identifiziere die individuelle Prognose besser als der reine PS. Grundsätzlich erlaube die Erfassung von Lebensqualität und PROs eine bessere Beurteilung der Wirksamkeit einer Therapie, trüge zu genaueren klinischen Studien mit belastbaren Daten bei, helfe bei Therapieentscheidungen und optimiere den Einsatz von Ressourcen im Gesundheitssystem.


Fortschritte in der Antiemese

Während manchen Nebenwirkungen einer Therapie – wie beispielsweise der Chemotherapie-induzierten peripheren Neuropathie – nur durch Anpassung der Dosierung, Unterbrechung oder Abbruch der jeweiligen Therapie begegnet werden kann, lassen sich andere unerwünschte Effekte wirkungsvoll bekämpfen. Dazu zählen durch Chemo- und Strahlentherapie ausgelöste Übelkeit und Erbrechen. Hier wurden in den letzten 20 Jahren große Fortschritte gemacht, sodass CINV durch moderne Antiemetika weitgehend verhindert werden kann. „Supportive Maßnahmen wie eine an das Chemotherapie-Regime und den Patienten angepasste Antiemese ermöglichen häufig also erst die Durchführung einer wirkungsvollen, ausreichend dosierten und ausreichend langen Chemotherapie. Damit kann die Supportivtherapie tatsächlich Einfluss auf das Überleben von Tumorpatienten haben, in jedem Fall hat sie Einfluss auf die Qualität der Überlebenszeit“, betonte Gralla. Er stellte nachfolgend den Fall einer 48-jährigen Patientin mit metastasiertem HER2-positiven Mammakarzinom vor, die mit Trastuzumab in Kombination mit einer Doxorubicin/Cyclophosphamid-haltigen Chemotherapie behandelt wurde.

 
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