Sonntag, 20. September 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

16. September 2019 Aktuelle Therapieoptionen beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom

Interview mit Prof. Dr. med. Uwe Wagner, Universitätsklinikum Gießen und Marburg.

Gezielte Therapiestrategien können die Chance auf ein langfristiges Überleben von Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom verbessern. In den vergangenen Jahren hat sich der Angiogenesehemmer Bevacizumab (Avastin®) in Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel in der First-Line als Primärbehandlung etabliert (FIGO-Stadium IIIB-IV gemäß Klassifikation von 1988) (1). Erweitert wurden die Therapiemöglichkeiten zuletzt durch die Zulassung von PARP-Inhibitoren (2). Über die aktuellen Entwicklungen und die Rolle von Bevacizumab in diesem Kontext sprachen wir mit Prof. Dr. Uwe Wagner, Leiter des Gynäkologischen Krebszentrums (ZGynO) und Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Gießen und Marburg.
Uwe Wagner
Herr Prof. Wagner, wie hat sich die Therapie des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms in den letzten Jahren verändert?

Die Behandlung des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms hat sich mit der Zulassung von Bevacizumab als erste zielgerichtete Therapie dramatisch verändert. Nach einer langen Durststrecke war dies die erste Therapieform, die nicht nur die Prognose von Ovarialkarzinom-Patientinnen, sondern auch die Symptomatik verbessert hat. Der Angiogenesehemmer ist für mich bis heute klarer Standard in der First-Line. Mit der Zulassung von PARP-Inhibitoren steht Patientinnen nun ein weiteres zielgerichtetes Therapieprinzip im Anschluss an die Chemotherapie zur Verfügung. Die aktuelle Zulassung von Olaparib als Anschlussbehandlung an die Erstlinien-Chemotherapie besteht nur für einen kleineren Teil aller Patientinnen: jene, die eine BRCA1/2-Mutation, entweder im Tumor oder in der Keimbahn, aufweisen. Diese Mutation betrifft bei uns etwa 10% der Patientinnen, hinsichtlich einer Mutation im Tumor vielleicht etwas mehr.


Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob Patientinnen einen VEGF- oder einen PARP-Inhibitor bekommen?

Patientinnen sollten von Anfang an eine stark wirksame Therapie erhalten – unabhängig vom BRCA-Mutationsstatus. Dies ist aus meiner Sicht Bevacizumab. Denn ein wichtiges Ziel ist es, die Erkrankung schnell unter Kontrolle zu bringen.

Das heißt konkret: Patientinnen in einem fortgeschrittenen Stadium erhalten bei uns, wenn sie keine Kontraindikationen haben, Bevacizumab in der First-Line ab dem zweiten Zyklus in Kombination mit einer Polychemotherapie (1). Patientinnen mit einem positiven BRCA-Mutationsstatus würden im Anschluss an die Chemotherapie den PARP-Inhibitor als Erhaltungstherapie bekommen. Davon verspreche ich mir den höchsten Effekt.

In der Platin-sensiblen Rezidivtherapie können verschiedene Faktoren für diese Entscheidung berücksichtigt werden: die Symptomatik der Patientinnen, etwa aufgrund von Aszites, oder das Ergebnis sowie die Dauer der Vortherapie. Bei Patientinnen mit einem hohen Remissionsdruck setzen wir auch hier in der Kombination Bevacizumab ein. Bei Patientinnen, die bereits mit Bevacizumab behandelt wurden, können PARP-Inhibitoren als Erhaltungstherapie eingesetzt werden (2). Hierbei gilt es, die Nebenwirkungen zu beachten.


Wie wird sich die Therapie des Ovarialkarzinoms in den kommenden Jahren aus Ihrer Sicht verändern?

Die aktuelle Perspektive für das Ovarialkarzinom ist bereits aus heutiger Sicht als positiv zu bewerten. Zudem erwarten wir in den kommenden Jahren weitere Therapieoptionen, z.B. Checkpoint-Inhibitoren, die Hoffnung auf weitere positive Entwicklungen geben (4). Wenn wir möglicherweise demnächst mit 2-3 zielgerichteten Therapien, auch in Kombination, arbeiten, können wir die Überlebenschancen beim Ovarialkarzinom mit guter Lebensqualität sicherlich noch weiter voranbringen. Das ist eine positive Botschaft für alle betroffenen Patientinnen.


Vielen Dank für das Gespräch!

Literatur:

(1) Fachinformation Avastin®, Stand: Juni 2019.
(2) Fachinformation Lynparza®, Stand: Juni 2019.
(3) Pujade-Lauraine E et al. J Clin Oncol 2014;32(13):1302-08.
(4) Moore KN et al. Int J Gynecol Cancer 2019;pii:ijgc-2018-000071.


Anzeige:

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Aktuelle Therapieoptionen beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA25 virtuell
  • Real-life-Daten zur CAR-T-Zell-Therapie bei r/r DLBCL und BCP-ALL zeigen hohe Ansprechraten – neuer Prädiktor für Ansprechen identifiziert
  • CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit r/r DLBCL: TMTV als Prädiktor für frühen Progress
  • Sichelzellerkrankung: Verbesserung der Lebensqualität ist wichtigstes Therapieziel aus Sicht der Patienten – neue Behandlungsoptionen erwünscht
  • PV: Ruxolitinib senkt Hämatokrit und erhöht Phlebotomie-Unabhängigkeit im Real-world-Setting
  • Neuer BCR-ABL-Inhibitor Asciminib bei bisher unzureichend therapierten CML-Patienten in Phase-I-Studie wirksam
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin in Kombination mit Chemotherapie für jüngere und ältere Patienten vergleichbar sicher
  • Real-world-Daten zeigen: Eltrombopag auch bei sekundärer ITP wirksam
  • CML: Hohe Rate an tiefem molekularen Ansprechen nach 24-monatiger Therapie mit Nilotinib in der Zweitlinie
  • Systemische Mastozytose: neuer Prädiktor für das OS entdeckt
  • MF: Real-world-Daten bestätigen relevante Reduktion des Mortalitätsrisikos unter dem Einfluss von Ruxolitinib