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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. Februar 2020 Aggressive systemische Mastozytose erkennen und gezielt behandeln

Die systemische Mastozytose (SM) ist eine Erkrankung, die durch die Expansion klonaler Mastzellen gekennzeichnet ist, die ins Knochenmark und verschiedene Organsysteme infiltrieren. Das Ausmaß der Organinfiltration und der dadurch bedingten Organschäden ist allerdings bei der fortgeschrittenen SM (advSM) wesentlich ausgeprägter als bei indolenten Formen der Erkrankung (ISM). Während ISM-Patienten meist eine niedrige Mastzelllast und eine nahezu normale Lebenserwartung aufweisen, ist für advSM-Patienten eine hohe Krankheitslast mit multiplen Organschäden charakteristisch, die mit einer schlechten Prognose einhergeht. Ganz allgemein ist die advSM durch ein schweres und sehr heterogenes Symptombild gekennzeichnet, das durch die ins Knochenmark und Organe infiltrierenden Mastzellen sowie die von ihnen freigesetzten Mediatoren verursacht wird. Bei ungewöhnlichen Symptom-Kombinationen sollte deshalb immer auch an eine advSM gedacht werden, insbesondere dann, wenn bei dem betreffenden Patienten bereits eine hämatologische Neoplasie besteht.
Typisch für Patienten mit advSM ist neben einer Vielzahl anderer Symptome eine erhöhte Knochendichte, die teilweise mit Osteosklerose einhergeht und mit einem aggressiveren Phänotyp und einem schlechteren Gesamtüberleben assoziiert ist, wie eine aktuelle, bei der ASH-Jahrestagung 2019 präsentierte Untersuchung von Wissenschaftlern der Universitäten Mannheim und Heidelberg ergab (1).

Wichtige Treibermutationen bei der SM sind aktivierende Mutationen im KIT-Gen, die mit einer konstitutiven, vom Zytokin-Stammzellfaktor (SCF) unabhängigen Aktivierung der KIT-Rezeptortyrosinkinase einhergehen. Mehr als 90% der Patienten mit SM sind von diesen aktivierenden Mutationen im KIT-Gen, üblicherweise KIT D816V, betroffen. Dies stellt gleichzeitig die Rationale dafür dar, dass die Erkrankung einer gezielten Behandlung mit dem potenten Multikinase-Inhibitor Midostaurin (Rydapt®) zugänglich ist, der auch die KIT-Tyrosinkinase adressiert.

In der zulassungsrelevanten offenen Phase-II-Studie von Gotlib et al. unter Beteiligung von 116 Patienten mit Mastzellerkrankungen – advSM, SM mit assoziierter hämatologischer Neoplasie oder Mastzellleukämie – war gezeigt worden, dass betroffene Patienten deutlich von der Applikation von Midostaurin profitieren (2). Die Gesamtansprechrate (ORR), primärer Endpunkt der Studie, betrug 60% (95%-KI: 49-70); bei 45% der Patienten wurde ein gutes Ansprechen dokumentiert, definiert als kompletter Rückgang mind. eines SM-assoziierten Organschadens. Die erreichten Ansprechraten waren unabhängig vom Subtyp der fortgeschrittenen SM, dem KIT-Mutationsstatus oder der Exposition gegenüber früheren Therapien. Die Mastzelllast im Knochenmark ging median um 59% und die Tryptasespiegel im Serum um 58% zurück. Das mediane Gesamtüberleben (OS) betrug 28,7 Monate und das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) 14,1 Monate (2). Midostaurin erwies sich in dieser Studie somit als wirksame Behandlungsoption für Patienten mit fortgeschrittener SM inklusive der besonders aggressiven Variante der Mastzellleukämie, so die Autoren (2).

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Literatur:

(1) Jawhar M et al. ASH 2019, Abstract 4185.
(2) Gotlib J et al. N Engl J Med 2016;374:-2530-41.


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