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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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08. Dezember 2017 Seite 1/2

Achtsamkeit zur Verbesserung kognitiver und psychischer Funktionsfähigkeit nach Brustkrebs

Achtsamkeit zur Verbesserung kognitiver und psychischer Funktionsfähigkeit nach Brustkrebs

Nach Diagnose und Therapie berichten Brustkrebs-Patientinnen häufig über kognitive und psychische Einschränkungen. Zunächst wurde die Chemotherapie als Hauptursache für diese Beschwerden angesehen, dabei sprechen aktuelle Befunde eher für eine multifaktorielle Genese. Eine wichtige Rolle bei der Erklärung beobachteter kognitiver Einschränkungen, insbesondere im Bereich von Lern- und Gedächtnisprozessen, scheinen psychische Faktoren wie Stress und Depressivität zu spielen. Die psychoonkologische Versorgungslage ist jedoch wenig untersucht und mit steigender Inzidenz von Brustkrebs-Erkrankungen ist davon auszugehen, dass der Behandlungsbedarf in diesem Bereich stetig zunehmen wird. Erste Befunde deuten darauf hin, dass die achtsamkeitsbasierte Psychotherapie in der Gruppe eine effektive und effiziente Möglichkeit zur Verbesserung der kognitiven und psychischen Funktionsfähigkeit und damit der Lebensqualität der Betroffenen darstellt.
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Weltweit sind mehr als 1,4 Millionen Frauen von Brustkrebs betroffen. Damit ist Brustkrebs die häufigste invasive Krebserkrankung bei Frauen, wobei mit steigender Inzidenz gerechnet wird (1). Die Diagnose Brustkrebs und die nachfolgende Behandlung bedeuten eine massive körperliche und psychische Belastung für betroffene Frauen. Auch Jahre nach der Erkrankung berichten Brustkrebs-Überlebende über Einschränkungen in der kognitiven Leistungsfähigkeit und im emotionalen Erleben. Das Bundesministerium für Gesundheit fordert dazu im Nationalen Krebsplan des Bundes: „Alle Krebspatienten erhalten bei Bedarf eine angemessene psychoonkologische Versorgung“ (2). Doch wie kann eine angemessene psychoonkologische Versorgung von Brustkrebs-Überlebenden gelingen? Dazu müssen zunächst spezifische Defizite und Ursachen bekannt sein sowie effektive und effiziente Behandlungsmethoden erforscht werden.
 
Weiterführende Informationen:
- www.mbsr-verband.de
- MindApps, „Die Achtsamkeit App“
- AOK Bundesverband, „AOK Lebe Balance“ (App)
- Jon Kabat-Zinn, „Die MBSR-Yoga-übungen: Stressbewältigung durch Achtsamkeit“, Arbor-Verlag 2010; ISBN: 978-3-867810333; 19,90 EUR
- Alois Burkhard, „Achtsamkeit – Entscheidung für einen neuen Weg“, Schattauer 2015; ISBN: 978-3-7945-3119-6, ca. 20 EUR.



Kognitive und psychische Funktionsfähigkeit

Während Brustkrebs-Überlebende häufig über kognitive Schwierigkeiten berichten, variieren die Prävalenzen objektiv beobachteter kognitiver Einschränkungen sehr stark in Abhängigkeit der Studiendesigns (3, 4). So wurden kognitive Beeinträchtigungen etwa bei 15-25% der Brustkrebs-Patientinnen nach Chemotherapie gefunden (5). Die Bereiche Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis scheinen besonders betroffen zu sein (5, 6). Interessant ist hier, dass Defizite im verbalen Gedächtnis nicht nur direkt im Anschluss an die Behandlung (7, 8), sondern auch nach längeren Zeiträumen – bis zu 20 Jahre nach Therapie – gefunden wurden (9, 10). In einer aktuellen Untersuchung zeigten Brustkrebs-Überlebende im Mittel etwa 2 Jahre nach Operation, Chemotherapie und endokriner Therapie signifikante Einschränkungen im verbalen Gedächtnis gegenüber Gesunden (11). Neben den kognitiven Einschränkungen leiden Brustkrebs-Patientinnen und -Überlebende häufig unter psychischen Problemen. Sie sind beispielsweise ängstlicher und depressiver als gesunde Vergleichsstichproben und leiden häufig unter Erschöpfungssymptomen (11, 12).


Ursachen

Neben der endokrinen Therapie und den damit verbundenen hormonellen Veränderungen wurde insbesondere die Chemotherapie als Hauptursache für die kognitiven Einschränkungen angesehen, wie der immer noch verbreitete Begriff des „Chemo-brain“ deutlich macht (13). Zum spezifischen Einfluss der endokrinen Therapie auf kognitive Funktionen existieren nur wenige Befunde (14). Widersprüchliche Ergebnisse deuten allerdings darauf hin, dass auch Chemotherapie allein nicht die möglichen kognitiven Defizite erklären kann und dass wahrscheinlich eine multifaktorielle Genese vorliegt (15, 16). Neuere Untersuchungen legen nahe, dass psychische Faktoren wie Stress, Depressivität und Ängstlichkeit möglicherweise viel stärker an subjektiv erlebten und objektiv messbaren kognitiven Einschränkungen beteiligt sind als bislang angenommen (17). So wiesen Brustkrebs-Patientinnen schon im Anschluss an die Diagnose kognitive Defizite auf, die positiv mit Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung korrelierten (18). Zudem zeigten Brustkrebs-Überlebende analog zu depressiven Patienten erhöhte chronische Werte des Stresshormons Cortisol und eine veränderte Cortisol-Reaktivität auf akute Belastungen, was sich unter anderem negativ auf emotionale Verarbeitung und Gedächtnisleistung auswirkte (11, 19-20). Es ist bekannt, dass chronischer Stress und dauerhaft erhöhte Cortisol-Level zu kognitiven Einschränkungen führen können, insbesondere in Bezug auf Lern- und Gedächtnisprozesse (21). Zudem ist eine häufige Reaktion unter chronischem Stress eine Vermeidung unangenehmen Erlebens, welche kurzfristig sinnvoll erscheinen mag, jedoch langfristig Angst, verstärktes Stress-Erleben und negativen Affekt zur Folge hat (22). Tatsächlich zeigten Krebspatienten und Brustkrebs-Überlebende hohe Ausprägungen von Emotions-unterdrückung bei gleichzeitig höherem Stresserleben, was sich wiederum negativ auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirken könnte (22-24). Diesem Teufelskreis kann sinnvoll mit Hilfe achtsamkeitsbasierter Verfahren begegnet werden.

 
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