Donnerstag, 20. Februar 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Medizin

08. Juli 2019 Auch bei Unter-40-Jährigen an Magenkarzinom denken

Magenkrebs darf nicht als Krankheit vorwiegend älterer Menschen betrachtet werden; vielmehr sollten jüngere Menschen < 40 Jahren mit chronischen Verdauungsproblemen proaktiver untersucht werden. Dies gilt ganz besonders für Menschen in Lateinamerika, so der Schluss einer retrospektiven Beobachtungsstudie aus Mexiko, in der festgestellt wurde, dass von mehr als 2.000 Patienten mit Magenkarzinom jeder Siebte jünger als 40 Jahre war und ein schlechteres Outcome als ältere Patienten aufwies.
Anzeige:
In der Studie wurden die Daten von 2.022 Patienten, bei denen zwischen 2004 und 2016 ein Magen-Adenokarzinom diagnostiziert worden war, ausgewertet. 290 Patienten (14%) waren jünger als 40 Jahre, wobei der Anteil an Frauen höher war (54% Frauen vs. 46% Männer). Bei den Frauen wurden zudem mehr diffuse (68% vs 32%; p=0,127) und gering differenzierte Tumoren (89% vs 84%; p=0,014), Siegelringzellen (76% vs 69%; p=0,049) und eine höhere Prävalenz von Stadium IV (59% vs. 41%; p=0,011) festgestellt, sodass sie ingesamt eine schlechtere Prognose hatten.
Das Gesamtüberleben betrug im Median 7 (Frauen) vs. 8 Monate (Männer) (p=0,03; HR=1,29; 95%-KI: 1,05-1,65). Das mittlere Gesamtüberleben war bei Patienten mit Tumoren am Übergang Ösophagus/Magen mit 7 vs. 14 Monaten (HR=0,68; 95%-KI: 1,05-2,688; p=0,23) und im fortgeschritteneren Krankheitsverlauf signifikant schlechter und betrug in den Stadien I-III, bei lokal fortgeschrittenem Tumor und im Stadium IV jeweils 33, 12 bzw. 5 Monate (HR=2,28; 95%-KI: 1,72-3,01; p=0,001).

Unabhängige Prädiktoren für das Gesamtüberleben wurden in einer Cox-Regressionsanalyse dargestellt: Geschlecht (HR=1,29; 95%-KI: 1,01-1,65; p=0,038), Primärtumor (HR=1,68; 95%-KI: 1,05-2,68; p=0,02) und das klinische Stadium (HR=2,28; 95%-KI: 1,72-3,01; p=0,001).

Bewusstsein für Magenkarzinom fördern

„Wir haben in den letzten 12  Jahren einen Anstieg von 120% bei Magenkrebs beobachtet, insbesondere bei Frauen, bei denen die Erkrankung in der Regel bereits fortgeschritten und daher mit einer schlechteren Prognose assoziiert ist – was sich wiederum nachteilig auf das Überleben auswirkt“, äußerte sich Dr. Germán Calderillo-Ruiz, National Cancer Institute, Tlalpan, Mexico, zu der Studie.

Während in früheren Studien vor allem Männer von Magen-CA betroffen waren, waren über Hälfte der Patienten unter 40 Jahren, die in die Studie aus Mexiko eingeschlossen waren, Frauen. Die Patientinnen wiesen zum Zeitpunkt der Diagnose häufiger diffuse und gering differenzierte Tumoren in einem späteren Stadium auf als Männer, sodass die Gesamtüberlebensrate signifikant niedriger war.

Vielfach sind es finanzielle Probleme, weshalb Frauen oft erst spät medizinische Versorgung in Anspruch nehmen. Diese Studie soll nun dazu beitragen, ein stärkeres Bewusstsein für ein erhöhtes Magenkrebs-Risiko auch bei jüngeren Menschen zu fördern, sodass Frauen mit gastrointestinalen Symptomen bereits früher medizinische Hilfe suchen. Das ist umso wichtiger, da Magenkrebs bei jungen Patienten aggressiver verläuft und entsprechend schlechter auf Therapien anspricht.

Prävention  

Man könne zwar genetische Faktoren nicht beeinflussen, jedoch andere Risikofaktoren, die das Risiko für Magenkrebs erhöhen, wie ungesunde Ernährung, Übergewicht und unbehandelte H. pylori-Infektionen, so Dr. Rodrigo Dienstmann, Vall d’Hebron Institute of Oncology, Barcelona, Spanien. Außerdem sollte jüngere Menschen, die regelmäßig unter Verdauungsstörungen, Sodbrennen und Magenbeschwerden leiden, geraten werden, diese Anzeichen nicht zu ignorieren, sondern einen Arzt zu konsultieren und sich diagnostischen Tests zu unterziehen. Ebenso sollten Ärzte die Möglichkeit von Magenkrebs bei Patienten < 40 Jahren aus Lateinamerika sowie bei Hispanoamerikanern grundsätzlich in Betracht ziehen, resümierte Dienstmann. Auf die neuesten Forschungsergebnisse aus Mexiko folgen weitere epidemiologische und molekulare Studien in Lateinamerika und Europa, um Subtypen von Magenkrebs in verschiedenen Regionen und Risikofaktoren in dieser Population zu untersuchen.

(übers. v. AH)

Quelle: ESMO World Congress on Gastrointestinal Cancer 2019


Das könnte Sie auch interessieren

Krebsblogger geben Einblick in ihre persönliche Krankheitsgeschichte

Krebsblogger geben Einblick in ihre persönliche Krankheitsgeschichte
© TIMDAVIDCOLLECTION - stock.adobe.com

11 Krebsblogger folgten der Einladung des forschenden Pharmaunternehmens Janssen in die Deutschlandzentrale nach Neuss, um sich beim 3. gemeinsamen Workshop auszutauschen und ihre Geschichte zu erzählen. Sie sehen sich selbst als Kämpfer gegen Krebs und „Mut-Anker“ für andere. Janssen, die Pharmasparte des Gesundheitskonzerns Johnson & Johnson, unterstützt dieses Engagement. 2018 und 2019 fanden bereits ein erster und ein zweiter Blogger-Workshop statt.

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten
© Alexander Raths / Fotolia.com

Für Krebspatienten ist die Teilnahme an einer Studie mit der Chance verbunden, frühzeitig Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden zu bekommen, die im klinischen Alltag nicht erhältlich sind. Neue Wirkstoffe bieten viele Chancen, können aber auch unbekannte Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen. Das ONKO-Internetportal erläutert, welche Arten von Studien es in der Krebstherapie gibt und was Patienten, die sich für eine Studienteilnahme interessieren,...

Vom Telemedizin-Netzwerk bis zur Ersthelfer-App: Medizintrends mit Zukunft

Die Deutschen werden immer älter. Chronische Leiden wie Demenz oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen künftig das Gesundheitssystem auf die Probe. Medizinforscher und Gesundheitsexperten aller Branchen arbeiten längst unter Hochdruck an neuen Lösungen für die Gesundheitsversorgung von morgen. In die Karten spielen ihnen dabei die Digitalisierung und der Trend zur Vernetzung im Gesundheitswesen. Das zeigt auch der Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Auch bei Unter-40-Jährigen an Magenkarzinom denken "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASH 2019
  • Erhöhte Knochendichte ist ein ungünstiger prognostischer Faktor bei aggressiver systemischer Mastozytose
  • Neue ITP-Leitlinien der ASH unterstreichen die Bedeutung von Thrombopoetinrezeptor-Agonisten für die Zweitlinientherapie der ITP
  • Registerdaten aus dem klinischen Alltag zur CAR-T-Zell-Therapie bei DLBCL-Patienten
  • CML: Real-world-Daten zeigen besseres zytogenetisches und molekulares Ansprechen durch Zweitgenerations-TKI
  • Polycythaemia Vera: Post-hoc-Analyse des Langzeitansprechens auf Ruxolitinib
  • Transfusionspflichtige Myelodysplastische Syndrome: Ansprechen auf Eisenchelation geht im klinischen Alltag mit Überlebensverbesserung einher
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Verhältnis von RNA- und DNA-basierten quantitativen KIT D816V-Mutationsanalysen prognostisch relevant
  • Ruxolitinib moduliert Mikroenvironment des Knochenmarks bei der Myelofibrose
  • CML: TIGER-Studie bestätigt tiefes und anhaltendes molekulares Ansprechen unter Nilotinib-basierter Therapie
  • Sichelzellanämie: Reduktion schmerzhafter vaso-okklusiver Krisen verringert Organschädigungen und verbessert Lebensqualität