Mittwoch, 29. Januar 2020
Navigation öffnen

Multiples Myelom

Convit - Fotolia

Das Multiple Myelom (MM) wird als B-Zell-Lymphom und damit in die Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome eingeordnet. Beim MM vermehren sich klonale Plasmazellen unkontrolliert. Plasmazellen haben die Aufgabe, Immunglobuline (Antikörper) zu produzieren, beim MM entstehen nicht funktionsfähige Paraproteine (im Urin als Bence-Jones-Proteine bezeichnet). Die Inzidenz beträgt in Deutschland laut RKI pro 100.000 Einwohner 9,2 Männer und 7,4 Frauen.

Im Knochenmark können sich die bösartigen Plasmazellvermehrungen an mehreren Stellen manifestieren (daher der Begriff Multiples Myelom).

Ist nur ein Krankheitsherd im Knochenmark auszumachen, wird dies als Plasmozytom bezeichnet. Bei seltenen Manifestationen außerhalb des Knochenmarks spricht man je nach Ort von Extramedullärem Myelom (typischerweise in Nebenhöhlen, Nasopharynx, Lunge), im Blut spricht man von einer Plasmazell-Leukämie.

Als Vorstufe des MM wird die Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) bezeichnet. Noch seltener kann sich aus einem MGUS ein sogenanntes Sklerotisches Myelom entwickeln.

Ist ein MM nachgewiesen, aber mit schleichendem Verlauf und asymptomatisch (= ohne CRAB-Symptomatik, s.u.), bezeichnet man dies als Smoldering MM. Hier gibt es Patienten, die ein sehr hohes Risiko haben, innerhalb kurzer Zeit ein symptomatisches Multiples Myelom zu entwickeln.

Reziviert die Erkrankung oder spricht nicht mehr auf die Behandlung an, liegt ein rezidiviertes/refraktäres Multiples Myelom (RRMM) vor.

Die Stadieneinteilung erfolgt durch das International Staging System (ISS), die die Tumorlast anhand der Menge an Beta-2-Mikroglobulin und Albumin misst.
 

Konsensus-Update der Diagnosekriterien durch die International Myeloma Working Group

Endorganschädengelten als belegt, wenn CRAB-Kriterien (Hyperkalzämie, Nierenversagen, Anämie, Knochenläsionen) erfüllt sind. Sobald ein CRAB-Kriterium auftritt, sollte die Therapie begonnen werden. Die Kriterien wurden gerade überarbeitet einschließlich einer moderneren Labordiagnostik und Bildgebung, um vor allem den Übergang von einem Smoldering Myeloma zu einem MM früher erkennen und behandeln zu können (1):

- Niere: GFR < 40 ml/min (statt Fixwert Serumkreatinin >173 µmol/l),

- Knochen: Nachweis osteolytischer Läsionen per MRI, CT, PET-CT statt Röntgenbild,

- non-CRAB-Kriterien wie Hyperviskosität werden ebenfalls als Hinweis auf Endorganschäden in Betracht gezogen,

- Nachweis von sogenannten "Myeloma-defining events" (Leichtketten-Nephropathie, ≥60% Plasmazellklone im Knochenmark oder mehr als eine fokale Läsion (>5 mm) im MRI) (Das Vorliegen bereits eines dieser Events führt zur Diagnose MM, auch wenn keine CRAB-Symptome vorliegen).

Hochrisiko-Zytogenetik, also Chromosomen-Aberrationen wie del(17p13), t(4;14) und/ oder +1q21, ist ein negativer Prognose-Marker. Dies gilt auch für Plasmazellkonzentrationen im Knochenmark >10% sowie einen hohen Anteil an Paraproteinen. Kommt hierzu noch ein erhöhter GEP70-Risiko-Score, liegt das Progressionsrisiko zu einem MM in den nächsten 2 Jahren bei 67% (2).

Mit Proteasominhibitoren der 2. Generation (Bortezomib, Carfilzomib) und immunmodulierenden Substanzen (Lenalidomid, Pomalidomid, Thalidomid) werden bessere Ansprechraten als unter Chemotherapie erreicht.

Lenalidomid, Thalidomid und Pomalidomid sind in der Kombination mit Melphalan und Prednison zur Erstlinientherapie zugelassen.

In der Rezidivsituation wird die Therapie vor allem durch Komorbiditäten und Toxizität der vorherigen Therapien beeinflusst. Der Einschluss in Studien wird für diese RRMM-Patienten angestrebt.

 

Neue Wirkmechanismen wie HDAC-Inhibition werden zu bestehenden Regimen gegeben, um die zytotoxische Wirkung zu verstärken und Refraktärität aufzuheben: Der pan-HDAC-Inhibitor Panobinostat verbesserte in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason in der Phase-III-Studie PANORAMA 1 signifikant das Ansprechen und das progressionsfreie Überleben (PFS) von Patienten mit RRMM im Vergleich zu Bortezomib und Dexamethason.

Daneben gibt es weitere, auch spezifischere HDAC6-Inhibitoren (Siehe auch Eintrag HDAC-Inhibition), die in Studien geprüft werden.

IMiDs und Proteasominhibitoren der 2. Generation in Kombination mit neuen Substanzen wie monoklonalen Antikörpern (z.B. Elotuzumab) eröffnen weitere Möglichkeiten, die Therapie beim rezidivierten/refraktären Multiplen Myelom in Zukunft noch weiter zu verbessern und möglicherweise auch Vorteile für das Gesamtüberleben zu zeigen. 

Selbsthilfeorganisationen unter: www.myelom-deutschland.de

Literatur:

(1) Rajkumar SV et al. International Myeloma Working Group updated criteria for the diagnosis of multiple myeloma. Lancet Volume 15, No. 12, e538-e548, November 2014.

(2) Dhodapkar et al. Clinical, genomic, and imaging predictors of myeloma progression from asymptomatic monoclonal gammopathies (SWOG S0120). Blood. 2014 Jan 2;123(1):78-85. doi: 10.1182/blood-2013-07-515239.

Registrieren Sie sich jetzt und nutzen Sie
das gesamte Angebot unserer Plattform

Jetzt registrieren

News

Multiples Myelom: Zulassungserweiterung für Daratumumab-VTd im Transplant-Setting

Der vollhumane, monoklonale CD38-Antikörper Daratumumab (Darzalex®) von Janssen ist erstmalig auch im Transplant-Setting des Multiplen Myeloms (MM) verfügbar. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat die Zulassungserweiterung von Daratumumab in Kombination mit Bortezomib (Velcade®), Thalidomid und Dexamethason (D-VTd) für erwachsene Patienten mit neu diagnostiziertem MM erteilt, die für eine autologe Stammzelltransplantation (ASZT)...

r/r Multiples Myelom: Anhaltendes Ansprechen in Phase-III-Studie unter Carfilzomib + Dexamethason und Daratumumab

Amgen hat weitere Ergebnisse aus der Primäranalyse der Phase-III-Studie CANDOR bekanntgegeben, die eine Therapie mit Carfilzomib (Kyprolis®) in Kombination mit Dexamethason und Daratumumab (Darzalex®) (KdD) mit Carfilzomib und Dexamethason alleine (Kd) bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom vergleicht. Die Daten wurden in der Late-Breaking-Abstract-Session der 61. Jahrestagung der American Society of Hematology präsentiert.

Nutzenbewertung nach AMNOG für neue Pomalidomid-basierte Triplett-Kombinationstherapie (PVd) beim multiplen Myelom abgeschlossen

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 5. Dezember 2019 seinen Beschluss im Rahmen des AMNOG-Nutzenbewertungsverfahrens für Pomalidomid (IMNOVID®) im neuen Anwendungsgebiet für erwachsene Patienten mit multiplem Myelom (MM), die mindestens eine vorausgegangene Therapie, darunter Lenalidomid (REVLIMID®), erhalten haben, veröffentlicht. Auf Basis des eingereichten Dossiers sieht Celgene einen Hinweis auf einen nicht quantifizierbaren...

MM-Therapie mit Anti-CD38-Antikörpern

Für Patienten mit Multiplem Myelom (MM) gibt es eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten wie z.B. IMiDs, Proteasom-Inhibitoren und monoklonale Antikörper. Eine erfolgreiche Therapieoption bei Patienten mit rezidiviertem und refraktärem (r/r) MM sind Anti-CD38-Antikörper, wie Prof. Dr. Igor Blau, Berlin, im Rahmen eines Symposiums beim DGHO-Kongress 2019 in Berlin darlegte. Aktuelle Studienkonzepte mit Anti-CD38-Antikörper stellte Prof. Dr. Katja Weisel,...

MM: Zulassungserweiterung des vollhumanen monoklonalen CD38-Antikörpers Daratumumab durch CHMP empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat die Empfehlung für eine Zulassungserweiterung des vollhumanen monoklonalen CD38-Antikörpers Daratumumab von Janssen abgegeben. Die Kombination von Daratumumab mit Lenalidomid und Dexamethason (D-Rd) wird nun auch in der Erstlinientherapie des Multiplen Myeloms (MM) für nicht-transplantationsgeeignete Patienten empfohlen.