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Medizin
04. April 2018

Proteasom-Inhibition beim Multiplen Myelom, ein bewährtes Therapieprinzip

Für die Behandlung des Multiplen Myeloms (MM) stehen verschiedene Therapieoptionen und unterschiedliche Substanzgruppen zur Verfügung. Um die Erkrankung langfristig zu stabilisieren, ist die Proteasom-Inhibition weiterhin ein bewährtes Therapieprinzip, speziell für zytogenetische Hochrisiko-Patienten. Behandlungsziel ist es, aus einer potentiell tödlichen Erkrankung eine langfristig behandelbare chronische Erkrankung zu machen, erläuterte Dr. Axel Nogai, Berlin. Vor diesem Hintergrund werden für die Behandlung des MM verschiedene Therapieansätze verfolgt. Diskutiert wird, ob mit frühzeitig eingesetzten Kombinationstherapien eine klonale Evolution vermieden bzw. deutlich verlangsamt werden kann und ob damit möglicherweise eine Hoffnung auf Heilung besteht.
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Rezidivtherapie mit Proteasom-Inhibition

In der Rezidivsituation soll die Erkrankung möglichst langfristig stabilisiert werden. Mit Ixazomib steht seit 2017 ein neuer, hochselektiver und reversibler Proteasom-Inhibitor zur Verfügung, der in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason zugelassen ist. Ixazomib hat den Vorteil, oral und zudem als Fixdosis eingenommen zu werden. Der Patient muss 1x pro Woche über 3 Wochen eine Kapsel schlucken, gefolgt von einer 1-wöchigen Therapiepause.

Die Proteasom-Inhibition ist nach wie vor ein bewährtes Therapieprinzip beim MM – auch deshalb, weil sie in der Kombination mit anderen Wirksubstanzen synergistische Effekte erzielt, so Dr. Ivana von Metzler, Universitätsklinikum Frankfurt/Main. Ziel sei es, die Behandlung mit einfach anzuwendenden Präparaten weiter zu optimieren und die Dauer der Krankheitsremissionen bei nur wenig zusätzlichen Nebenwirkungen weiter zu verlängern. Ixazomib biete dafür gute Voraussetzungen.

In der randomisierten Phase-III-Zulassungsstudie TOURMALINE-MM1 (1) verlängerte die orale Kombination mit Ixazomib+Lenalidomid/Dexamethason (IRd) im Vergleich mit Lenalidomid/Dexamethason alleine (Rd) die mediane progressionsfreie Zeit (PFS) um fast 6 Monate (20,6 vs. 14,7 Monate; HR 0,74), darunter auch bei älteren Patienten, solchen mit mittelgradiger Niereninsuffizienz sowie zytogenetischen Hochrisiko-Patienten. Speziell solche  mit del17p, t(4,14) oder t(4;16) scheinen von der Proteasom-Inhibition deutlich profitieren zu können. Die Triplett-Kombinationstherapie mit einem Proteasom-Inhibitor und einer immunmodulierenden Substanz (IMiD) werde daher von der IMWG (International Myeloma Working Group) empfohlen, so von Metzler (2). In der TOURMALINE-MM1-Studie zeigte sich der mediane PFS-Vorteil zugunsten der IRd-Therapie bei den Hochrisiko-Patienten besonders deutlich mit einer relativen Risikoreduktion um fast 50% (PFS: 21,4 vs. 9,7 Monate; HR=0,54). Die Triplette mit Ixazomib scheint die schlechte Prognose der zytogenetischen Hochrisiko-Patienten mit MM zu nivellieren, so von Metzler.
Zudem fließen Komorbiditäten und vorangegangene Toxizität in die Therapieentscheidung ein. Vorsicht sei u.a. geboten bei Patienten mit peripherer Polyneuropathie (PNP) und kardialen Vorerkrankungen. Doch auch hier schneide Ixazomib gut ab. Die PNP-Rate lag in der TOURMALINE-MM1-Studie mit 2% (Grad 3-4) niedrig (3). Bei kardialen Vorerkrankungen habe die reversible Proteasom-Inhibition (Bortezomib oder Ixazomib) Vorteile gegenüber der irreversiblen Hemmung (Carfilzomib), da sich die Myozyten bei reversibler Hemmung wieder erholen könnten, ergänzte Nogai.

Birigit Pohlmann

Quelle: DKK 2018; Symposium: Therapieentscheidungen beim Multiplen Myelom, Berlin, 22. Februar 2018, Veranstalter: Takeda

Literatur:

(1) Avet-Loiseau H et al. Blood 2017
(2) Sonneveld P et al. Blood 2016
(3) Moreau P et al. NEJM 2016


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