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15. Juli 2021
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Osteoprotektion in der Onkologie

Patienten mit Mamma- und Prostatakarzinom haben ein hohes Risiko für Knochenmetastasen und Tumortherapie-induzierte Osteoporose. Ab der ersten Metastase sollten Knochenschmerzen mit antiresorptiv wirkenden Substanzen wie Bisphosphonaten oder dem RANKL-Antikörper Denosumab behandelt werden. Die jeweiligen organspezifischen Leitlinien empfehlen die Osteoprotektion auf Basis der Datenlage zudem zum Schutz vor Tumortherapie-induzierter Osteoporose.
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Osteoprotektion: leitliniengerechter und fester Bestandteil der Therapie

Bis zu dreiviertel der Patienten mit einem metastasierten Mammakarzinom und sogar 9 von 10 Patienten mit fortgeschrittenem metastasierten Prostatakarzinom haben Knochenmetastasen und damit ein erhöhtes Risiko für skelettale Komplikationen (SRE) (1). Vor allem akute, ossäre Komplikationen, wie pathologische Frakturen, Rückenmarkskompressionen und die Notwendigkeit einer Bestrahlung oder einer stabilisierenden Operation beeinträchtigen die Lebensqualität der Patienten laut Prof. Tilman Todenhöfer, Studienpraxis Urologie, Nürtingen, meist erheblich. Die Osteoprotektion sei heute leitliniengerechter, fester Bestandteil des onkologischen Gesamtkonzeptes.

Verringerung von Skelettkomplikationen durch Bisphosphonate oder Denosumab

Beim Mammakarzinom zielt die Therapie ossärer Metastasen primär darauf ab, die symptomfreie Zeit zu verlängern, erklärte Prof. Cornelia Kolberg-Liedtke, Universitätsmedizin Essen. Eingesetzt werden Bisphosphonate, aber auch der gegen den Rank-Ligand gerichtete Antikörper Denosumab in der Dosierung von 120 mg s.c. alle 4 Wochen (XGEVA® 120 mg). Damit können Skelettkomplikationen sehr effektiv verringert und hinausgezögert werden (2). Für Denosumab sprechen seltenere Nierenfunktionsstörungen und Akut-Phase-Reaktionen, während Osteonekrosen bei beiden Medikamentenklassen vorkommen. Vor Beginn einer osteoprotektiven Therapie empfehle sich eine Abklärung des Zahnstatus.
 

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Ähnlich wie beim Mammakarzinom sei zeitlich verzögert auch beim metastasierten Prostatakarzinom die antiresorptive Therapie eingeführt worden, berichtete Todenhöfer. Nachdem 2002 für Bisphosphonate gezeigt wurde, dass sie die Zeit bis zum ersten skelettalen Ereignis um knapp 6 Monate verlängern können (3), vergingen 9 Jahre, bis Denosumab im direkten Vergleich mit Zoledronsäure die Zeit bis zum Auftreten des ersten skelettalen Ereignisses um zusätzliche 3,6 Monate verlängerte und sich auch bei Lebensqualitäts-bezogenen Parameter, z.B. der Zeit bis zur Schmerzprogression, als überlegen erwies (4).

Empfehlung: Evaluation von Osteoporose- und Frakturrisiko bei allen Krebspatienten

Beide Experten empfahlen, bei allen Krebspatienten, die eine endokrine Therapie erhalten, mittels T-Scores und weiterer Risikofaktoren das Osteoporose- und Frakturrisiko zu evaluieren und bei einem T-Score größer -2,0 Kalzium-  und Vitamin-D zu supplementieren sowie eine Bewegungstherapie einzuleiten. Liegen mindestens 2 weitere Risikofaktoren vor, darunter Alter über 65 Jahre, Rauchen, T-Score kleiner -1,5, Body Mass Index unter 20 oder länger als 6 Monate dauernde orale Glukokortikoid-Einnahme, wird eine zusätzliche Osteoprotektion mit Bisphosphonaten oder Denosumab empfohlen (5, 6). Unterstützung bei der Risikoevaluierung biete z.B. der FRAX-Risikorechner oder ähnlich aufgebaute Risikorechner auf onkowissen.de in der entsprechenden Osteoonkologie-App (7).

Dr. Ute Ayazpoor

Quelle: Virtueller Fachpresse-Workshop „Knochenschutz in der Onkologie“, 20.05.2021; Veranstalter: Amgen

Literatur:

(1) Lipton A et al., Cancer 2000;88:1082-90
(2) Fachinformation XGEVA®, Juni 2020
(3) Saad F et al., J Natl Cancer Inst. 2002;94:1458-68
(4) Fizazi K et al., Lancet 2011;377:813-22
(5) Coleman D et al., Ann Oncol 2020;31:1650-63
(6) DVO Leitlinie Osteoporose 2017.
(7) https://osteoonko.onkowissen.de/; Abruf 26.5.2021 


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