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Medizin

24. Oktober 2019 Neue Zelltherapie gegen Krebs

Für Patienten mit Lymphomen oder Leukämien bietet die erst seit einigen Monaten zugelassene CAR-T-Zelltherapie neue Hoffnung. Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) ist die einzige medizinische Einrichtung in Niederbayern und der Oberpfalz, die dieses innovative Verfahren anbietet.
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Etwa 20.000 Menschen in Ostbayern erhalten jedes Jahr die Diagnose Krebs. Trotz aller Fortschritte in der modernen Medizin, ist die Erkrankung nach wie vor in vielen Fällen nicht heilbar. Hoffen lassen innovative Therapien wie die CAR-T-Zelltherapie. Zwei Therapiesysteme, die diese Kombination aus Gen- und Zelltherapie vereinen, sind seit August letzten Jahres für die klinische Anwendung in Deutschland zugelassen und dürfen seither nur von wenigen, hochspezialisierten Zentren angewendet werden. Dazu zählt die Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III (Hämatologie und Internistische Onkologie) des UKR. Nach einem aufwendigen Zertifizierungs- und Qualifizierungsprozess haben ostbayerische Patienten seit Kurzem nun auch in der Region Zugang zu dieser höchst innovativen Therapieform. „Bei der CAR-T-Zelltherapie wird das eigene Immunsystem gegen die Krebszellen ‚scharf‘ gemacht. Das Verfahren steht derzeit für die Anwendung bei Lymphomerkrankungen und bestimmten Leukämieformen zur Verfügung und kann insbesondere Patienten helfen, für die keine konventionellen Therapien mehr vorhanden sind“, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III, das Verfahren.

Immunzellen werden neu programmiert

Unser körpereigenes Immunsystem patrouilliert auf der Suche nach Krankheitserregern und Krebszellen unentwegt durch unseren Körper. Eine besondere Rolle spielen hierbei die T-Lymphozyten, da sie Krebszellen erkennen und abtöten können. Diese Eigenschaften der T-Zellen macht sich die CAR-T-Zelltherapie zunutze.

Über eine Leukapherese werden die T-Lymphozyten des Patienten aus dessen Blut gefiltert. In einem speziellen Labor werden die Zellen daraufhin gentechnisch verändert und auf das spezifische Zieleiweiß der jeweiligen Krebszellen programmiert. „In der Folge tragen die T-Zellen einen chimären Antigenrezeptor (CAR) auf ihrer Oberfläche, der wie ein Schlüssel in ein Schloss passt. Er erkennt passgenau das Zieleiweiß auf den Krebszellen und bindet daran“, beschreibt PD Dr. Simone Thomas, Leiterin des CAR-T-Zell-Programms in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR, die gentechnische Veränderung der Zellen. Sobald die T-Zelle dann eine Krebszelle ausmacht und an diese bindet, erhält sie ein Signal. Dadurch kann sie die Krebszelle abtöten. Gleichzeitig wird die Aktivierung des Immunsystems verstärkt. Die Umprogrammierung der T-Zellen dauert üblicherweise 3-4 Wochen. Einige Tage bevor die veränderten Zellen dem Patienten wieder zurückgegeben werden, erhält dieser eine Chemotherapie, durch die die noch bestehenden Lymphozyten aus dem Körper entfernt werden. So erhalten die neuen T-Zellen Raum und es werden optimale Bedingungen für ihr Überleben und ihre Vermehrung geschaffen.

Schnelle Übertragung von Forschung in klinische Praxis

Eine CAR-T-Zelltherapie ist eine komplexe Behandlung, die nur in spezialisierten Zentren angeboten wird. Am UKR arbeitet dafür ein interdisziplinäres Team aus Spezialisten der Hämatologie und Onkologie, Transfusionsmedizin, Intensivmedizin, Neurologie, Radiologie, Pharmakologie und Psychoonkologie eng zusammen. Neben der klinischen Anwendung der CAR-T-Zelltherapie, ist die Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR auch selbst an der Erforschung von Zelltherapien beteiligt. Derzeit finden mehrere klinische Studien in diesem Bereich statt.

Einen großen Vorteil bietet hier auch die Standortnähe zum Regensburger Centrum für Interventionelle Immunologie (RCI). Am RCI wird intensiv an der Zellprogrammierung geforscht. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen zum einen in die klinischen Studien ein, an denen das RCI am UKR beteiligt ist. Zum anderen können die Ergebnisse auch schnell in die klinische Anwendung übertragen werden.

Quelle: Universitätsklinikum Regensburg


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