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Medizin
18. Februar 2013

Kopf-Hals-Tumoren: Neue S3-Leitlinie für das Mundhöhlenkarzinom empfiehlt Cetuximab

Patienten mit einem unheilbaren Tumorleiden der Mundhöhle sollen laut aktueller Leitlinienempfehlung eine Kombination aus platinbasierter Chemotherapie und Cetuximab erhalten.

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Im November 2012 veröffentlichten 26 beteiligte Fachgesellschaften unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGKMG) die S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Mundhöhlenkarzinoms (1). Damit steht erstmals ein ganzheitliches Versorgungskonzept für diese Indikation zur Verfügung. In der interdisziplinären Behandlung der Patienten durch Onkologen, Strahlentherapeuten, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Haus- und Zahnärzte sowie Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgen wird durch die klar formulierten und etablierten Diagnose-, Therapie- und Nachsorgeempfehlungen das ganze Potenzial an Kuration und positiver Prognose ausgeschöpft.

Cetuximab als Therapiestandard beim fortgeschrittenen Mundhöhlenkarzinom

Bei Patienten mit unheilbarem Tumorleiden, jedoch einem guten Allgemein- und Leistungszustand, zeichnen die Leitlinien-Experten unter der Koordination von Prof. Dr. Dr. K.-D. Wolff (Direktor der Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie des Klinikums rechts der Isar, München) Cetuximab in Kombination mit einer platinbasierten Chemotherapie mit einer starken Empfehlung aus. Die Aufnahme von Cetuximab in die aktuelle S3-Leitlinie für das Mundhöhlenkarzinom bestätigt den Stellenwert von Erbitux als Standardtherapie bei rezidivierten/metastasierten Kopf-Hals-Tumoren (2).

EXTREME: Gesamt- und progressionsfreies Überleben signifikant verlängert

In der multizentrischen Phase-III-Studie EXTREME* wurde die Hinzunahme von Cetuximab zur platinbasierten Chemotherapie mit anschließender Cetuximab-Erhaltungstherapie bis zum Progress gegen eine alleinige platinbasierte Chemotherapie bei nicht vorbehandelten Patienten mit rezidivierten und/oder metastasierten Kopf-Hals-Tumoren (SCCHN - Squamous cell carcinoma of the head and neck) verglichen. Die Kombination aus zielgerichteter Therapie mit dem EGFR-Antikörper und Chemotherapie führte gegenüber der alleinigen Chemotherapie zu einem signifikanten Überlebensvorteil von 2,7 Monaten (OS=10,1 vs. 7,4 Monate, p=0,04, HR=0,80), einer signifikanten Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (PFS=5,6 vs. 3,3 Monate, p<0,001, HR=0,54) sowie einer nahezu doppelt so hohen Ansprechrate (RR) von 36 vs. 20% (p<0,001). Von den 442 in die EXTREME-Studie eingeschlossenen Patienten wiesen 88 ein Mundhöhlenkarzinom auf (20%). Mit einer Hazard Ratio (HR) von 0,42 bezogen auf das Gesamtüberleben profitierten Patienten mit Mundhöhlenkarzinom besonders stark von der Kombination aus Cetuximab und platinbasierter Chemotherapie.

Nach 30 Jahren Stagnation ist das Cetuximab-haltige Behandlungsregime das einzige, das in der Erstlinientherapie bei rezidivierten/metastasierten Kopf-Hals-Tumoren einen signifikanten Überlebensvorteil erreichen konnte (3). Durch das günstige Verträglichkeitsprofil und die gute Ansprechrate sollte Cetuximab in Kombination mit platinbasierter Chemotherapie bis zum Progress gegeben werden.

Inzidenz der Kopf-Hals-Tumoren steigt

Kopf-Hals-Tumoren sind mit weltweit rund 635.000 Neuerkrankungen die sechsthäufigste Krebsart. In Deutschland erkranken jährlich ca. 16.000 Menschen an Karzinomen von Mundhöhle, Larynx, Pharynx oder Oropharynx. Begünstigt durch Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol, Viren (HPV16) und karzinogene Stoffe steigt die Zahl dieser Krebspatienten. Aber auch unzureichende Mundhygiene, schlechte Ernährung und mechanische Irritationen wie Prothesen können Auslöser sein. Früh erkannt ist das Karzinom mit organerhaltender Operation, Strahlen- und Chemotherapie gut behandelbar. Aufgrund unspezifischer Symptome wie Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Schwellungen der Halslymphknoten, Fremdkörpergefühl, Ohrenschmerzen oder Wunden im Mund- und Rachenraum wird das Karzinom bei ca. 60% der Erkrankten erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt.

Literaturhinweise:
(1) AWMF, „Diagnostik und Therapie des Mundhöhlenkarzinoms“, Registernummer 007 - 100OL
(2) Wilke H et al. Recurrent and/or metastatic squamous cell carcinoma of the head and neck (R/M SCCHN): changes in 1st-line treatment patterns in Europe 2008-2009. Annals of oncology:official journal of the European Society for Medical Oncology/ESMO 2010 Oct 21(8):viii322
(3) Vermorken JB et al. New England Journal of Medicine 2008; 359:1116-1127


* EXTREME (ErbituX in 1st-line Treatment of REcurrent or MEtastatic head and neck cancer)

Quelle: Merck Serono


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