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Medizin

08. Dezember 2020 Patienten mit ITP sind emotional erheblich belastet

Patienten, die an der seltenen Autoimmunerkrankung Immunthrombozytopenie (ITP) leiden, sind häufig einem hohen Leidensdruck ausgesetzt. Blutungssymptome, Thrombozytopenie aber auch Fatigue und emotionale Belastungen bis hin zur Depression schränken die Lebensqualität der Patienten stark ein. Die Querschnitts-Befragung I-WISh war als cross-sektionale Umfrage designt, die ITP-Patienten und die behandelnden Ärzte einbezog. Die Studie untersuchte u.a. die Belastungen, denen Patienten durch ihre Erkrankung ausgesetzt sind und evaluierte den Einfluss der ITP auf die Lebensqualität. Weiterhin widmete sich die Studie den diagnostischen Schwierigkeiten bei der ITP, verglich die Erfahrungen und Wahrnehmungen von Ärzten und Patienten im Hinblick auf das Management der Erkrankung und untersuchte, ob ein Bedarf an neuen Behandlungsoptionen besteht. Eine aktuelle Analyse der I-WISh-Studie, die bei der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) 2020 vorgestellt wurde, zeigte, wie stark die Erkrankung das emotionale Wohlbefinden der Patienten in Mitleidenschaft zieht (1). Weitere Beiträge zur I-WISh-Studie verdeutlichten den negativen Einfluss des Symptoms Fatigue (2) und machten klar, dass sich Patienten um die Nebenwirkungen einer Kortikosteroid-Therapie sorgen (3).
An der Querschnitts-Befragung I-WISh hatten 1.507 Patienten aus 13 Ländern und 472 Ärzte, die ITP-Patienten behandelten, teilgenommen. Das durchschnittliche Alter der Patienten lag bei 47 Jahren und 65% waren weiblich. In der Studie wurden neben demographischen Daten auch die Symptome der ITP und deren Auswirkungen auf die Patienten sowie die Beziehung zwischen Arzt und Patient erfragt. Die beim ASH-Meeting vorgestellte Analyse widmete sich dem Einfluss der ITP auf das emotionale Wohlbefinden der Patienten. Die Patienten waren gebeten worden, die emotionalen Auswirkungen ihrer Erkrankung auf Basis einer 7 Punkte umfassenden Skala zu bewerten (1).

Wie Dr. Nichola Cooper, London, UK, im Rahmen einer Posterpräsentation berichtete, waren 49% der Teilnehmer der Befragung der Meinung, dass die ITP einen erheblichen Einfluss auf ihr emotionales Wohlbefinden hat (5-7 Score-Punkte). Die Patienten sorgten sich vor allem um instabile Thrombozytenwerte, die sich nicht erklären lassen (63%), eine Verschlechterung ihrer Erkrankung (63%) oder davor, an der Erkrankung zu versterben (41%). Cooper betonte, dass Patienten, die emotional sehr belastet waren, auch häufiger von ITP-assoziierten Symptomen wie Fatigue, Petechien, Hämatomen, Depressionen oder Kopfschmerzen betroffen waren. Unter den Patienten, die Angst vor einer Krankheitsverschlechterung, schlechten Blutwerten oder vor dem Versterben hatten, waren Frauen häufiger von Symptomen wie Fatigue oder Kopfschmerzen/Migräne betroffen als Männer. Patienten, die emotional sehr betroffen waren, hatten zudem häufiger niedrige Thrombozytenwerte unter 100 x 109/l.

Die emotionale Belastung der Patienten durch die ITP stand auch in einem gewissen Zusammenhang mit der Medikation. Patienten mit großer emotionaler Belastung standen wesentlich häufiger unter einer Behandlung mit Kortikosteroiden als Patienten, denen es emotional besser ging. Vor allem Patienten, die sich Gedanken ums Sterben machten, hatten zum Zeitpunkt der Befragung deutlich häufiger eine Therapie mit Kortikosteroiden bekommen als diejenigen Patienten, die sich keine entsprechenden Sorgen machten (40% vs. 20%). Dies könnte laut Cooper darauf hinweisen, dass emotionale Instabilität möglicherweise teilweise durch den Gebrauch von Kortikosteroiden verursacht wird. Dagegen war der Einsatz von Thrombopoetin-Rezeptoragonisten (TPO-RA) bei emotional stark und weniger stark belasteten Patienten etwa gleich häufig.

Allein die Tatsache, dass sich nahezu jeder zweite der befragten ITP-Patienten Sorgen ums Sterben macht, ist laut Cooper ein deutlicher Hinweis darauf, wie stark die emotionale Belastung durch die ITP ist. „Sie könnte durch die Kortikosteroide möglicherweise noch verschlimmert werden“, so Cooper (1).

Eine weitere Analyse der I-WISh-Studie, die beim ASH vorgestellt wurde, machte deutlich, dass ITP-Patienten, die unter Fatigue litten, zum Zeitpunkt der Diagnose oder zum Zeitpunkt der Umfrage auch eine insgesamt erhöhte Symptomlast mit starker Beeinträchtigung der Lebensqualität aufweisen. So litten sie beispielsweise häufiger unter Depressionen und Ängsten (2). In einer weiteren I-WISh-Analyse zeigte sich, dass Patienten mit Kortikosteroid-Therapien weniger zufrieden waren als Patienten, die eine Anti-CD20-Therapie oder einen TPO-RA erhielten. Viele Patienten hatten Bedenken wegen der Nebenwirkungen der Kortikoid-Behandlung und sorgten sich um die Kurzzeit-, insbesondere aber um die Langzeitnebenwirkungen dieser Medikamente (3). Die ASH-Leitlinien 2019 und das International Consensus Dokument von 2019 empfehlen in diesem Kontext eine frühere Umstellung auf eine Zweitlinienbehandlung, die mit weniger Nebenwirkungen behaftet ist, etwa TPO-RAs (4, 5). „Eine solche Strategie würde die Nebeneffekte der Kortikosteroide vermindern und dabei auch die Lebensqualität der Patienten mit ITP verbessern“, erklärte Dr. Waleed Ghanima, Kalnes, Norwegen, beim ASH-Meeting (3).

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Quelle: 62nd Annual Meeting and Exposition der American Society of Hematology (ASH) vom 5.-8. Dezember 2020

Literatur:

(1) Cooper N et al. A Patient`s Perspective on Impact of Immune Thrombocytopenia on emotional Wellbeing: ITP World Impact Survey (I-WISh). ASH 2020, Abstract 1760 und Posterpräsentation.
(2) Bussel JB et al. Higher Symptom Burden in Patients with Immune Thrombocytopenia Experiencing Fatigue: Results from the ITP World Impact Survey (I-WISh). ASH 2020, Abstract 2668 und Posterpräsentation.
(3) Ghanima W et al. Patients’ Reported Perceptions on Satisfaction with Immune Thrombocytopenia Treatments: Results from the ITP World Impact Survey (I-WISh). ASH 2020, Abstract 845 und Posterpräsentation.
(4) Neunert C et al. American Society of Hematology 2019 guidelines for immune thrombocytopenia. Blood Adv 2019;3(23):3829-66.
(5) Provan D et al. Updated international consensus report on the investigation and management of primary immune thrombocytopenia. Blood Adv 2019;3(22):3780-817.


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