Samstag, 27. Februar 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Xospata
 
Medizin

05. Juni 2017 Hochrisiko-Mammakarzinom: Dramatische Erhöhung der pCR-Rate bei triple-negativem Brustkrebs und HR+/HER2- Tumoren durch eine Kombination von Pembrolizumab mit einer neoadjuvanten Standardchemotherapie

Immunonkologische Behandlungsansätze stehen derzeit im Fokus der klinischen Onkologie. Immer mehr Studiendaten sprechen dafür, dass eine Behandlung mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren wie Pembrolizumab Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren, deren Prognose bislang eher schlecht war, neue Chancen bieten kann. Mit Spannung erwartet wurden die ersten Teilergebnisse der Phase-II-Studie I-SPY 2, die den Einfluss innovativer Substanzen, hier Pembrolizumab (KEYTRUDA®), in Kombination mit einer neoadjuvanten Standard-Chemotherapie auf die Rate an pathologischen Komplettremissionen (pCR) bei Frauen mit Hochrisiko-Mammakarzinomen untersuchte. Die vorläufigen Daten, die Dr. Rita Nanda, Chicago/IL, USA bei der 53. ASCO-Jahrestagung in Chicago/IL, USA, im Rahmen einer Oral Abstract Session präsentierte, zeigen eine klinisch relevante und bisher nicht gekannte Erhöhung der pCR-Rate unter dem Einfluss des Checkpoint-Inhibitors (1, 2).
I-SPY 2 ist eine multizentrische Phase-II-Plattformstudie mit über 2.000 Patientinnen, die neue neoadjuvante Therapien – derzeit 13 verschiedene – evaluiert. Der primäre Endpunkt der Studie ist die pathologische Komplettremission (pCR, ypT0/Tis ypN0). Wirksubstanzen, die sich in der Studie als effektiv erweisen, werden anschließend einer konfirmatorischen Phase-III-Studie bei Patientinnen mit triple-negativem Mammakarzinom zugeführt und weiter evaluiert.

Bei der ASCO-Jahrestagung wurden erste Wirksamkeitsdaten zu einer Kombination einer neoadjuvanten Standardtherapie mit dem Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab bei Frauen mit HER2- Hochrisiko-Karzinomen vorgestellt. Eingeschlossen wurden Patientinnen mit invasivem Mammakarzinom ≥ 2,5 cm, die wöchentlich Paclitaxel 80 mg/m2  x 12 (Kontrolle) +/- hier Pembrolizumab 200 mg alle drei Wochen x 4  erhielten, gefolgt von Doxorubicin/Cyclophosphamid x 4. Auf der Basis des Hormon-Rezeptor(HR)- und HER2-Status sowie auf der Basis genetischer Tests wurden drei HER2- Biomarkersignaturen definiert und das Ansprechen der jeweiligen Patientinnen auf die Behandlung evaluiert: alle HER2- Tumoren, HR+/HER2- sowie HR-/HER2- (triple-negativer Brustkrebs, TNBC).

Nanda präsentierte in Chicago pCR-Raten, die auf Basis der Bayesschen Wahrscheinlichkeit-Analyse gegenüber der Kontrolle abgeschätzt wurden. 97 Patientinnen mit HER2-negativen Tumoren erhielten seit Dezember 2015 randomisiert neoadjuvante Chemotherapie in Kombination mit Pembrolizumab (n= 50). Die geschätzte pCR-Rate betrug bei allen HER2- Patientinnen unter der neoadjuvanten Chemo-Immuntherapie 46% gegenüber 16% unter einer alleinigen Chemotherapie, bei den Patientinnen mit TNBC entsprechend 60 vs. 20% und bei den HR+/HER2- Patientinnen 34% vs. 13%. 4 Zyklen Pembrolizumab plus Paclitaxel führten demnach laut Nanda zu einer Verdreifachung der geschätzten pCR-Rate beim TNBC und einer annähernden Verdreifachung der geschätzten pCR-Rate bei HR+/HER2- Tumoren. Nanda betonte, dass Pembrolizumab die erste Substanz sei, die in der Studie eine Wirksamkeit bei der HR+/HER2- Gensignatur gezeigt habe.

Nebenwirkungen ab Grad 3 waren unter der Kombinationstherapie in etwa so häufig wie unter der Kontrolle, doch treten häufiger Fatigue (5,8% vs. 0,6%), Nausea (4,3% vs. 0%) und Diarrhoe auf (7,2% vs. 2,2%). 6 Patientinnen entwickelten immunassoziierte Nebenwirkungen ab Grad 3 – eine Hypophysitis und 5 Nebennnieren-Insuffizienzen, mindestens 3 davon assoziiert mit einer Hypophysitis. Diese unerwünschten Effekte sollten laut Nanda beachtet werden; sie seien aber durch eine Substitutionstherapie gut behandelbar.

Nanda schließt aus den Daten, dass Pembrolizumab als Ergänzung zu einer neoadjuvanten Chemotherapie die pCR-Raten bei allen eingeschlossenen Patientinnen mit HER2- Mammakarzinomen wesentlich erhöht, am meisten profitieren Patientinnen mit TNBC von der Behandlung. Immunassoziierte Nebenwirkungen seien zu beachten.

Red.

Quelle: ASCO 2017

Literatur:

(1) Nanda R et al. Pembrolizumab plus standard neoadjuvant therapy for high-risk breast cancer (BC): Results from I-SPY-2. J Clin Oncol 35, 2017 (suppl; abstr 506)
http://abstracts.asco.org/199/AbstView_199_194235.html
(2) Nanda R et al. Vortrag im Rahmen der Oral Abstract Session „Breast Cancer – Local/Regional/Adjuvant“, ASCO 2017, 05. Juni 2017


Das könnte Sie auch interessieren

Zielgerichtete Brustkrebstherapie ist erfolgreich

Brustkrebs kann jede Frau treffen. Eine von acht Frauen wird im Laufe ihres Lebens mit der Diagnose konfrontiert - allein in Deutschland sind das 72.000 Frauen im Jahr. Doch dank innovativer Forschung und Entwicklung wurden gerade in der Behandlung von Brustkrebs in den vergangenen Jahren große Fortschritte erreicht. Heute sind zielgerichtete Medikamente verfügbar, die die Überlebensaussichten von Frauen mit Brustkrebs entscheidend verbessern.

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst
© pressmaster / Fotolia.com

Sieben von zehn Menschen in Deutschland fürchten sich am meisten vor Krebs. Bei Erwachsenen zwischen 30 und 44 Jahren und Frauen ist die Angst besonders groß. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Studie der DAK-Gesundheit. Ein weiteres zentrales Ergebnis: Das Engagement für die eigene Gesundheit wächst. Immer mehr Menschen gehen zu Vorsorgeuntersuchungen und halten sich mit Sport und gesunder Ernährung fit.

Junge Menschen vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten schützen

Junge Menschen vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten schützen
© Jochen Schönfeld / Fotolia.com

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat die Impfempfehlungen zur HPV-Impfung erweitert. Während es die offizielle Empfehlung für Mädchen bereits seit dem Jahr 2007 gibt, empfiehlt sie die HPV-Impfung seit diesem Jahr auch für Jungen. Um auf die Wichtigkeit der HPV-Impfung hinzuweisen, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Informationsmaterialien entwickelt, die derzeit an die ärztlichen Praxen versendet werden und darüber...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Hochrisiko-Mammakarzinom: Dramatische Erhöhung der pCR-Rate bei triple-negativem Brustkrebs und HR+/HER2- Tumoren durch eine Kombination von Pembrolizumab mit einer neoadjuvanten Standardchemotherapie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.