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Medizin
05. Juni 2017

Hochrisiko-Mammakarzinom: Dramatische Erhöhung der pCR-Rate bei triple-negativem Brustkrebs und HR+/HER2- Tumoren durch eine Kombination von Pembrolizumab mit einer neoadjuvanten Standardchemotherapie

Immunonkologische Behandlungsansätze stehen derzeit im Fokus der klinischen Onkologie. Immer mehr Studiendaten sprechen dafür, dass eine Behandlung mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren wie Pembrolizumab Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren, deren Prognose bislang eher schlecht war, neue Chancen bieten kann. Mit Spannung erwartet wurden die ersten Teilergebnisse der Phase-II-Studie I-SPY 2, die den Einfluss innovativer Substanzen, hier Pembrolizumab (KEYTRUDA®), in Kombination mit einer neoadjuvanten Standard-Chemotherapie auf die Rate an pathologischen Komplettremissionen (pCR) bei Frauen mit Hochrisiko-Mammakarzinomen untersuchte. Die vorläufigen Daten, die Dr. Rita Nanda, Chicago/IL, USA bei der 53. ASCO-Jahrestagung in Chicago/IL, USA, im Rahmen einer Oral Abstract Session präsentierte, zeigen eine klinisch relevante und bisher nicht gekannte Erhöhung der pCR-Rate unter dem Einfluss des Checkpoint-Inhibitors (1, 2).
I-SPY 2 ist eine multizentrische Phase-II-Plattformstudie mit über 2.000 Patientinnen, die neue neoadjuvante Therapien – derzeit 13 verschiedene – evaluiert. Der primäre Endpunkt der Studie ist die pathologische Komplettremission (pCR, ypT0/Tis ypN0). Wirksubstanzen, die sich in der Studie als effektiv erweisen, werden anschließend einer konfirmatorischen Phase-III-Studie bei Patientinnen mit triple-negativem Mammakarzinom zugeführt und weiter evaluiert.

Bei der ASCO-Jahrestagung wurden erste Wirksamkeitsdaten zu einer Kombination einer neoadjuvanten Standardtherapie mit dem Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab bei Frauen mit HER2- Hochrisiko-Karzinomen vorgestellt. Eingeschlossen wurden Patientinnen mit invasivem Mammakarzinom ≥ 2,5 cm, die wöchentlich Paclitaxel 80 mg/m2  x 12 (Kontrolle) +/- hier Pembrolizumab 200 mg alle drei Wochen x 4  erhielten, gefolgt von Doxorubicin/Cyclophosphamid x 4. Auf der Basis des Hormon-Rezeptor(HR)- und HER2-Status sowie auf der Basis genetischer Tests wurden drei HER2- Biomarkersignaturen definiert und das Ansprechen der jeweiligen Patientinnen auf die Behandlung evaluiert: alle HER2- Tumoren, HR+/HER2- sowie HR-/HER2- (triple-negativer Brustkrebs, TNBC).

Nanda präsentierte in Chicago pCR-Raten, die auf Basis der Bayesschen Wahrscheinlichkeit-Analyse gegenüber der Kontrolle abgeschätzt wurden. 97 Patientinnen mit HER2-negativen Tumoren erhielten seit Dezember 2015 randomisiert neoadjuvante Chemotherapie in Kombination mit Pembrolizumab (n= 50). Die geschätzte pCR-Rate betrug bei allen HER2- Patientinnen unter der neoadjuvanten Chemo-Immuntherapie 46% gegenüber 16% unter einer alleinigen Chemotherapie, bei den Patientinnen mit TNBC entsprechend 60 vs. 20% und bei den HR+/HER2- Patientinnen 34% vs. 13%. 4 Zyklen Pembrolizumab plus Paclitaxel führten demnach laut Nanda zu einer Verdreifachung der geschätzten pCR-Rate beim TNBC und einer annähernden Verdreifachung der geschätzten pCR-Rate bei HR+/HER2- Tumoren. Nanda betonte, dass Pembrolizumab die erste Substanz sei, die in der Studie eine Wirksamkeit bei der HR+/HER2- Gensignatur gezeigt habe.

Nebenwirkungen ab Grad 3 waren unter der Kombinationstherapie in etwa so häufig wie unter der Kontrolle, doch treten häufiger Fatigue (5,8% vs. 0,6%), Nausea (4,3% vs. 0%) und Diarrhoe auf (7,2% vs. 2,2%). 6 Patientinnen entwickelten immunassoziierte Nebenwirkungen ab Grad 3 – eine Hypophysitis und 5 Nebennnieren-Insuffizienzen, mindestens 3 davon assoziiert mit einer Hypophysitis. Diese unerwünschten Effekte sollten laut Nanda beachtet werden; sie seien aber durch eine Substitutionstherapie gut behandelbar.

Nanda schließt aus den Daten, dass Pembrolizumab als Ergänzung zu einer neoadjuvanten Chemotherapie die pCR-Raten bei allen eingeschlossenen Patientinnen mit HER2- Mammakarzinomen wesentlich erhöht, am meisten profitieren Patientinnen mit TNBC von der Behandlung. Immunassoziierte Nebenwirkungen seien zu beachten.

Red.

Quelle: ASCO 2017

Literatur:

(1) Nanda R et al. Pembrolizumab plus standard neoadjuvant therapy for high-risk breast cancer (BC): Results from I-SPY-2. J Clin Oncol 35, 2017 (suppl; abstr 506)
http://abstracts.asco.org/199/AbstView_199_194235.html
(2) Nanda R et al. Vortrag im Rahmen der Oral Abstract Session „Breast Cancer – Local/Regional/Adjuvant“, ASCO 2017, 05. Juni 2017


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