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Medizin

02. August 2018 Erkenntnisse zu Leukämievorform bei Kindern mit Down-Syndrom

Krebserkrankungen bei Kindern mit Down-Syndrom sind der Forschungsschwerpunkt von Prof. Dr. Jan-Henning Klusmann. Nun hat er weitere wissenschaftliche Artikel publiziert, die sich mit 2 Aspekten der Thematik auseinandersetzen. So hat eine milde Chemotherapie nicht ausgereicht, die Leukämieentstehung zu stoppen. Aber es war möglich, die Rate an tödlichen Komplikationen, die direkt durch die Vorleukämie hervorgerufen wurden, signifikant zu senken.  „Um eine Weiterentwicklung zur Leukämie zu verhindern, sollte eine gezieltere Therapie Anwendung finden, die konkret die vorleukämischen Zellen angreift“, sagt Klusmann.
Erkenntnisse könnten auch bei der Behandlung alter Menschen helfen

Die Artikel sind online im Fachjournal Blood Advances sowie in der August-Printausgabe des Fachjournals Haematologica erschienen. Die Erkenntnisse beider Arbeiten dienen aber nicht nur der Behandlung von Kindern mit Down-Syndrom, sondern können auch Ansätze für die Therapie von älteren Menschen liefern.

Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass bis zu 20% der Kinder mit Down-Syndrom direkt nach der Geburt eine Vorform von Leukämie entwickeln. Bei über einem Viertel der Fälle geht diese Vorleukämie in eine tatsächliche Leukämie über, die ohne eine intensive Chemotherapie tödlich verläuft. „Wegen des hohen Risikos an einer Leukämie zu erkranken, lag es nahe, trotz des jungen Alters der Kinder bereits die Vorform präventiv mit einer milden Chemotherapie zu behandeln“, so Klusmann. Dies untersuchten die Wissenschaftler und Ärzte in einer Studie, die von 2007 bis 2015 durchgeführt wurde und 102 Kinder einschloss. Es habe sich jedoch gezeigt, dass die Behandlung nicht wie gewünscht anschlug. „Man kann das Risiko nicht senken. Die milde Chemotherapie war nicht ausreichend, die Leukämieentstehung zu stoppen“, erklärt Klusmann. Aber es war möglich, die Rate an tödlichen Komplikationen, die direkt durch die Vorleukämie hervorgerufen wurden, signifikant zu senken. Für bestimmte Risikopatienten könne die milde Chemotherapie somit eine Therapieoption sein. „Um eine Weiterentwicklung zur Leukämie zu verhindern, sollte eine gezieltere Therapie Anwendung finden, die konkret die vorleukämischen Zellen angreift“, sagt Klusmann.

Um die Grundlage für eine gezielte Behandlung zu schaffen, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Klusmann in ihrer zweiten Arbeit die sogenannte Genschere CRISPR/Cas9 genutzt. Mittels dieser haben sie Mutationen, wie sie in der Vorleukämie von Kindern mit Down-Syndrom gefunden werden, in fetale, neugeborene und erwachsene blutbildende Zellen eingeführt. Es zeigte sich, dass die Mutationen den größten Effekt auf fetale blutbildende Zellen haben und deren Reifung stören. „Alles deutet auf einen fetalen Ursprung der Erkrankung hin. Die Vorleukämie entsteht also bereits im Mutterleib“, sagt Klusmann und ergänzt: „Indem die Unterschiede herausgearbeitet wurden, können wir nun neue Behandlungsmethoden entwickeln.“

Doch auch bei mehr als 10% aller älteren Menschen kann eine Vorform von Leukämie gefunden werden. Es besteht somit bei alten Menschen ebenfalls das Risiko, dass daraus eine richtige Leukämie wird. „Man könnte aus unserer Studie ableiten, dass es auch bei älteren Menschen keinen Erfolg bringt, die Vorleukämie mit milder Chemotherapie zu behandeln. Am besten sollten direkt zielgerichtete Therapien in Erwägung gezogen werden“, so Klusmann.


 

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Literatur:

Low-dose cytabarine to prevent myeloid leukemia in children with Down Syndrome: TMD Prevention 2007 study. Blood Advances, DOI: 10.1182/bloodadvances.2018018945

GATA1s exerts developmental stage-specific effects in human hematopoiesis. Haematologica, DOI: 10.3324/haematol.2018.191338


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