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Medizin

21. Januar 2021 Biomarker und zielgerichtete Therapie: Mit Präzisionsonkologie in die Zukunft

Präzisionsonkologie, definiert als der Einsatz prädiktiver Biomarker plus zielgerichtete Therapie, dürfte der Weg der Zukunft sein. An eindrücklichen Beispielen zeigte Prof. Martin Schuler, Essen, wie weit die Onkologie auf diesem Pfad schon vorangekommen ist.
„Präzisionsonkologie besteht nicht darin, immer reflektorisch an Gensequenzierung zu denken“, mahnte Prof. Schuler im Rahmen eines Satellitensymposiums während des 17. AIO-Herbstkongresses. Als Biomarker führte er neben Geschlecht, Alter, Gewicht, Differentialblutbild, Klinische Chemie-Parametern, Inflammationsmarkern, Akutphase-Proteinen, Serumtumormarkern, Ethnie, Enzympolymorphismen, Keimbahnveränderungen (Wirt-DNA), Bilddaten („Radionomics“), Histomorphologie, Immunhistochemie, Genexpression (Tumor-RNA) und somatische Genaberrationen (Tumor-DNA) an, aber diese Liste werde noch ständig erweitert.

Erste Ansätze zu einer Präzisionsonkologie gibt es seit etwa 20 Jahren, als die Bestimmung des Biomarkers Östrogenrezeptor zu einer zielgerichteten Therapie, nämlich mit Tamoxifen, führte. Ein neueres Beispiel sind die wiederkehrenden somatischen Mutationen, welche Wachstumsfaktoren beim Lungenkarzinom aktivieren. Für Patienten mit fortgeschrittenem Adenokarzinom der Lunge sind inzwischen eine ganze Reihe von auf die Mutation zugeschnittenen „personalisierten“ Erstlinientherapien zugelassen, z.B. mit den Wirkstoffen Afatenib, Alectinib, Critozinib, Dabrafenib, Pembrolizumab und vielen anderen mehr.

Beim NSCLC kennt man inzwischen eine ganze Reihe von EGFR-Mutationen, die sich zwei großen Gruppen sowie 12% „seltenen“ Mutationen zuordnen lassen. Gegen letztere wirken spezielle EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitoren wie z.B. Afatinib oder Mobocertinib, ferner der bispezifische Antikörper Amivantanab, der sich bereits in Phase 3-Studien wie PAPILLION oder MARIPOSA als effektiv und breit einsetzbar erwiesen hat.

Um die „personalisierte Therapie“ effektiv weiterzuentwickeln, bedarf es der Entitäten-übergreifenden klinischen Prüfung. Schuler stellte hierfür das „Basket-Design“ vor, bei dem verschiedene Krankheitsentitäten und histologische Features quasi in einen Korb geworfen und auf das Vorhandensein des angepeilten therapeutischen Targets untersucht werden. Anschließend werden Teilnehmer gesucht, die dieses eine Target aufweisen. Das Entitäten-übergreifende Biomarker-Profiling ist bereits klinische Realität, und erste Therapien werden geprüft, etwa in der RAGNAR-Studie zum Einsatz von Erdafinib bei Patienten mit verschiedensten soliden Tumoren an Brust und Eierstock ebenso wie an Magen und Pankreas bis hin zum Weichteilsarkom, die alle eines gemeinsam haben: eine onkogene FGFR-Aberration. Auf dem Weg zur Präzisionsonkologie sind die Krebsmediziner schon weiter vorangekommen, als im klinischen Alltag wahrgenommen wird.

Dr. Barbara Voll

Quelle: Satellitensymposium: „Precision Oncology in Solid Tumors – quo vadis?“ im Rahmen des 17. AIO-Herbstkongresses 2020, 21.11.2020; Veranstalter: Janssen-Cilag


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