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Medizin
13. Januar 2021

ALL: Zulassung von Blinatumomab auch für erwachsene Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positivem B-Vorläufer

Ab sofort können auch erwachsene Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver (Ph+), CD19-positiver, rezidivierter oder refraktärer B-Vorläufer akuter lymphatischer Leukämie (ALL) von Blinatumomab (BLINCYTO®) profitieren. Die Zulassungserweiterung basiert auf den Daten der Studie ALCANTARA, in der die Monotherapie mit Blinatumomab bei Hochrisikopatienten mit Ph+ ALL, deren Erkrankung rezidiviert oder refraktär gegenüber Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) war, untersucht wurde. Die Behandlung führte innerhalb von 2 Behandlungszyklen zu einer kompletten Remission (CR) oder CR mit partieller hämatologischer Erholung (CRh) von 36% der Patienten, wobei 88% der Responder auch ein vollständiges MRD-Ansprechen erreichten und somit eine wichtige Voraussetzung für eine Stammzelltransplantation erfüllten (1). Indiziert ist die Blinatumomab-Therapie, wenn die Behandlung mit mindestens 2 TKI fehlgeschlagen ist und keine alternativen Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen (2). Die Daten zur Sicherheit aus der Zulassungsstudie entsprachen dem von Blinatumomab aus anderen Untersuchungen bekannten Profil (1).
Die Ph+ ALL macht ca. 25% der Fälle von B-Vorläufer ALL bei Erwachsenen aus. Bislang gab es für Patienten, bei denen es nach einer Behandlung mit TKI zum Krankheitsprogress kam, nur wenige therapeutische Optionen (1).
 
Dass Blinatumomab bei Patienten mit Ph+ ALL wirksam und verträglich ist, konnte in der offenen, einarmigen, multizentrischen Phase-II-Studie ALCANTARA gezeigt werden (1). 45 erwachsene Patienten, deren Erkrankung nach mindestens einem TKI der zweiten oder späteren Generation (Dasatinib, Nilotinib, Bosutinib, Ponatinib) rezidiviert oder refraktär war, oder die eine Unverträglichkeit gegenüber Imatinib aufwiesen oder gegen dieses refraktär waren und einen TKI der zweiten oder späteren Generation nicht vertrugen, wurden mit Blinatumomab in 28-Tages-Zyklen als intravenöse Dauerinfusion behandelt. Primärer Studienendpunkt war die Rate einer CR/CRh im Verlauf der ersten beiden Zyklen. Wichtige sekundäre Endpunkte umfassten das MRD-Ansprechen, die Rate von allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantationen (alloHSZT), rezidivfreies Überleben, Gesamtüberleben und unerwünschte Ereignisse.
 
Medianes rezidivfreies Überleben 6,7 Monate, medianes Gesamtüberleben 7,1 Monate
 
Die Patienten erhielten im Median 2 Blinatumomab-Zyklen. Eine CR/CRh innerhalb der ersten beiden Zyklen erreichten 36% der Patienten (n=16), wobei die meisten Patienten (n=14) eine CR erreichten. Das Ansprechen auf Blinatumomab war unabhängig von der vorherigen TKI-Therapie. Das mediane rezidivfreie Überleben (RFS) betrug 6,7 Monate (95%-KI: 4,4 Monate bis nicht bestimmbar) bei einer medianen Dauer der Nachbeobachtung von 9 Monaten. Das mediane RFS bei den 14 Patienten, die ein vollständiges MRD-Ansprechen erreichten, betrug 6,8 Monate (95%-KI: 4,4 Monate bis nicht bestimmbar) bei einer medianen Dauer der Nachbeobachtung von 9 Monaten (1).
 
Das mediane Gesamtüberleben (OS) betrug 7,1 Monate (95%-KI: 5,6 Monate bis nicht bestimmbar) mit oder ohne Zensierung für alloHSZT bei einer medianen Nachbeobachtungsdauer von 8,8 Monaten. Auf der Basis einer Landmark-OS-Analyse (Landmark-Zeitpunkt am Ende von Zyklus 2 der Blinatumomab-Therapie) wurde das mediane OS für die 18 Patienten, die ein vollständiges MRD-Ansprechen erzielt hatten, bei einer medianen Nachbeobachtungsdauer von 5,3 Monaten nicht erreicht. Bei den MRD-Nonrespondern betrug das mediane OS 3,9 Monate (95%-KI: 3,0 Monate bis nicht bestimmbar) (1).
 
Von den 16 CR/CRh-Respondern erhielten 44% (n=7) anschließend eine alloHSZT. Darunter befanden sich 4 Patienten, die in kontinuierlicher Blinatumomab-induzierter Remission ohne weitere antileukämische Behandlung blieben und 3, die Blinatumomab zusammen mit anderen antileukämischen Therapien erhielten (1).
 
Vergleich von Blinatumomab mit Standard of Care-Chemotherapie
 
Da die ALCANTARA-Studie einarmig war, verglich eine weitere Studie die mit Blinatumomab erzielten Ergebnisse mit einer Standard of Care-Chemotherapie (SOC) einer externen Population (n=55) mittels Propensity score Analyse (PSA), um die Ungleichgewichte der Variablen in beiden Studien z.B. hinsichtlich Alter zum Zeitpunkt der Diagnose bzw. bei Therapiebeginn, Geschlecht, Zeit von der Diagnose bis zur letzten vorangegangenen Therapie, vorangegangener alloHSZT oder Salvage-Therapie sowie der Anzahl der vorangegangenen Salvage-Therapien anzupassen (3). Ferner wurde eine Bayesianische Dateierweiterung vorgenommen. Die durch die PSA ermittelten Raten für CR oder CRh betrugen 36% für Blinatumomab und 25% für SOC mit einer odds ratio von 1,54 (95%-KI: 0,61-3,89) bzw., basierend auf der Bayesianischen Dateierweiterung, 1,70 (95%-KI: 0,94-2,94). Die HR für das OS fiel zu Gunsten von Blinatumomab gegenüber SOC aus und betrug 0,81 (95%-KI: 0,57-1,14) bzw., basierend auf der Bayesianischen Dateierweiterung, 0,77 (95%-KI: 0,61-0,96). Die Ergebnisse stützen die in der ALCANTARA-Studie gezeigte gute Wirksamkeit von Blinatumomab (3).

Quelle: Amgen

Literatur:

(1) Martinelli G et al. Journal of Clinical Oncology, veröffentlicht unter jco.org am 29. März 2017.
(2) Fachinformation BLINCYTO®, Stand Dezember 2020
(3) Rambaldi A et al. Cancer 2020, 304-310


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