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Medizin

22. Juli 2016 Adenokarzinom der Lunge: Vollständige molekularpathologische Analyse aus einer Probe wichtig für Therapieerfolg

Beim fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Adenokarzinom der Lunge ist eine rasche und umfassende molekularpathologische Diagnostik entscheidend für die weitere Therapieplanung. Beim Hybrid-Capture-basierten Next Generation Sequencing (NGS) können mit nur einer Gewebeprobe alle relevanten genetischen Marker eines Tumors gleichzeitig bestimmt werden; die Gewebediagnostik mittels NGS kann im ambulanten Bereich über eine neue Ziffer des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) abgerechnet werden.
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Mit Hilfe der Liquid Biopsy lassen sich mittels Hybrid-Capture-NGS ebenfalls alle therapeutisch relevanten genetischen Veränderungen auch im Blut feststellen, was Betroffenen eine wiederholte Tumorbiopsie ersparen kann.

Zielgerichtete Therapien haben in den letzten Jahren das Gesamtüberleben (OS) von Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) im Vergleich zur Chemotherapie deutlich verbessert. Profitiert haben insbesondere Patienten mit EGFR-Mutation (ca. 15% der Patienten mit Adenokarzinom der Lunge) oder ALK-Translokation (ca. 5%), die mit Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) ein medianes OS von über 20 Monaten erreichen (1,2,3). Mit zielgerichteten Therapien behandelte Patienten hätten zudem eine höhere Lebensqualität, berichtete Dr. med. Sibylle Greiner, Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin des Krankenhauses St. Raphael, Ostercappeln, im Rahmen des von Novartis Oncology unterstützten Pathologen-Workshops „Vom Signalweg zur Therapie – Neue Wege beim Lungenkarzinom und Melanom“. Dazu ergänzte sie, dass diese Patienten in vielen Fällen eine dritte oder vierte Therapielinie bekommen könnten.

Wie Greiner weiter erläuterte, sei beim Adenokarzinom eine molekularpathologische Analyse unerlässlich, damit die Patienten eine exakte Diagnose und auf deren Basis eine optimale Therapie erhielten. Außer EGFR-Mutationen und der ALK-Translokation könnten zahlreiche weitere molekulare Alterationen eine pathogenetische Rolle spielen, die sich zielgerichtet behandeln ließen. Es lohne sich daher in jedem Fall, auch bei hoher Tumorlast, auf die molekularpathologische Analyse zu warten, so Greiner. Zwischen invasiver Probeentnahme und Erhalt des Testergebnisses vergingen bei optimalem Ablauf nicht mehr als fünf bis sechs Tage.

Molekulare Diagnostik bevorzugt mit einer einzigen Biopsieprobe durchführen

Aus Sicht des Molekularpathologen PD Dr. Lukas Heukamp, Institut für Hämatopathologie Hamburg, sollte die komplette relevante Diagnostik von Mutationen, Translokationen oder Kopiezahlveränderung mit einer einzige Biopsieprobe durchgeführt werden. Oft sei die verfügbare Materialmenge jedoch sehr gering, insbesondere wenn für jeden Marker, wie es häufig noch der Fall sei, eine Einzelmarker-Analyse vorgenommen werde. Laut Untersuchungen an größeren Kohorten erhielten ca. 30% der Patienten mit solchen Einzeltests keine vollständige Diagnose (4), sagte Heukamp. Der Nachweis von Translokationen und Kopiezahlveränderungen erfolgte zumeist sequentiell mittels der Mikroskopie-basierten FISH-Methode.

Optionen, die den Patienten belastende Re-Biopsien aufgrund von Materialmangel ersparen können, bestehen z. B. in modernen Sequenzierungsverfahren mittels Next Generation Sequencing (NGS). Bei diesem werden alle relevanten Genregionen des Tumors auf einmal amplifiziert und anschließend parallel sequenziert. Des Weiteren kann auf die Analyse anderer Proben ausgewichen werden, z. B. zytologische Präparate bzw. im Blut zirkulierende Tumor-DNA (Liquid Biopsy). Mit Weiterentwicklungen des NGS, beispielsweise dem Hybrid Capture Sequencing, gelingt es zudem, zusätzlich Translokationen und Kopiezahlveränderungen zu detektieren.

Neue Erstattungsmöglichkeiten für die Molekulardiagnostik

Bisher wurde die Parallelsequenzierung/NGS vom Gesundheitssystem nicht erstattet. Seit 1. Juli 2016 gibt es eine neue EBM-Ziffer, mit der sich die Kosten für die Gewebediagnostik mittels NGS im ambulanten Bereich abrechnen lassen. Die Liquid Biopsy ist von diesem Erstattungsweg vorerst ausgenommen. Laut Heukamp gebe es jedoch andere Möglichkeiten, diese abzurechnen. So biete das Lungennetzwerk NOWEL seinen Mitgliedern im Rahmen eines integrierten Versorgungsvertrags mit der Barmer GEK eine molekulare Tumordiagnostik auf Basis der Liquid Biopsy für ambulante und stationäre Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkarzinom, bei denen die Indikation für eine invasive Re-Biopsie bestehe. Für alle ambulanten Patienten gebe es zudem die Möglichkeit, einen Einzelantrag mit Kostenabtretung zu stellen, der in der Regel akzeptiert werde.
 

Quelle: Novartis

Literatur:

(1) Shaw AT, Kim D-W, Nakagawa K, et al. Crizotinib versus chemotherapy in advanced ALK-positive lung cancer. N Engl J Med 2013; 368:2385-2394.
(2) Ou SH, Jänne PA, Bartlett CH, et al. Clinical benefit of continuing ALK inhibition with crizotinib beyond initial disease progression in patients with advanced ALK-positive NSCLC. Ann Oncol 2014; 25:415-422.
(3) Yang JC, Wu YL, Schuler M, et al. Afatinib versus cisplatin-based chemotherapy for EGFR mutation-positive lung adenocarcinoma (LUX-Lung 3 and LUX-Lung 6): analysis of overall survival data from two randomized, phase III trials. Lancet Oncol 2015; 16(2):141-151.
(4) Seidel D, Zander T, Heukamp LC et al. Genomic based classification of human lung tumors. Science Transl Med 2013; 5(209):209ra153.


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