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Medizin

27. Februar 2020 Neurofibromatose Typ 2: Antikörper als Therapiealternative bei Erwachsenen

Bei Neurofibromatose Typ 2 (NF2) bilden sich gutartige Hirntumoren beidseitig am Hör- und Gleichgewichts-Nerv. Die Therapie erfolgt meist mikrochirurgisch oder mit Radiochirurgie und stereotaktischer Radiotherapie. Eine medikamentöse Antikörpertherapie könnte zumindest für erwachsene Patienten eine Therapiealternative darstellen. Erste Studien hatten bereits gezeigt, dass bei 35-40% der Patienten mit fortschreitendem Vestibularis-Schwannom durch die Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Bevacizumab eine deutliche Hörverbesserung erreicht werden kann.
 
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Eine aktuelle multizentrische Phase-II-Studie untersuchte Wirksamkeit und Sicherheit mit höheren Bevacizumab-Dosierungen (10 mg/kg i.v. alle 2 Wochen statt wie in den vorhergehenden Studien 7,5 mg/kg alle 3 Wochen i.v.). „Leider musste festgestellt werden, dass hohe Bevacizumab-Dosen nicht zum besseren Therapieansprechen führten als die vorher untersuchte Dosierung“, kommentiert Prof. Dr. med. Wolfgang Wick, Ärztlicher Direktor, Neurologie und Poliklinik, Universitätsklinikum Heidelberg.

Studiendesign

In der Studie erhielten 15 Erwachsene und 7 Kinder mit fortschreitendem Hörverlust über 6 Monate 10 mg/kg alle 2 Wochen; danach für weitere 18 Monate eine Erhaltungstherapie in einer reduzierten Dosis (5 mg/kg alle 3 Wochen). Nach 6 Monaten zeigten 1/7 Kindern und 8/15 Erwachsenen eine Verbesserung im Hörtest (p=0,08), weitere 50% hatten zumindest keine weitere Hörverschlechterung erlitten. Eine Hörverschlechterung unter der Behandlung trat nur bei insgesamt 2 Patienten auf, beide waren unter 21 Jahre alt. In der Bildgebung zeigten 95% der Patienten keine weitere Zunahme der Tumorgröße; ein Therapieansprechen konnte bei 32% der erwachsenen Patienten erreicht werden. Bei den pädiatrischen Patienten kam es hingegen nicht zur Tumorverkleinerung.

Schlechteres Therapieansprechen bei Kindern

„Bei Kindern war das Therapieansprechen also schlechter als bei Erwachsenen – das kann verschiedene Gründe haben. So hatten die Kinder größere initiale Tumorvolumina. Natürlich muss auch bedacht werden, dass 7 pädiatrische Patienten keine ausreichend große Stichprobe bilden, um statistische Aussagen generieren zu können“, erklärt der Experte. Die NF2-bezogene Lebensqualität hatte sich insgesamt bei 30% der Patienten gebessert, der Tinnitus-bezogene Leidensdruck sogar bei 60%. Die Verträglichkeit von Bevacizumab wurde insgesamt als gut eingeschätzt.
„Ein klinischer Nutzen ist auf jeden Fall für die meisten Patienten vorhanden, für genauere Aussagen wären natürlich größere und randomisierte klinische Studien wünschenswert, aber bei seltenen Erkrankungen ist es immer schwierig, eine ausreichend große Patientenzahl zu rekrutieren“, so Wick. „Nach derzeitigem Kenntnisstand kann Bevacizumab zumindest für erwachsene Patienten eine Therapiealternative darstellen. Die Follow-up-Ergebnisse der weiteren Erhaltungstherapie müssen allerdings noch zeigen, ob die Progredienz der Erkrankung auch im weitere Verlauf aufgehalten werden kann.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)

Literatur:

Plotkin SR et al. J Clin Oncol 2019; 37(35): 3446-54


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