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Medizin

27. August 2015 Neue Option zur Behandlung der Opioid-induzierten Obstipation

Seit Anfang August ist mit Naloxegol (Handelsname: Moventig® 12,5 mg/25 mg Filmtabletten) eine neue Therapieoption für Schmerzpatienten mit Opioid-induzierter Obstipation auf dem deutschen Markt verfügbar. Bereits im Dezember 2014 erhielt Moventig® die EU-weite Zulassung zur Behandlung der Opioid-induzierten Obstipation bei erwachsenen Patienten, die unzureichend auf eine Laxantien-Therapie angesprochen haben (1). Als erste frei kombinierbare Begleitmedikation ermöglicht der neue orale, peripher wirkende Opioid-Antagonist Ärzten eine flexiblere Schmerztherapie. Nalogexol wirkt der Verstopfung kausal am Ort der Entstehung entgegen und hilft Betroffenen den Stuhlgang zu normalisieren.

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„Die rein symptomatische Behandlung der Opioid-induzierten Obstipation mit Laxantien wirkt oftmals unzureichend. Mit Naloxegol können wir betroffenen Patienten jetzt erstmalig eine frei kombinierbare orale Therapie anbieten, die an der Ursache dieser Nebenwirkung einer Opioid-Behandlung ansetzt“, so PD Dr. Michael Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga e.V.

Studien zufolge leiden bis zu 81 % aller Schmerzpatienten während der Therapie mit Opioiden unter einer Opioid-induzierten Obstipation (OIC, Opioid-Induced Constipation) (2). Dabei handelt es sich um eine spezielle Form der Verstopfung, die durch Bindung an μ-Opioid-Rezeptoren im Darm verursacht wird (3). Diese Nebenwirkung ist nicht nur die häufigste (4), sie hält im Gegensatz zu anderen Nebenwirkungen auch über die gesamte Dauer der Opioid-Therapie an (5,6). Betroffene entwickeln keine Toleranz und sind einem anhaltenden Leidensdruck ausgesetzt, der sie sowohl bei ihren Tagesaktivitäten einschränkt, als auch zu Fehlzeiten am Arbeitsplatz führen kann (7). Die Obstipation kann so stark ausgeprägt sein, dass sie die eigentliche Schmerztherapie beeinträchtigt: In einer Befragung berichteten mehr als 30 % der Patienten mit OIC, die Dosis verringert oder die Behandlung sogar abgebrochen zu haben, um den Stuhlgang zu erleichtern (8).

Naloxegol ermöglicht die Normalisierung des Stuhlgangs unter Opioid-Therapie

Für Schmerzpatienten mit OIC, die unzureichend auf eine symptomatische Therapie mit einem Laxans angesprochen haben, steht seit Anfang August der Wirkstoff Naloxegol zur Verfügung (1). Naloxegol ist ein peripher wirkender Opioid-Antagonist (PAMORA, Peripherally-Acting Mu-Opioid Receptor Antagonist), der einmal täglich oral eingenommen wird. Die Zulassung basiert auf dem KODIAC-Studienprogramm, das insgesamt vier Phase-III-Studien mit über 2.000 Teilnehmern umfasst (1,9). Wirksamkeit und Verträglichkeit von Naloxegol wurden in den zwei 12-wöchigen, Placebo-kontrollierten, doppelblinden Studien KODIAC-4 und -5 nachgewiesen. Die gepoolten Daten der beiden Studien zeigen, dass Naloxegol die Darmmotilität schnell und effektiv verbessern kann: Die untersuchten OIC-Patienten verzeichneten den ersten Stuhlgang im Median bereits innerhalb des ersten Tages (7,6 Stunden) nach der ersten Einnahme von Naloxegol im Vergleich zu 41,1 Stunden unter Placebo (p<0,001). In KODIAC-4 und -5 deutete sich bereits eine gute Verträglichkeit des Opioid-Antagonisten an. Beobachtete Nebenwirkungen betrafen vor allem den Gastrointestinaltrakt (GI-Trakt) und waren zumeist vorübergehender Natur (1). Dies ist mit dem Lösen der Verstopfung bei Therapiebeginn gut erklärbar. Eine Verlängerungsstudie mit einer Dauer von insgesamt 24 Wochen (KODIAC-7) sowie eine Langzeitstudie über 52 Wochen (KODIAC-8) haben die gute Verträglichkeit bestätigt (1).

Neuer PAMORA erhöht die Flexibilität der Opioid-basierten Schmerztherapie

Eine OIC tritt dann auf, wenn Opioide nicht nur an Opioid-Rezeptoren im Gehirn, sondern auch an jene im GI-Trakt binden. Dies führt unter anderem zu einer Reduktion der Darmmotilität und der intestinalen Sekretion – entscheidende Ursachen für eine hartnäckige Verstopfung (3,10). An dieser Stelle setzt der erste orale, peripher wirkende Opioid-Rezeptor-Antagonist Naloxegol an: Er hemmt die Bindung von Opioid-Molekülen an entsprechende Rezeptoren im GI-Trakt und wirkt so der OIC kausal am Ort der Entstehung entgegen. Die chemische Struktur des Wirkstoffs, der eine Weiterentwicklung des Opioid-Antagonisten Naloxon ist, verhindert gleichzeitig, dass er in klinisch bedeutsamem Maße die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann (1). Somit hat der erste oral verfügbare PAMORA Naloxegol keine Auswirkung auf die therapeutisch gewünschte analgetische Wirkung der Opioide im Zentralnervensystem (1). Darüber hinaus kann Naloxegol als Begleitmedikation verschiedener Opioide flexibel eingesetzt werden, was behandelnden Ärzten einen größeren Spielraum bei der Wahl einer individuellen Schmerztherapie für ihre Patienten verschafft.

„Mit Naloxegol ist es zum ersten Mal möglich, einen oralen Opioid-Antagonisten mit verschiedenen Opioiden unabhängig von der Dosierung und der Darreichungsform frei zu kombinieren“, so Dr. Viola Andresen, Leiterin des Palliative Care Teams am Israelitischen Krankenhaus in Hamburg.

Dr. Alexander Biedermann, Vice President Medical von AstraZeneca, fasst die Potentiale des neuen Arzneimittels zusammen: „Mit Naloxegol können die gastrointestinalen Nebenwirkungen einer Opioid-basierten Schmerztherapie unabhängig von der Wahl des Opioid-Agonisten bei gleichzeitiger Schmerzkontrolle kausal behandelt werden.“

Quelle: Astra Zeneca

Literatur:

(1) Moventig® 12,5 mg/25 mg Filmtabletten Fachinformation (Stand: Dezember 2014).
(2) Hess B et al. Attitude of Swiss physicians towards opioid-induced constipation: a national survey. Eur J Intern Med. 2011;22:527-531.
(3) Brock C et al. Opioid-induced bowel dysfunction: pathophysiology and management. Drugs 2012;72:1847-1865.
(4) Kalso E et al. Opioids in chronic non-cancer pain: systematic review of efficacy and safety. Pain 2004;112:372-380.
(5) Becker G et al. Novel opioid antagonists for opioid-induced bowel dysfunction and postoperative ileus. Lancet. 2009;373:1198-1206.
(6) Benyamin R et al. Opioid complications and side effects. Pain Physician. 2008;11:S105-S120.
(7) Bell T et al. Opioid-induced constipation negatively impacts pain management, productivity, and health-related quality of life: findings from the National Health and Wellness Survey. J Opioid Manag. 2009;5(3):137-144.
(8) Coyne KS et al. Opioid-induced constipation in patients with chronic noncancer pain in the USA, Canada, Germany, and the UK: descriptive analysis of baseline patient-reported outcomes and retrospective chart review. Clinicoecon Outcomes Res. 2014;6:269-281.
(9) Chey WD et al. Naloxegol for Opioid-Induced Constipation in Patients with Noncancer Pain. N Engl J Med. 2014;370(25):2387-2396.

 


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