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Medizin

07. Februar 2019 Hereditäres Angioödem: einfache und wirksame Prophylaxe mit Lanadelumab

Mit Lanadelumab (TAKHZYRO®▼) zur prophylaktischen Behandlung eines hereditären Angioödems (HAE) haben Patienten ab 12 Jahren eine echte Chance langanhaltend frei von Schwellungsattacken zu bleiben. In der Zulassungsstudie konnte mit einer subkutanen Applikation von 300 mg Lanadelumab alle 2 Wochen die Häufigkeit der HAE-Attacken um 87% reduziert werden und fast 8 von 10 Patienten waren im Steady State sogar attackenfrei. Zudem kam es mit Lanadelumab zu einer klinisch bedeutsamen Verbesserung der Lebensqualität. Der Kallikrein-Inhibitor ist aufgrund der subkutanen Applikation alle 2 Wochen einfach anzuwenden und stellt einen neuartigen Wirkansatz zur Prophylaxe dar (1).
HAE ist eine seltene genetische Erkrankung, von der weltweit schätzungsweise 1 von 10.000–50.000 Menschen betroffen ist (2,3). Die Erkrankung führt zu wiederholten Ödem-Attacken (Schwellungen) in verschiedenen Körperregionen, die im Gesicht, an den Extremitäten oder Genitalien stark beeinträchtigend und im Abdominalbereich sehr schmerzhaft sein können. Attacken der Atemwege können zum Ersticken führen (2-5). Der Leidensdruck der Patienten ist enorm. Dennoch kann es Jahre, mitunter sogar Jahrzehnte bis zur richtigen Diagnose dauern. Eine frühzeitige Diagnose sollte daher das Ziel sein. „Die Attacken selbst sowie die ständige Angst vor der nächsten, unvorhersehbaren Attacke beeinträchtigen erheblich Privatleben, Ausbildung und Beruf der Betroffenen. Ein optimales HAE-Management und Prophylaxe sind daher von großer Bedeutung“, so Prof. Dr. Petra Staubach, Universitätsmedizin Mainz.

Wirksamkeit: Im Steady State fast 8 von 10 Patienten frei von Attacken

Wie der Weg dorthin aussehen könnte, zeigt die randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte multizentrische Phase-III-Zulassungsstudie HELP (Hereditary Angioedema Long-term Prophylaxis) mit 125 Patienten ab 12 Jahren (1). Mit Lanadelumab 300 mg alle 2 Wochen* reduzierte sich die mittlere Häufigkeit von HAE-Attacken während der 26-wöchigen Studiendauer (Tag 0 bis Tag 182) um 87% gegenüber Placebo (p<0,001; Abb. 1) (1).

Mit Lanadelumab 300 mg alle 2 Wochen
  • traten 83% weniger moderate bis schwere Attacken auf.
  • erforderten 87% weniger Attacken eine Bedarfstherapie.
  • waren über die Studiendauer 44% der Patienten attackenfrei gegenüber 2% mit Placebo.
  • waren in der Steady-State-Behandlungsphase (Tag 70 bis Tag 182) fast 8 von 10 Patienten (77%) attackenfrei gegenüber 3% mit Placebo.

Als häufigste Nebenwirkung in allen Studienarmen traten Reaktionen an der Injektionsstelle auf, die i.d.R. mild und vorübergehend waren (1). „Mit Lanadelumab haben die Patienten eine echte Chance, ganz frei von Attacken zu werden”, bewertet Prof. Dr. Markus Magerl, Charité – Universitätsmedizin Berlin, die Studienergebnisse. „Neben dem neuartigen Wirkansatz und der Applikationsfrequenz alle 2 Wochen ist das ein weiteres Novum in der HAE-Therapie.“
 
Abb. 1: Mittlere Attackenrate mit Lanadelumab 300 mg alle 2 Wochen vs. Placebo (mod. nach (1)).
Abb. 1: Mittlere Attackenrate mit Lanadelumab 300 mg alle 2 Wochen vs. Placebo (mod. nach (1)).


Signifikant verbesserte Lebensqualität

Im Angioedema Quality of Life Questionnaire (AE-QoL) wurden mit Lanadelumab klinisch bedeutsame Verbesserungen (Reduktion im Gesamt-Score von mind. 6 Punkten) im Vergleich zu Placebo beobachtet. Die Verbesserungen zeigten sich in allen Domänen (Funktionsfähigkeit, Erschöpfung/Gemütslage, Ängste/Schamgefühl und Ernährung), am stärksten aber bei der Funktionsfähigkeit (1). „Lanadelumab ist eine vielversprechende Behandlung zur Prävention von Angioödem-Attacken, die auch die Lebensqualität von HAE-Patienten signifikant verbessern kann. Daher überzeugt es nicht nur uns Ärzte, sondern auch die Betroffenen“ so die Einschätzung von Dr. Inmaculada Martinez-Saguer, Hämophilie Zentrum Rhein Main Mörfelden-Walldorf.

Vereinfachte Anwendung
 
Lanadelumab ist ein humaner monoklonaler Antikörper und hemmt spezifisch die bei HAE-Patienten unkontrollierte Plasma-Kallikrein-Aktivität (6). Die Kallikrein-Aktivierung stellt einen zentralen Schritt im Kallikrein-Kinin-System dar, durch dessen Hemmung die übermäßige Freisetzung von Bradykinin und damit HAE-Attacken verhindert werden können (7). „Mit dem monoklonalen Antikörper haben wir einen neuartigen Wirkansatz zur Prophylaxe von HAE-Attacken“, erläutert Dr. Emel Aygören-Pürsün, Universitätsklinikum Frankfurt. „Zudem wird Lanadelumab – im Gegensatz zu bisher verfügbaren Prophylaxe-Optionen – aufgrund seiner langen Halbwertszeit nur alle 2 Wochen subkutan appliziert.“* Das vereinfacht die Anwendung erheblich. Es kann von den Patienten oder betreuenden Personen nach voriger Schulung durch medizinisches Fachpersonal verabreicht werden (1).

Patientenerfahrung: Seit 2 Jahren ohne Attacke

Bestätigt wurden die Studien-Daten zur Wirksamkeit und Lebensqualität durch den Erfahrungsbericht eines Patienten, der seit rund 50 Jahren mit HAE lebt. Im Umgang mit seiner langjährigen Erkrankung war er auf den Notfall entsprechend vorbereitet. Seit Anfang 2016 nimmt er an Studienprogrammen teil und ist seit dem Übergang in die offene Erweiterungsstudie, in deren Rahmen er gesichert Lanadelumab erhält, attackenfrei. Trigger, die sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Attacke geführt haben, zeigen keine Auswirkung mehr. Mit der subkutanen Lanadelumab-Prophylaxe, die der Patient alle 2 Wochen durchführt, gewann er nach eigener Aussage ein hohes Maß an Unabhängigkeit zurück. Reisen und viele andere Freizeitaktivitäten sind wieder uneingeschränkt möglich.

* Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 300 mg Lanadelumab alle 2 Wochen. Bei Patienten, die unter einer Behandlung attackenfrei sind, kann eine Dosisreduzierung von 300 mg Lanadelumab alle 4 Wochen in Erwägung gezogen werden, insbesondere bei Patienten mit geringem Körpergewicht.

▼ Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Hinweise zur Meldung von Nebenwirkungen, siehe Abschnitt 4.8 der Fachinformation.

Quelle: Shire

Literatur:

(1) Fachinformation TAKHZYRO 300 mg Injektionslösung (Lanadelumab), November 2018.
(2) Cicardi M et al. on behalf of HAWK (Hereditary Angioedema International Working Group), under the patronage of EAACI (European Academy of Allergy and Clinical Immunology). Classification, diagnosis, and approach to treatment for angioedema: consensus report from the Hereditary Angioedema International Working Group. Allergy 2014;69:602-616.
(3) Longhurst HJ, Bork K. Hereditary angioedema: causes, manifestations and treatment. Br J Hosp Med 2006;67(12):654-657.
(4) Zuraw BL. Hereditary angioedema. N Engl J Med 2008;359(10):1027-1036.
(5) Bork K et al. Fatal laryngeal attacks and mortality in hereditary angioedema due to C1-INH deficiency. J Allergy Clin Immunol 2012;130:692-697.
(6) Suffritti C et al. High-molecular-weight kininogen cleavage correlates with disease states in the bradykinin-mediated angioedema due to hereditary C1-inhibitor deficiency. Clin Exp Allergy 2014;44(12):1503-1514.
(7) Kenniston JA et al. Inhibition of Plasma Kallikrein by a Highly Specific Active Site Blocking Antibody. Journal Biol Chem 2014;289(34):23569-23608.


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