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Medizin

07. März 2018 Febrile Neutropenie: Bedarf für G-CSF-Prophylaxe vor jedem Chemotherapiezyklus abschätzen

Die Chemotherapie ist weiterhin eine wichtige Säule der systemischen onkologischen Therapie, betonte Prof. Dr. Hartmut Link, Kaiserslautern, anlässlich des Deutschen Krebskongresses in Berlin (1). Damit ist auch die Prophylaxe von febrilen Neutropenien (FN) als lebensbedrohliche Komplikation der Chemotherapie weiterhin von großer Bedeutung. Die FN-Prophylaxe mit Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktoren wird nach der aktuellen S3-Leitlinie „Supportive Therapie bei onkologischen Patienten“ (2) nicht nur abhängig von der Art der Zytostatika empfohlen, sondern auch unter Berücksichtigung von individuellen Risikofaktoren, die sich im Verlauf der Behandlung ändern können. Deshalb sollte das FN-Risiko vor jedem Chemotherapie-Zyklus erneut ermittelt werden.
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Zur Verkürzung der Dauer von Neutropenien und zur Verminderung der Inzidenz febriler Neutropenien sind G-CSF bei erwachsenen Patienten zugelassen, die wegen einer malignen Erkrankung eine zytotoxische Chemotherapie erhalten (mit Ausnahme von chronisch myeloischer Leukämie und myelodysplastischen Syndromen) (2). Bei den täglich zu gebenden G-CSF-Produkten wird laut Prof. Dr. Hartmut Link, Kaiserslautern, allerdings häufig nicht beachtet, dass die Gabe so lange erfolgen muss, bis die Neutrophilen wieder den Normwert erreicht haben (1). Lang wirksame Präparationen müssen dagegen nur einmal pro Zyklus gegeben werden. Sie sollten frühestens 24 Stunden, aber nicht später als drei Tage nach Ende der Zytostatikagabe verabreicht werden.

FN-Risiko individuell abschätzen

Der prophylaktische Einsatz von G-CSF wird von der S3-Leitlinie zur supportiven Therapie bei Einsatz von Zytostatika empfohlen, die mit einem FN-Risiko von 20% und höher einhergehen (2). Aber auch bei Chemotherapie-Protokollen mit einem Risiko für eine FN von 10% bis unter 20%, empfiehlt die Leitlinie eine FN-Prophylaxe mit G-CSF, wenn zusätzlich individuelle Risikofaktoren vorhanden sind. Die Leitlinie nennt folgende Risikofaktoren:
- Alter > 65 Jahre,
- niedriger Performancestatus,
- Komorbiditäten wie COPD, Herzinsuffizienz (NYHA III-IV), HIV-Infektion, Autoimmunerkrankung oder deutlich eingeschränkte Nierenfunktion,
- weit fortgeschrittene, symptomatische Tumorerkrankung,
- frühere Chemotherapie und
- Laborparameter wie Anämie, Lymphozytopenie (< 700/μl), Hypalbuminämie und Hyperbilirubinämie.

Besonders erhöht sich das Risiko für eine FN, wenn zusätzlich zu einem Chemotherapie-bedingten mittleren FN-Risiko von 10 bis 20% eine Kombination solcher Risikofaktoren vorliegt.

FN erhöhen Mortalität

Eine FN ist laut Prof. Link definiert als eine Neutropenie des Grads 3/4 (weniger als 1.000 neutrophile Granulozyten pro μl Blut) und einmalig eine Körpertemperatur von 38,3 °C oder mindestens eine Stunde lang von 38,0 °C. FN gehen mit erhöhter Morbidität und Mortalität einher. Zudem beeinträchtigt eine verringerte Dosisintensität durch FN-bedingte Dosisreduktionen und Zyklusverzögerungen der Chemotherapie den Therapieerfolg. Bei Brustkrebspatientinnen führte beispielsweise eine relative Dosisintensität der anthrazyklinbasierten Chemotherapie von unter 85% zu einer signifikanten Verschlechterung des Gesamtüberlebens (3).

G-CSF-Prophylaxe ist wirksam

Eine G-CSF-Prophylaxe kann die Häufigkeit von Infektionen reduzieren. Die mit der zytotoxischen Therapie assoziierte Neutropenie ist geringer ausgeprägt und kürzer (4). Damit einher geht eine Reduktion der Mortalität, wie bei verschiedenen Tumorerkrankungen und auch bei älteren Patienten gezeigt werden konnte (5).

Quelle: TEVA

Literatur:

(1) Symposium „Neue Standards in der Supportivtherapie – S3-Leitlinie Supportivtherapie“ am 23. Februar 2018 anlässlich des Deutschen Krebskongresses vom 21. bis 24. Februar 2018 in Berlin.
(2) S3-Leitlinie ”Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen - interdisziplinäre Querschnittsleitlinie”, Langfassung. Stand April 2017. AWMF-Registernummer: 032/054OL. http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-054OLl_S3_Supportiv_2017-05.pdf, letzter Zugriff 27.02.2018.
(3) Chirivella I et al. Optimal delivery of anthracycline-based chemotherapy in the adjuvant setting improves outcome of breast cancer patients. Breast Cancer Res Treat 2009; 114(3): 479-84.
(4) Crawford J et al. Reduction by granulocyte colony-stimulating factor of fever and neutropenia induced by chemotherapy in patients with small-cell lung cancer. N Engl J Med 1991; 325(3): 164-70.
(5) Lyman GH et al. The impact of the granulocyte colony-stimulating factor on chemotherapy dose intensity and cancer survival: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Ann Oncol 2013; 24(10): 2475-84.


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